PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftPhilippine Leroy-Beaulieu„Es ist befreiend, im Rampenlicht älter zu werden“Von Silke BenderVeröffentlicht am 09.12.2025Lesedauer: 6 Minuten„Ich genieße das Glück des Augenblicks. Doch ehrlich gesagt: Genossen hätte ich ihn gern schon früher“, Philippine Leroy-BeaulieuQuelle: POMELLATOSeit „Emily in Paris“ steht Schauspielerin Philippine Leroy-Beaulieu auf dem Gipfel ihres Erfolgs – mit knapp 60. Ein Gespräch über Erfolg im zweiten Anlauf, starke Frauen, Pariser Snobismus und die Freiheit, dem eigenen Älterwerden gelassen zuzusehen.Alle Augen lagen bei dem Gala-Event in der Pinacoteca di Brera in Mailand auf ihr. Das Schmuckhaus Pomellato präsentierte die 75 Haute-Joaillerie-Stücke der „Collezione 1967“ – und deren neues Gesicht: Philippine Leroy-Beaulieu. In der Netflix-Serie „Emily in Paris“ verkörpert sie als PR-Agentur-Chefin Sylvie Grateau eine Art Symbolfigur: Was als Karikatur einer blasierten, sehr französischen Geschäftsfrau in der Luxuswelt begann, entwickelte sie mit jeder neuen Staffel zu einer immer facettenreicheren Sympathieträgerin voller Humor, Stärke und Herzlichkeit. Leroy-Beaulieu scheint die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihr überall entgegenkommt, zu genießen – ob in Mailand oder als Dauergast in der Front Row auf den Modenschauen in Paris. Selbst Stars wie Ex-Supermodel Laetitia Casta bitten sie beim Pomellato-Event um ein Selfie. Als Tochter eines italienischen Schauspielers und einer Designerin wuchs Leroy-Beaulieu in Rom auf und besuchte später eine Theaterschule in Paris. Ihr erster Kinoerfolg wurde 1985 die Komödie „Drei Männer und ein Baby“, nach dem sie als beste Nebendarstellerin für den französischen Filmpreis „César“ nominiert wurde. Zwar spielte sie danach immer wieder auch in Filmen bekannter Regisseure, aber der Durchbruch wollte ihr nicht gelingen. Die Rolle ihres Lebens bekam sie erst mit 57 Jahren: Darren Star, der Macher von „Emily in Paris“, schrieb nach dem Casting für sie sogar das Drehbuch um. Eigentlich hätte Sylvie Grateau nämlich viel jünger sein sollen. Nun geht die Serie, die Paris einen Touristenboom sondergleichen bescherte, ins fünfte Jahr. Ende der vierten Staffel sah alles danach aus, dass es mit „Emily in Rom“ weitergeht – aber Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte sich persönlich dafür ein, dass die Serie in Paris bleibt. Offenbar mit Erfolg. (Ausstrahlung der neuen Staffel ab 18. Dezember 2025).WELT: Sie arbeiten gerade an der fünften Staffel von „Emily in Paris“ – in Paris oder Rom?Philippine Leroy-Beaulieu: Ich bin in Paris – und wir sind in der Endphase des Drehs. Da die letzte Staffel in Rom endete, wird ein Teil der neuen noch in Italien spielen, aber wir sind zurück in Frankreich.Lesen Sie auchWELT: Pomellato wurde 1967 zu Beginn der italienischen Emanzipations- und Studentenbewegung gegründet. Was bedeutet die Marke für Sie?Leroy-Beaulieu: Ich habe die Marke in den 1970er-Jahren an meiner Mutter bewusst wahrgenommen. Sie liebte Schmuck, der modern, ungewöhnlich und kraftvoll war. Pomellato hatte mit seinem Design eine Disruption in die Schmuckwelt gebracht, die ihr gefiel. Die ersten Iconica-Ringe habe ich an ihr gesehen. Sie hatte große Hände, und ich fand diese voluminösen Goldringe an einer starken Frauenhand immer sehr beeindruckend. Meine Mutter arbeitete nach der Trennung von meinem Vater übrigens über 20 Jahre als Designerin, unter anderem im Juwelieratelier bei Dior in Paris.WELT: Über Ihren unkomplizierten Modegeschmack haben Sie bereits oft gesprochen – wie sieht Ihr privater Schmuckstil aus?Leroy-Beaulieu: Eine große Schmuckkäuferin war ich nie (lacht). Ich bekam ihn geschenkt, vor allem von meiner Mutter, sie arbeitete ja in der Branche, und von meiner Großmutter. Ringe trage ich eigentlich immer, ohne mindestens einen Iconica gehe ich heute nicht aus dem Haus. Sie passen einfach zu allem. Ohrringe mag ich zu besonderen Gelegenheiten, weil sie schöne Lichtspiele ins Gesicht zaubern.WELT: Heute, mit Anfang 60, stehen Sie auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere. Auch L’Oréal Paris hat Sie dieses Jahr unter Vertrag genommen. Genießen Sie den Erfolg anders als mit Mitte 20?Leroy-Beaulieu: Mit 62 hat man mehr Demut. Er steigt einem nicht so leicht zu Kopf. Man ist sich klarer darüber, dass sich alles wieder ganz schnell ändern kann, dass nichts ewig ist. Umso mehr genieße ich jetzt das Glück des Augenblicks. Doch ganz ehrlich, genossen hätte ich diesen Augenblick gern schon früher (lacht).Lesen Sie auchWELT: Sie sprechen sehr offen über die schwierigen Phasen Ihres Berufslebens, finanziell und in Bezug auf die Anerkennung. Wie haben Sie über Jahrzehnte die Zuversicht bewahrt?Leroy-Beaulieu: Habe ich gar nicht! Es gab durchaus Momente, in denen ich weinend im Bett lag. Aber weil ich jemand bin, der in der Gegenwart lebt, habe ich die Verzweiflungsstürme akzeptiert, in der Gewissheit, dass auch das irgendwann einmal vorübergeht. Man muss nur durchhalten! Ich sage meiner Tochter immer: All diese Stürme sind nicht dazu da, um uns zu brechen, sondern um uns wachsen zu lassen. Heute bin ich dankbar für all diese Prüfungen, weil sie mir die Augen geöffnet und mich letztlich zu einem liebevolleren und dankbareren Menschen gemacht haben.WELT: Und wie haben Sie die Flauten überlebt?Leroy-Beaulieu: Indem ich unter Pseudonym als Übersetzerin gearbeitet habe, ich spreche ja fünf Sprachen fließend. Und indem ich auch Rollen angenommen habe, auf die ich nicht wirklich Lust hatte. Ich habe gelernt, mit wenig Geld auszukommen und miete übrigens noch immer dieselbe Wohnung wie vor „Emily in Paris“.WELT: Inwiefern ähnelt Ihnen die Figur Sylvie?Leroy-Beaulieu: Sie ähnelt mir überhaupt nicht, auch wenn ich ihr ein paar kleine Züge meiner Persönlichkeit gegeben habe. In Wirklichkeit erinnert sie mich viel mehr an die Frauen, die ich durch meine Mutter kennengelernt habe, als sie bei Dior arbeitete. Diese starken und kompromisslosen Frauen der 80er- und 90er-Jahre, die hinter ihrer Blasiertheit eine tiefe Unsicherheit verbargen.Lesen Sie auchWELT: Wie erklären Sie sich den Erfolg von Sylvie, die neben der Protagonistin Emily zu einer der beliebtesten Rollen in der Serie geworden ist?Leroy-Beaulieu: Das hat mich selbst überrascht. Vielleicht liegt es an ihrer Komplexität. Dass sie nie ganz das ist, was man auf den ersten Blick in ihr sieht. Und vielleicht weckt genau das die Neugier – dieses Gefühl, dass man sie mögen will, weil man spürt, dass da noch etwas Tieferes ist, das sich erst nach und nach zeigt.WELT: Die heftigsten Kritiker von „Emily in Paris“ sind die Pariser selbst. Warum?Leroy-Beaulieu: Weil sie durch und durch Snobs sind (lacht)! Nicht alle, Gott sei Dank, ich kenne viele auch kluge Pariser, die die Serie mögen. Am Anfang dachte ich noch, es liegt daran, dass die anderen den Witz nicht verstanden haben. Aber inzwischen ist ganz eindeutig: Sie haben wirklich keinen Sinn für Humor. Sie sind so fixiert auf ihr eigenes Image und so beleidigt, durch den Kakao gezogen zu werden, dass sie gar nicht merken, wie sich „Emily in Paris“ genauso über Amerikaner lustig macht.WELT: Sie stehen in einem Alter im Rampenlicht, in dem sich einige Frauen aus Altersgründen daraus zurückziehen ...Leroy-Beaulieu: Es war nicht einfach, sein Selbstbild ständig öffentlich abzugleichen. Mittlerweile bekomme ich dazu immer mehr Distanz: Nun ist es sogar befreiend, mir beim Älterwerden zuzusehen. Ich finde es toll, zeigen zu können, dass Schönheit nicht nur ein faltenfreies Gesicht und Körper bedeuten, sondern auch die Botschaft ist, die ich als Frau in die Welt trage. Es zwingt mich jedenfalls täglich zu einer echten Auseinandersetzung. Und das ist etwas sehr Wertvolles.
„Emily in Paris“-Star Philippine Leroy-Beaulieu: „Es ist befreiend, im Rampenlicht älter zu werden“ - WELT
Seit „Emily in Paris“ steht Schauspielerin Philippine Leroy-Beaulieu auf dem Gipfel ihres Erfolgs – mit knapp 60. Ein Gespräch über Erfolg im zweiten Anlauf, starke Frauen, Pariser Snobismus und die Freiheit, dem eigenen Älterwerden gelassen zuzusehen.






