PfadnavigationHomeICONISTServiceHyundai Ioniq 6 NMit diesem Elektroauto erleben Petrolheads ihr babyblaues WunderVon Thomas GeigerVeröffentlicht am 08.12.2025Lesedauer: 5 MinutenJe kurviger, desto besser: Mit dem Hyundai Ioniq 6 N auf der RennstreckeQuelle: HyundaiE-Autos beschleunigen meist schneller, liegen besser auf der Straße und lassen sich im Grenzbereich leichter kontrollieren. Trotzdem kommen sie bei leidenschaftlichen Fahrern nicht so gut an. Vielleicht sollten die sich mal in den neuen Hyundai Ioniq 6 N setzen.Er trägt ein unschuldiges Hellblau und hat es doch faustdick hinter seinen extrabreiten Kotflügeln. Denn statt für männlichen Nachwuchs oder für die Babycreme im Land steht diese Farbe bei Hyundai für Lust und Leidenschaft am Lenkrad. „Performance Blau“ heißt die Lackierung und ist die Erkennungsfarbe der Hyundai N-Division. Vor 13 Jahren als Antwort auf die Tuningschmieden vor allem der deutschen Hersteller gegründet, sind die Koreaner damit rasant zu Ruhm gekommen. Längst werden sie in einem Atemzug mit AMG oder der M GmbH genannt, und vor allem kombinieren sie den Aufwand und die Konsequenz der süddeutschen Nobelhersteller mit dem breitensportlichen Ansatz von Modellen wie dem VW Golf R oder dem seligen Ford Focus RS. „Never just drive“ lautet ihr Motto, und die Autos fühlen sich tatsächlich so an, dass es einem nie nur ums Ankommen geht, sondern dass schon das Fahren Grund genug ist.Dabei versucht Hyundai immer stärker, diesen Spirit in die Welt der E-Mobilität zu übertragen und die Petrolheads dabei nicht vergraulen: Zwei Jahre nach dem elektrischen Erstling Ioniq 5 wird deshalb jetzt auch der Ioniq 6 babyblau lackiert und ins Trai-N-ingslager gesteckt. Für Preise ab etwa 75.000 Euro gibt’s dann ab Frühjahr nicht nur Doping für die beiden E-Maschinen, die künftig 650 statt 325 PS leisten, die Flunder in 3,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und knapp 260 km/h schaffen, sondern auch ein verschärftes Design mit neuer Frontschürze, sechs Zentimetern mehr Spur und entsprechend ausgebeulten Kotflügeln – sowie einem Heckspoiler, der so groß ist, dass alle fünf Insassen darauf ihre Kimchi-Schalen abstellen können. Lesen Sie auchZudem bietet der himmelblaue Flitzer auch jede Menge digitaler Spielereien, wie man sie aus der Simulation kennt. So kann der Fahrer zwischen drei Synthie-Sounds von der Raumschiff-Turbine bis zur erstaunlich authentisch klingenden Geräuschkulisse eines Verbrenners wählen, er kann allein die Kraftverteilung zwischen Front- und Hinterachse in elf Stufen variieren und er kann sich so lange in die Menüs für Stabilitäts- und Traktionskontrolle, Lenkunterstützung und Federung vertiefen, bis der 84 kWh große Akku schon ausgelaugt ist, bevor man den ersten von rund 400 Norm-Kilometern gefahren ist. Mit mehr Einstellmöglichkeiten als bei „Gran Turismo“ und pubertären Spielereinen wie einem digitalen Drift Coach oder einem Track Trainer erinnert der Ioniq 6 N an ein Spiel für die Playstation. Doch wenn er erst einmal fährt, ist diese Assoziation schnell vergessen. Mit seinem Sound und der digitalen Doppelkupplung samt simulierter Schaltsprünge, Zwischengas-Bollern und virtuellem Drehzahlbegrenzer nimmt einen der Wagen so sehr gefangen, dass man gar nicht mehr nach der Art des Antriebs fragt. Stattdessen greift man immer fester ins Lenkrad, der rechte Fuß wird immer schwerer, der Blick enger und die Mundwinkel wandern nach oben. Wie im Rausch über die LandstraßeWie im Rausch fliegt man über die Landstraße und merkt schnell, dass auf dem roten Kopf im Lenkrad nicht umsonst „N Grin-Boost“ steht. Als wäre das Auto nicht schon engagiert und aufgeladen genug, dreht er damit für ein paar Sekunden noch weiter auf und wird vollends zum Heißsporn. Technisch gibt es kaum Unterschiede zum Ioniq 5, genau wie beim Preis. Doch weil das Auto flacher ist und deshalb einen tieferen Schwerpunkt hat und weil die Koreaner ihn gegenüber dem Erstling noch mal ein bisschen straffer und vor allem vorhersehbarer abgestimmt haben, macht er tatsächlich noch einmal etwas mehr Spaß. Je enger, leerer und kurviger die Strecke dabei ist, desto besser: Das präzise Fahrverhalten mit dem je nach individueller Kraftverteilung zwischen den Achsen so lasziven Eigenleben im Heck, der erschreckend authentische Sound und vor allem die digitale Doppelkupplung nehmen den Fahrer so gefangen, dass er den E-Antrieb schon nach zwei, drei Kurven vergessen hat und gar nicht mehr auf den roten Grinse-Knopf im Lenkrad drücken muss, um ein breites Lachen im Gesicht zu haben: Soll noch einer sagen, Elektroautos wären nicht emotional.Kein Wunder, dass man im Navi wie von selbst nach der Nordschleife schaut, die neben dem Entwicklungssitz in Namjang der koreanischen Sportabteilung ihren Namen gegeben hat. Selbst da sollte der Ioniq 6 besser performen als die meisten anderen E-Autos, vor allem in dieser Liga. Denn wo man die Batterien sonst allenfalls fürs Laden konditionieren kann, hat Hyundai – die Playstation lässt noch einmal grüßen – auch entsprechende Programme für Sprint- oder Langstreckenrennen programmiert und verspricht, dass der Antrieb zwei Runden ohne Leistungseinbußen durchhält. Lesen Sie auchFahren um des Fahrens willen und dabei gar nicht nach dem Antrieb fragen – damit ist den Koreanern etwa gelungen, woran andere Marken noch immer zu kauen haben. Mit seinen N-Modellen hat Hyundai offenbar nicht nur bei der Genration E den Bogen raus - und bei all denen, die auch in der neuen Zeit den alten Spaß haben wollen. Daheim in Korea hat die N-Division sogar eine kleine Kulturrevolution ausgelöst – sagt zumindest der YouTuber Driftking Kim, der von Seoul aus die „Korean Car Scene“ beleuchtet. „Bis die ersten Power-Hyundais auf die Straße kamen, waren wir Autos gegenüber so emotional eingestellt wie Kühlschranken oder Waschmaschinen – nur dass wir sie halt in Silber und Schwarz gekauft haben statt in Weiß“, sagt der Szenekenner. Doch seit Hyundai auch Sportwagen baue, gäbe es in seiner Heimat mehr und mehr bekennende Petrolheads. Die Szene trifft sich nachts auf einsamen Parkplätzen – und auch im automobilen Alltag machen viele Koreaner inzwischen gerne mal blau. Die Probefahrt erinnert den Autostester Thomas Geiger an die PS-Helden seiner automobilen Adoleszenz erinnert. Der Huyndai Ioniq 6 N fühlte sich für ihn an wie die Fortschreibung des alten Golf GTI mit neuen Mitteln.