PfadnavigationHomePolitikDeutschlandGesundheitskostenKassenärzte fordern vier Euro pro Arztbesuch – Scharfe Kritik an „Kontaktgebühr“ für PatientenVeröffentlicht am 29.12.2025Lesedauer: 3 Minuten„Statt einer Praxisgebühr könnte es künftig als Eigenbeteiligung bei Arztbesuchen eine Kontaktgebühr geben“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen.Die Kassenärzte schlagen wie in Japan eine Kontaktgebühr von bis zu vier Euro pro Arztbesuch vor. So sollen die exorbitanten Gesundheitskosten eingedämmt werden. Aus der Politik, von Patientenschützern und Hausärzten kommt massive Kritik.Mit der Forderung nach der Einführung einer Kontaktgebühr für Patienten bei Arztbesuchen sorgen die Kassenärzte in Deutschland für breite Kritik. Ablehnung kam am Montag von mehreren politischen Parteien, Patientenschützern und Hausärzten.Die Kassenärzte hatten die Einführung einer neuen Gebühr für Patienten bei jedem Arztbesuch vorgeschlagen. „Statt einer Praxisgebühr könnte es künftig als Eigenbeteiligung bei Arztbesuchen eine Kontaktgebühr geben“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, „Bild“. „Sie könnte, wie zum Beispiel in Japan, bei drei oder vier Euro liegen und sollte von den Krankenkassen eingezogen werden.“ Auf diese Weise könne die Einnahmebasis der Kassen erhöht werden. Gassen betonte, die Gebühre müsse „sozial verträglich gestaltet werden, damit niemand überfordert wird“.Lesen Sie auchMit seinen Vorstellungen sorgt Gassen jedoch für massive Kritik. Im politischen Raum äußern SPD, Grüne und Linke erhebliche Vorbehalte. „Eine Praxis- oder Patientengebühr ist unsozial, ineffektiv und gesundheitspolitisch falsch“, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis den Funke-Zeitungen. „Sie schreckt nicht 'unnötige' Arztbesuche ab, sondern vor allem Menschen mit geringem Einkommen, chronisch Kranke und ältere Patientinnen und Patienten.“Auch die Grünen lehnten den Vorschlag kategorisch ab. Der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen, Sprecher für Gesundheitspolitik, sagte der „Rheinischen Post“: „Kontaktgebühren sind kein Instrument zur Lösung der Kostenkrise.“ Drei oder vier Euro pro Arztbesuch steuerten „weder sinnvoll in die richtige Versorgung noch senken sie spürbar Ausgaben“. Dahmen warnte vor allem vor mehr Bürokratie.Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ates Gürpinar sagte ebenfalls der „Rheinischen Post“: „Ob Praxis- oder Kontaktgebühr – die Leier bleibt dieselbe, aber die Finanzierungsprobleme der Krankenkassen werden damit überhaupt nicht gelöst.“ Stattdessen würden so vor allem arme und kranke Menschen aus dem Solidarsystem herausgedrängt.Hausärzte: Vorschlag hilft nicht PatientenDer Verband der Hausärztinnen und Hausärzte lehnt die Kontaktgebühr als kontraproduktiv und unsozial ab. „Die Idee, statt einer Praxisgebühr künftig eine Kontaktgebühr bei Arztbesuchen zu verlangen, ist der sprichwörtliche Sprung vom Regen in die Traufe“, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Verbands, den Funke-Zeitungen. „Solche Vorschläge stabilisieren weder die Finanzen des Gesundheitssystems noch helfen sie den Patientinnen und Patienten.“ Deutschland brauche „endlich grundlegende Strukturreformen im Gesundheitssystem“, betonte Buhlinger-Göpfarth. „Kein anderes Land hat ein derart ungesteuertes Gesundheitssystem wie Deutschland“, sagte sie.Lesen Sie auchDer GKV-Spitzenverband sprach von einem „offenkundigen Ablenkungsmanöver“. „Statt über Reformen zu sprechen, die dann auch die Ärzteschaft selbst betreffen würden, wird auf die Patientinnen und Patienten verwiesen“, beklagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands, bei AFP. „Unser Gesundheitssystem gibt pro Tag über eine Milliarde Euro aus, da braucht es keine zusätzlichen Einnahmen, sondern endlich Strukturreformen, die den extremen Ausgabenanstieg sinnvoll bremsen.“ Auch von Patientenschützern kam Kritik: „Patienten und gesetzlich Krankenversicherte sind die Melkkühe der Nation“, beklagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz. „Deutschland ist Spitzenreiter bei den Gesundheitsausgaben aber nur mittelmäßig bei der Lebenserwartung im Vergleich zu den Nachbarstaaten“, sagte er. Die Bundesregierung müsse „zunächst hier ansetzen, um das Gesundheitssystem aus der Perspektive der Patienten weiterzuentwickeln“.AFP/dpa/sebe/krö
Ärzte- und Klinikvertreter fordert „Kontaktgebühr“ für Patienten – bis zu 40 Euro würden fällig - WELT
Die Kassenärzte schlagen wie in Japan eine Kontaktgebühr von bis zu vier Euro pro Arztbesuch vor. So sollen die exorbitanten Gesundheitskosten eingedämmt werden. Aus der Politik, von Patientenschützern und Hausärzten kommt massive Kritik.






