PfadnavigationHomePanoramaCrans-Montana„Eine der schlimmsten Tragödien unseres Landes“ – Mindestens 40 Tote und 115 SchwerverletzteVeröffentlicht am 01.01.2026Lesedauer: 5 MinutenBei einem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana sind in der Silvesternacht nach Polizeiangaben mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen.Hunderte Menschen feiern in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana den Jahreswechsel. Plötzlich kommt es zu einer tödlichen Explosion. Die Polizei spricht von etwa 40 Toten und mehr als 115 Verletzen. Die Opfer sind vor allem junge Leute.Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht haben sich am Nachmittag die Schweizer Behörden und der Bundespräsident zu den Opfern und Vorgängen der Nacht geäußert. Der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler sprach von „etwa 40 Toten und 115 meist Schwerverletzten“. Die Identifizierung der Körper, auch der Verletzten, werde noch einige Zeit beanspruchen, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. „Wir haben viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte.“ Zum Alter der Opfer konnten die Behörden nicht sagen, man gehe aber davon aus, dass „viele junge Leute“ betroffen seien. Es gebe vermutlich Tote und Verletzte aus dem Ausland. Man arbeite mit den Botschaften zusammen. Über mögliche deutsche Opfer ist aktuell nichts bekannt. Die Verletzten seien in Krankenhäuser in der Umgebung geflogen worden, insbesondere nach Lausanne, wo es eine Spezialklinik für Verletzte gebe. Man sei im Kontakt mit ausländischen Kliniken, da die Schweizer Spitale überlastet seien. Während der Silvesterparty in der bei Touristen beliebten Bar „Le Constellation“ ereignete sich gegen 1:30 Uhr eine „Explosion unbekannter Ursache“. Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte am Nachmittag, man gehe derzeit davon aus, dass zunächst „der ganze Raum Feuer gefangen“ habe und es dann zu einer Explosion gekommen sei. Es werde ausgewertet, ob sich die Besitzer der Bar den regelmäßigen Brandschutzkontrollen unterzogen hätten. Wie viele Leute sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Bar aufhielten und für wie viele Besucher sie zugelassen war, konnte sie ebenfalls nicht sagen. Auf Nachfrage äußerte sie sich nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten. Bundespräsident Guy Parmelin verschob seine für Donnerstagmittag geplante Neujahrsansprache. Er sprach den Opfern und den Familien sein Beileid aus: „Es handelt sich um eine der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Landes“, sagte er. Der Staatsrat verhängte eine „besondere Lage“.Platz für rund 400 PersonenDie Explosion soll sich laut der Schweizer Zeitung „Blick“ im Untergeschoss der Bar ereignet haben, die Platz für bis zu 400 Personen bietet. Diese Zahlen wollten die Behörden am Donnerstag nicht bestätigen. Lesen Sie auchEin Tourist aus New York filmte, wie Flammen aus der Bar schlugen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte er, er habe gesehen, wie Menschen hinausgelaufen und in der Dunkelheit geschrien hätten.Ein junger Mann spricht gegenüber dem Schweizer „Tages-Anzeiger“ von „Szenen wie im Krieg“. Dichter, schwarzer Rauch sei demnach aus der zerstörten Bar gequollen, Menschen brennend auf die Straße gerannt. Andere hätten reglos am Boden gelegen. Schreie seien durch die Nacht gehallt.Der Walliser Polizeikommandant berichtete am Donnerstagnachmittag von einer kurzen Chronologie der Ereignisse. Gegen 1:30 sei der Notruf bei der Polizei eingegangen, wenige Minuten später waren Einsatzkräfte bei dem Brand und löschten das Feuer, bargen Tote und Verletzte. Gegen 4:15 sei eine Hilfe-Hotline eingerichtet worden, die letzten Opfer gegen 5 Uhr versorgt, vor Ort sei medizinische Hilfe geleistet worden.Wunderkerzen oder Feuerwerk als Auslöser?Generalstaatsanwältin Pilloud betonte ausdrücklich, dass ein Anschlag „absolut ausgeschlossen“ werden könnte. Zwei Augenzeuginnen sagten dem französischen Sender BFMTV, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Der italienische Botschafter in der Schweiz spekulierte über einen Feuerwerkskörper. „Wir können dazu keine Angaben machen“, sagt Daniel Imboden, Sprecher der Kantonspolizei. „Wie immer wird in alle möglichen Richtungen ermittelt.“Ein Tourist aus London hat gegenüber einem „Blick“-Reporter berichtet, es habe viel Feuerwerk gegeben, obwohl diese verboten waren. „Dann gab es irgendwann eine sehr laute Explosion. Danach habe ich mehrere Krankenwagen gehört.“Mehrere überlebende Frauen wiederum schildern gegenüber dem französischen TV-Sender „BFMTV“, dass das Feuer durch eine Geburtstags- oder Wunderkerze, die auf einer Champagnerflasche befestigt war, entstanden sein soll. Als eine Frau die Flasche in die Höhe hielt, habe die Kerze demnach die Decke entzündet. Die Flammen hätten sich rasch ausgebreitet. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, berichteten die Französinnen bei BFMTV über die dramatischen Momente nach dem Ausbruch des Feuers. „Jemand schlug ein Fenster ein, damit die Leute rauskamen.“Eine Anwohnerin sagte „24 heures“, einer Zeitung in Lausanne, als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana „in vollem Gange“ gewesen, der Champagner sei „in Strömen geflossen“. Nach Ausbruch des Feuers sei die sorglose Stimmung in Crans-Montana verflogen und Menschen hätten sich auf den Straßen versammelt. „Wir konnten in der Ferne die Sirenen hören“, schilderte die Anwohnerin. „Die Menschen um mich herum waren fassungslos, besorgt, still.“ Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung, wegen der Silvesterfeuerwerke habe er zuerst nicht verstanden, was vor sich gehe. „Dann haben wir den Rauch gesehen. Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar.“Ein Zeuge sah laut „BFMTV“ auch „Eltern, die in rasender Geschwindigkeit in Autos ankamen und sich Sorgen um ihre Kinder machten“. „Es war wie in einem Horrorfilm“, fügte er hinzu.Wadephul „zutiefst erschüttert“ von BrandkatastropheBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat mit großer Bestürzung auf die tödliche Brandkatastrophe in der Schweiz reagiert. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb Wadephul am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst X. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich ebenfalls erschüttert. Im Onlinedienst X schrieb er: „Ein Moment der Freude wurde in Crans-Montana in der Schweiz zur Tragödie.“ Mondäner SkiortCrans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht in der Luxuskategorie, und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf, rund 180 Kilometer nordwestlich.afp/dpa/rtr/afp//rct/saha/krö