PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungStaatsbürgerschaftDeutschland, wo ist deine Selbstachtung?Von Fatina KeilaniRedakteurin im Ressort MeinungsfreiheitVeröffentlicht am 09.12.2025Lesedauer: 3 MinutenWELT-Autorin Fatina KeilaniQuelle: Stefan Beetz/WELT/Claudia WeidnerSolange Deutschland seinem Pass so wenig Wertschätzung beimisst, kann es von Einbürgerungskandidaten auch keinen Respekt erwarten. Kein Wunder, dass hier aufgewachsene Kinder sich dann als Albaner oder Syrer fühlen.Das Thema deutsche Staatsbürgerschaft taucht aktuell in den verschiedensten Facetten in der Öffentlichkeit auf. Zum einen hat Berlin einem eingebürgerten Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft wieder weggenommen, nachdem dieser die Hamas gefeiert hatte. Das wirft die Frage auf, ob er sein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, das seit Juni 2024 für die Einbürgerung verlangt wird, glaubwürdig abgegeben hat – und ob dies jemand richtig überprüft hat. Der Mann soll das nötige Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und sein Einstehen für den Schutz jüdischen Lebens auch erklärt haben – dann aber bei Instagram der Hamas gehuldigt haben. Ähnlich wie die gegenwärtigen Probleme mit massenhafter, irregulärer Migration von Menschen ohne Aussicht auf ein Bleiberecht am effizientesten dadurch vermieden werden könnten, dass die Personen gar nicht erst ins Land gelassen werden, so wäre es ebenfalls viel effizienter, den deutschen Pass in Zweifelsfällen gar nicht erst zu vergeben, bevor man das langwierige und umständliche Verfahren durchführen muss, um ihn wieder wegzunehmen. Dem genannten Hamas-Freund stehen jetzt noch Widerspruch und Klage offen, falls er mit der Ausbürgerung nicht einverstanden ist. Dies könnte durch gewissenhaftere Prüfung vor der Einbürgerung erspart werden.Ein weiterer Aspekt in der Debatte um den deutschen Pass ist das Thema doppelte Staatsbürgerschaft. Es hat sich nämlich bei der Frage des Wehrdienstes herausgestellt, dass jeder sechste junge Mann, der für die Bundeswehr gezogen werden könnte, einen weiteren Pass besitzt, was im Kriegsfall Loyalitätsfragen aufwerfen könnte.Lesen Sie auchDie Loyalität zum deutschen Staat ist auch bei vielen Kindern mit Migrationshintergrund fraglich, die nicht einmal zwei Pässe besitzen, sondern nur den deutschen. Das berichtete vor wenigen Tagen ein Realschullehrer bei WELT, in dessen Klassenzimmern Kinder sitzen, die zwar einzig die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sich aber trotzdem als Syrer, Afghanen oder Albaner fühlen, ohne jemals in diesen Ländern gewesen zu sein.Vielleicht liegt es daran, dass Deutschland selbst ein gespaltenes Verhältnis zur Nation und ein getrübtes Verhältnis zur eigenen Identität hat, dass ihm Patriotismus suspekt und Nationalismus auf jeden Fall zuwider ist. Andere sind aber nationalistisch, und wenn Deutschland nicht genau hinschaut, wen es da einbürgert, dann handelt es sich für die Zukunft gravierende Probleme ein und beerdigt die offene Gesellschaft.Erst kürzlich hat sich außerdem gezeigt, dass es einen schwunghaften Handel mit Sprachzertifikaten gibt, denn offenkundig müssen Einbürgerungskandidaten gar nicht persönlich im Amt erscheinen und einen Dialog auf Deutsch führen, in dem sie beispielsweise erläutern könnten, warum sie deutscher Staatsbürger werden wollen, was sie mit Deutschland verbindet und was sie in die hiesige Gesellschaft einbringen möchten. Lesen Sie auchIn einem Bundesland wie Berlin, in dem das Einbürgerungsverfahren als einziges Verwaltungsverfahren vollständig digitalisiert ist und eine persönliche Vorsprache auf dem Amt nicht erforderlich ist, darf sich niemand wundern, wenn sich Personen aus anderen Gründen einbürgern lassen als dem, dass sie sich nichts Schöneres vorstellen können als Deutscher zu sein. In Anbetracht all dessen wäre es an der Zeit, dass Deutschland sein Verhältnis zu sich selbst neu definiert und Selbstachtung entwickelt. Staatsbürger kann werden, wer auch wirklich Deutscher sein will – nicht wegen des unbegrenzten Zugangs zu Sozialleistungen und eines vergleichsweise hervorragenden Gesundheitssystems, sondern weil er sich mit Kultur und geistiger Landschaft Deutschlands identifiziert, wozu es auch gehört, das „Nie wieder“ des Grundgesetzes als Bestandteil der neuen Identität anzunehmen. Solange Deutschland seinem Pass jedoch so wenig Wertschätzung beimisst, kann es von Einbürgerungskandidaten nicht erwarten, dass diese einen höheren Respekt vor der deutschen Staatsbürgerschaft haben als das Land, das sie vergibt.