PfadnavigationHomePolitikAuslandDemonstrationen gegen ChameneiIran beschränkt Internet – Proteste weiten sich auf 70 Prozent des Landes aus, fast 600 FestnahmenVeröffentlicht am 04.01.2026Lesedauer: 4 MinutenDie iranische Führung schränkt das Internet massiv ein, um landesweite Proteste gegen Obersten Führer Chamenei zu unterdrückenQuelle: -/dpaSeit über einer Woche protestieren Menschen im Iran gegen den Obersten Führer Chamenei. Sicherheitskräfte reagieren gewaltsam, Bürgerrechtler berichten von bislang mindestens 16 Toten und fast 600 Festnahmen. Das Internet ist massiv eingeschränkt, um Kommunikation und Berichterstattung zu erschweren.Bei den seit einer Woche andauernden regierungskritischen Protesten im Iran sind nach Angaben von Bürgerrechtlern bislang mindestens 16 Menschen getötet worden. 582 Personen seien zudem festgenommen worden, teilte das Aktivisten-Netzwerk HRANA am Sonntag mit. Die kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw sprach sogar von mindestens 17 Toten seit Beginn der Proteste, die sich an der prekären Wirtschaftslage und der hohen Inflation entzündet haben. Unabhängig ließen sich die Zahlen nicht überprüfen. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran unterdessen mit einem Eingreifen bei einem gewaltsamen Vorgehen gegen friedliche Demonstranten. Er nannte aber keine konkreten Maßnahmen. Hochrangige iranische Vertreter reagierten, indem sie mit Vergeltung gegen US-Streitkräfte in der Region drohten. Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, erklärte, sein Land werde sich „dem Feind“ nicht beugen.Lesen Sie auchDer Iran hat zudem das Internet eingeschränkt. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Samstag zeitweise einen Einbruch des Web-Traffics um etwa ein Drittel. Am heutigen Sonntagmorgen war das Volumen knapp 15 Prozent niedriger als üblicherweise zu erwarten. In sozialen Medien berichteten viele Iraner von massiven Internet-Störungen.Der Iran hatte das Internet auch bei vergangenen Massenprotesten – etwa 2009, 2019 und 2022 – sowie während der Angriffe des israelischen Militärs im Juni vergangenen Jahres teils stark eingeschränkt. Zeitweise wurde es komplett abgeschaltet – zugänglich blieben nur ausgewählte iranische Webseiten.Laut Beobachtern verfolgt die Führung der Islamischen Republik mit der Einschränkung des Internets zwei Ziele. Zum einen soll es Demonstranten erschweren, Proteste zu organisieren. Zum anderen soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Unruhen unterdrückt werden.Augenzeugen in der Provinz Ilam berichten von mehreren TotenAugenzeugen in der Provinz Ilam berichten von mehreren Toten und ebenso vielen Verletzten in der Kleinstadt Malekschahi. Zudem seien mehrere Demonstrierende festgenommen worden.Den Augenzeugen zufolge könnte die Rede des obersten Führers Ali Chamenei die Sicherheitskräfte ermutigt haben, in Ilam härter gegen die Demonstrierenden vorzugehen. In seiner ersten Stellungnahme zu den Protesten hatte Chamenei am Samstag jeglichen Dialog mit den „Unruhestiftern“ abgelehnt und strenge Maßnahmen gegen sie gefordert. Die Proteste bezeichnete er als Verschwörung in- und ausländischer Feinde Irans, die konsequent unterbunden werden müsse.Da die Behörden keine genauen Zahlen zu Festnahmen und Todesfällen nennen, lassen sich die Berichte in den sozialen Medien sowie die vorliegenden Aussagen von Augenzeugen nicht unabhängig verifizieren. Die Polizei spricht jedoch von einem „bewaffneten Aufstand“, der konsequent bekämpft werden müsse.Auch in der Hauptstadt Teheran berichteten Augenzeugen von einer neuen Verhaftungswelle gegen die Demonstrierenden. Besonders im Stadtzentrum und in der Nähe der Universität Teheran soll es erneut zu heftigen Protesten und Zusammenstößen mit Polizei und Sicherheitskräften gekommen sein. Es soll auch zu Festnahmen gekommen sein. Die Demonstrierenden nahmen auch Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Venezuela, wo US-Streitkräfte bei einem Angriff am Samstag den Staatschef Nicolás Maduro gefangen nahmen. „Ihr seid als Nächste dran“, skandierten einige Demonstrierende. Mehrere Protestierende seien festgenommen und in Minibussen abtransportiert worden, so die Augenzeugen.Vor dem ehemaligen Stadttheater im Zentrum Teherans kam es laut Augenzeugenberichten zu dramatischen Szenen. Demonstrierende ignorierten die Aufforderung der Polizei, den Ort unverzüglich zu verlassen. Daraufhin gingen die Beamten mit Schlagstöcken gegen die Menge vor, darunter viele junge Frauen. Einige Teilnehmer der Proteste wurden in Minibusse gezerrt und abtransportiert, andere suchten in nahegelegenen Geschäften Schutz vor Polizei- und Sicherheitskräften.Auch auf der Plattform X zogen zahlreiche Iraner Parallelen zu den Entwicklungen in Venezuela. Bilder des festgenommenen Maduro wurden dabei durch solche des obersten iranischen Führers Ali Chamenei ersetzt. Nutzer warnten das iranische System, dass ihm ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Die iranische Regierung hatte den US-Angriff auf die venezolanische Hauptstadt Caracas scharf verurteilt.Oberster Führer Chamenei in der KritikDie Proteste richten sich mittlerweile in erster Linie gegen Chameneis Person. Die Demonstrierenden werfen dem 86-jährigen Kleriker vor, das Land mit seiner kompromisslosen Politik in die internationale Isolation und damit in die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte geführt zu haben. Zudem kritisieren sie, dass er die finanziellen Ressourcen des Landes eher für den Kampf gegen Israel als für die eigene Bevölkerung einsetze.Lesen Sie auchDie seit sieben Tagen andauernden Proteste, die ursprünglich in Teheran begonnen hatten, weiteten sich Berichten zufolge inzwischen auf mehr als 70 Prozent des Landes aus. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten sind bislang mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein Mitglied der Revolutionsgarden in der Provinz Kurdistan im Westen des Landes – darin sind die jüngsten Vorfälle nicht eingerechnet. Mehr als hundert Demonstrierende sollen festgenommen worden sein. Einige dieser Fälle wurden auch von Staatsmedien bestätigt.dpa/ceb
Demonstrationen gegen Chamenei: Iran beschränkt Internet – Proteste weiten sich auf 70 Prozent des Landes aus, fast 600 Festnahmen - WELT
Seit über einer Woche protestieren Menschen im Iran gegen den Obersten Führer Chamenei. Sicherheitskräfte reagieren gewaltsam, Bürgerrechtler berichten von bislang mindestens 16 Toten und fast 600 Festnahmen. Das Internet ist massiv eingeschränkt, um Kommunikation und Berichterstattung zu erschweren.












