PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKinderlähmungPolio-Viren in Hamburger Abwasser nachgewiesen – die Behörden geben einen Impf-RatVeröffentlicht am 13.11.2025Lesedauer: 3 MinutenQuelle: picture alliance/picture alliance/Bildagentur-online/Bildagentur-online/SchoeningIn Hamburger Abwasser wurde ein Polio-Wildvirus entdeckt. Trotz des Fundes schätzen Experten die Gefahr für die Bevölkerung als gering ein. Die hohe Impfquote schützt vor einer Ausbreitung der Kinderlähmung. Die Quote darf aber nicht sinken.Lange galt Poliomyelitis, die Kinderlähmung, in Deutschland als besiegt. Dank flächendeckender Impfungen war die gefährliche Krankheit seit Jahrzehnten verschwunden. Jetzt wurde in einer Hamburger Abwasserprobe erstmals wieder ein Wildvirus des Typs 1 nachgewiesen – ein Fund, der Fachleute aufmerksam macht, aber nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts kein Risiko für die Bevölkerung bedeutet.Die Analyse stammt aus einem Forschungsprojekt des RKI und des Umweltbundesamts, das regelmäßig Abwasserproben aus deutschen Großstädten untersucht. Die positive Probe wurde Mitte Oktober entnommen, der Befund ist inzwischen bestätigt. Woher das Polio-Virus stammt, lässt sich nicht genau bestimmen, da die Proben im Klärwerk im Hamburger Hafen entnommen werden. Dort landet das Abwasser aus der ganzen Stadt und zum Teil aus angrenzenden Gebieten. Klar ist jedoch: Das Virus stammt nicht aus Impfungen. Dafür wird ein anderer Virustyp verwendet.Lesen Sie auchKinderlähmung ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem bei Kindern unter fünf Jahren auftritt. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Nur jedes zwanzigste Kind wird ähnlich wie bei einer Grippe krank. In einem von 200 Fällen befällt das Virus jedoch das zentrale Nervensystem und kann zu Lähmungen der Arme oder Beine führen. Besonders schwerwiegend ist es, wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, was tödlich enden kann. Eiserne Lunge rettete kleinen Patienten das LebenVor Einführung einer Impfung kam es in Deutschland regelmäßig zu großen Ausbrüchen mit vielen Betroffenen, die teilweise lebenslange Behinderungen davon trugen. Vor der Erfindung der „Eisernen Lunge“ waren schwere Infektionen, die sich auf die Atmung ausbreiteten, so gut wie immer tödlich. Die Impfung führte seit den 1960er-Jahren zu einem dramatischen Rückgang der Fälle und zur weitgehenden Ausrottung der Kinderlähmung in Deutschland. Seit 1990 ist kein Fall mehr bekannt, bei dem sich Kinder in Deutschland mit dem Polio-Virus infiziert haben. Aus dem Jahr 1992 stammen die letzten bekannten Fälle, in denen die Krankheit aus dem Ausland mitgebracht wurde. Auch aktuell gibt es keine bekannten erkrankten Kinder in Deutschland. Weltweit gelten Polio-Viren nur noch in Pakistan und Afghanistan als verbreitet. Eine Übertragung erfolgt über Schmierinfektionen, etwa über Stuhl, Hände und Mund.Lesen Sie auchDie Hamburger Gesundheitsbehörden raten, Impfungen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aufzufrischen. Der in Deutschland verwendete Totimpfstoff gelte als sicher und wirksam. Nach dem Fund des Wildtyps 1 im Hamburger Abwasser ist die für solche Fälle eingerichtete Fach- und Reaktionsgruppe Seuchenschutz zusammengekommen und beobachtet das Geschehen auch weiter. Zudem steht die Stadt im engen Austausch mit dem RKI. Aktuell laufen weitere Abwasserbeprobungen. Das Hamburger Trinkwasser, darauf machten die Behörden aufmerksam, ist nicht betroffen. Hamburg erhält sein Trinkwasser aus tief liegenden Grundwasserschichten.juve