PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungVorschlag KontaktgebührDas teure „Ärzte-Hopping“ muss endlich aufhörenVeröffentlicht am 21.08.2025Lesedauer: 2 MinutenWELT-Chefökonomin Dorothea SiemsQuelle: Claudius Pflug/WELTDie Krankenkassen kämpfen mit Finanzlöchern. Deshalb fordern die Arbeitgeber eine „Kontaktgebühr“ für jeden Arztbesuch. Das wäre tatsächlich ein gutes Mittel gegen Beitragssteigerungen. Ein Land in Europa praktiziert das mit Erfolg.Die Krankenkassen leiden unter akuter Finanznot. Die Ausgaben laufen aus dem Ruder, und trotz der erneuten Anhebung des regulären Beitrags zu Beginn des Jahres klettern die Zusatzbeiträge vieler Kassen immer weiter. Als Notfallmaßnahme gewährt die Bundesregierung der gesetzlichen Krankenversicherung milliardenschwere Darlehen, um nicht gleich wieder an der Beitragsschraube drehen zu müssen. Eine nachhaltige Lösung des Finanzdesasters soll eine Kommission suchen – die allerdings erst 2027 Vorschläge präsentieren wird. Die Arbeitgeber sprechen deshalb völlig zu Recht von „politischer Insolvenzverschleppung“. Angesichts der galoppierenden Lohnnebenkosten fordert der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, ausgabensenkende Reformen in den Sozialversicherungen, die angesichts der Bevölkerungsalterung überfällig seien. Und um den Koalitionären auf die Sprünge zu helfen, macht Kampeter mit der Forderung einer neuen „Kontaktgebühr für jeden Arztbesuch“ gleich selbst einen konkreten Vorschlag, den Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) unbedingt aufgreifen sollte.Lesen Sie auchDenn die Deutschen sind Weltmeister bei den Arztbesuchen. Und weil die Patienten in den meisten Fällen mit einem Rezept die Praxis verlassen, ist es kein Wunder, dass die Kassen gerade wieder einen Rekord bei den Arzneimittel-Verschreibungen melden.Schon einmal gab es hierzulande eine Praxisgebühr. Sie war einer der umstrittensten Punkte in der Agenda 2010, die der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder im Frühjahr 2003 im Bundestag angekündigt hatte. Mit zehn Euro, einmal pro Quartal, waren Hausarztbesuche plus sämtliche Überweisungen zu Fachärzten abgedeckt. Und Vorsorgetermine blieben – auch beim Zahnarzt – gebührenfrei. Die Einführung der Praxisgebühr war somit kein sozialer Kahlschlag, sondern ein probates Mittel, das AOK, Barmer & Co. zusätzliche Einnahmen brachte und damit den Beitragsdruck dämpfte. Allerdings blieb die erhoffte Steuerungswirkung aus. Die Versicherten zahlten – und betrieben ansonsten weiterhin das kostentreibende „Ärzte-Hopping“. Kampeters Idee ist jedoch smarter als die 2013 abgeschaffte Praxisgebühr, bei der das Prinzip „all inclusive“ galt. Statt einer einmaligen Gebühr pro Quartal soll die „Kontaktgebühr“ jedes Mal fällig werden. In Schweden gilt dieses sinnvolle Prinzip schon seit Jahrzehnten. Und die Skandinavier gehen in der Tat seltener und vor allem nicht mit Lappalien zum Doktor.
Vorschlag Kontaktgebühr: Das teure „Ärzte-Hopping“ muss endlich aufhören - WELT
Die Krankenkassen kämpfen mit Finanzlöchern. Deshalb fordern die Arbeitgeber eine „Kontaktgebühr“ für jeden Arztbesuch. Das wäre tatsächlich ein gutes Mittel gegen Beitragssteigerungen. Ein Land in Europa praktiziert das mit Erfolg.








