PfadnavigationHomeRegionalesHamburgWirtschaftspolitikWie Hamburg Start-ups fördern und Deep-Tech-Unternehmen groß machen willVeröffentlicht am 11.11.2025Lesedauer: 6 MinutenMelanie Leonhard (SPD), Hamburgs Senatorin für Wirtschaft und InnovationQuelle: Marcus Brandt/dpaMit Innovationsparks, Millionenförderung und einer privatwirtschaftlichen Initiative will Hamburg gezielt Unternehmensgründungen unterstützen – vor allem im Bereich komplexer Technologien, die aus der Forschung kommen und neue Märkte erschließen sollen.Hamburg will mehr sein als Hafen, Handel und hanseatische Tradition. Schon seit Jahren fördert die Stadt deshalb Cluster aus Branchen, die dem Bild der historischen Hafenstadt neue Akzente hinzufügen: etwa aus dem Gesundheitswesen, aus der Lebensmittelindustrie und der Kreativwirtschaft.Nun richtet Hamburg richtet seine Innovationspolitik in einem weiteren Bereich neu aus. Mit einer Strategie, die auf Zukunftstechnologien setzt, vier geplanten Innovationsparks und einer privatwirtschaftlichen Initiative namens „Impossible Founders“ will die Stadt gezielt Unternehmensgründungen fördern – insbesondere im Bereich sogenannter Deep-Tech. Gemeint sind Technologien, die aus der Forschung kommen und besonders komplex sind, etwa in der Luftfahrt, der Energiebranche oder der Materialwissenschaft.Lesen Sie auch„Europas Wohlstand hängt davon ab, wie viel wir in Innovationen investieren“, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bei der Landespressekonferenz. Sie verwies auf einen Bericht des früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi, der Europas Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr sieht, wenn nicht mehr für Forschung und Entwicklung getan wird. Hamburg wolle nun gezielt gegensteuern.Kernstück der Strategie sind vier Innovationsparks in Altona, Bergedorf, Finkenwerder und Harburg. Sie liegen in der Nähe von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und sollen jeweils branchenspezifisch ausgerichtet sein: In Finkenwerder auf Luftfahrt, in Bergedorf auf neue Energien und Materialwissenschaften, in Altona auf Deep-Tech und Life Sciences.„Wir schaffen ein Netz, kein Einzelprojekt“In Harburg entsteht die „TechCity Hamburg“ auf einem 100 Hektar großen Gelände. Dort sollen Start-ups und etablierte Unternehmen gemeinsam mit der Technischen Universität Hamburg und dem Fraunhofer-Institut neue Produkte entwickeln.„Wir schaffen ein Netz, kein Einzelprojekt“, sagte Leonhard. Die Parks seien Teil eines Senatskonzepts, das gezielt auf bestehende Stärken der Stadt aufbaue.Lesen Sie auchDie Stadt fördert Gründungen mit Programmen wie „InnoFounder“ für digitale Start-ups oder „InnoImpact“ für soziale Innovationen. Wer sich bewährt, kann später über den „InnoVenture“-Fonds bis zu sieben Millionen Euro Risikokapital erhalten. Allein in diesem Jahr hat Hamburg bislang rund 36 Millionen Euro investiert. Für das kommende Jahr stehen über die landeseigene Investitions- und Förderbank 46 Millionen Euro zur Stadt-Up-Förderung zur Verfügung. „Wir fördern nicht alles und jedes“, betonte Leonhard. Entscheidend sei auch, ob eine Idee Aussicht auf Markterfolg habe. Eine Studie habe gezeigt, dass Hamburgs Innovationsförderung zum Teil einen Rückfluss von vier Euro pro investiertem Euro erzielt.Deep-Tech benötigt viel Kapital und viel Zeit Ein neuer Akteur ist die privatwirtschaftliche Initiative „Impossible Founders“. Sie hat sich in einem Bundeswettbewerb durchgesetzt und erhält zehn Millionen Euro Förderung vom Bund. 40 weitere Millionen Euro kommen von der Joachim Herz Stiftung und der Michael Otto Stiftung. Weitere Geldgeber, die später primär konkret in einzelne Start-Ups investieren werden, sind die Otto Group und die Hamburger Sparkasse.Lesen Sie auch„Wir wollen Hamburg auf die Landkarte der besten Gründungsstandorte in Europa bringen“, sagte Geschäftsführer Arik Willner. Der Physiker war zuvor im Vorstand des Forschungszentrums Desy unter dort unter anderem für den Bereich Technologietransfer verantwortlich. Die Schwierigkeiten, wenn wissenschaftliche Ideen in marktfähige Produkte verwandelt werden sollen, kennt er zudem als Gründer eines Biotech-Start-Ups. „Deep-Tech braucht viel Kapital und viel Zeit – das schreckt viele Investoren ab“, so Willner.Impossible Founders will mit Kursen für Studierende, einem Inkubator für neue Ideen und einem Accelerator für wachsende Unternehmen helfen, diese Hürden zu überwinden. Ziel sei es, nicht nur kleine Start-ups zu fördern, sondern Firmen aufzubauen, die weltweit agieren können. „In Deutschland denken wir oft zu klein“, sagte Willner. Bei den Impossible Founders solle das ander sein. „Wir wollen Geschäftsmodelle entwickeln, die auch mal 100 Millionen Euro Umsatz machen – oder sogar Milliarden erreichen können.“Zusammenarbeit statt KonkurrenzDie Stadt sieht die Initiative nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. „Wir stellen den Rahmen, die Flächen und die Förderlogik“, sagte Leonhard. Impossible Founders bringe Tempo, Expertise und ein Netzwerk aus Investoren und Unternehmen. Gemeinsam wolle man Hamburgs Stärken ausbauen – etwa in der Luftfahrt, der Logistik und der Energietechnik.Lesen Sie auchAuch für die in Hamburg klassisch starken Wirtschaftszweige sieht Leonhard keine Konkurrenz durch die Impossible Founders und deren Ideen innovative Start-Ups zu fördern. Im Gegenteil: „Der Hafen bleibt wichtig“, so Leonhard. „Aber der Hafen der Zukunft wird andere Technologien brauchen als heute.“ Ob es um die CO₂-Reduktion bei Lkw-Reifen gehe oder um die Routenplanung von Schiffen – überall stecke Potenzial für Innovation.Und es soll schnell gehen. Das jedenfalls verspricht sich Willner von der Millionen-Förderung durch den Bund und die Stiftungen. Erste Pilotprojekte kündigte er noch für das laufende Jahr an, etwa mit ersten Aktionstagen an Unis und bereits bestehenden Start-ups. „Wir machen das nicht Schritt für Schritt, sondern alles parallel“, sagte Willner. Sein Team besteht aktuell aus zehn Personen, soll aber auf 50 wachsen.Am Ende gehe es nicht darum, möglichst viele Start-ups zu zählen, sondern darum, Wirkung zu erzielen, machten Leonhard und Willner deutlich. „Wenn eine gute Idee aus Hamburg irgendwann bei Airbus eingebaut wird, ist das ein Erfolg“, so Willner. „Und wenn wir dafür sorgen, dass die Hochschule, aus der die Idee stammt, auch etwas davon hat – dann haben wir alles richtig gemacht.“Lesen Sie auchDie politische Bewertung fiel unterschiedlich aus. Während die SPD den Kurs des Senats als Erfolg verbuchte, forderten CDU und Linke deutlich mehr Engagement und Kontrolle.Die CDU-Fraktion begrüßte die „Impossible Founders“ als wichtigen Impuls für Hamburgs Start-up-Szene, sah jedoch strukturellen Nachholbedarf. Sprecher Julian Herrmann verwies auf Hamburgs Rückstand bei Neugründungen und Wagniskapital und forderte, dass die Stadt selbst aktiv werde – etwa als Ankerinvestor im geplanten Fonds oder durch einen städtischen Dachfonds, der privates Kapital bündele. Auch an den Hochschulen seien mehr Gründungskultur, Transferstrukturen und Co-Founder-Matching nötig. „Eine private Initiative konnte strukturelle Defizite nicht allein beheben“, sagte Herrmann.Wissenschaftspolitikerin Anna von Treuenfels-Frohwein forderte, Hamburg müsse sich beim Bund für eine zentrale Rolle im Roadmap-Prozess stark machen – mit Fokus auf Schlüsseltechnologien wie KI, Quanten- und Biotechnologie sowie klimaneutrale Energieerzeugung.Keine Ausrichtung auf rein privatwirtschaftliche InteressenDie Linksfraktion erkannte das Potenzial der „Impossible Founders“, warnte jedoch vor einer einseitigen Ausrichtung auf privatwirtschaftliche Interessen. Sprecherin Xenija Melnik kritisierte, dass öffentliche Gelder flössen, ohne dass soziale oder ökologische Kriterien verbindlich gesichert seien. Sie befürchtete eine Kommerzialisierung von Wissenschaft und städtischen Innovationsräumen. „Innovation durfte kein Selbstzweck der Gewinnerzielung sein, sondern musste der Gesellschaft insgesamt nutzen“, sagte Melnik.Die SPD-Fraktion bewertete die Innovationspolitik des Senats als Erfolg. Sprecher Hansjörg Schmidt verwies auf Hamburgs Spitzenplätze im Innovations- und Digitalranking. Der Start der „Impossible Founders“ markierte aus seiner Sicht einen weiteren Meilenstein. Neben städtischer Förderung seien über 50 Millionen Euro in Deep-Tech-Gründungen geflossen. Auch beim Quantencomputing habe Hamburg durch Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe ein vielversprechendes Ökosystem aufgebaut. „Gute Politik für Hamburg wirkte“, sagte Schmidt.
Wirtschaftspolitik: Wie Hamburg Start-ups fördern und Deep-Tech-Unternehmen groß machen will - WELT
Mit Innovationsparks, Millionenförderung und einer privatwirtschaftlichen Initiative will Hamburg gezielt Unternehmensgründungen unterstützen – vor allem im Bereich komplexer Technologien, die aus der Forschung kommen und neue Märkte erschließen sollen.






