PfadnavigationHomeRegionalesHamburgMaryam BlumenthalGrünen-Senatorin startet Petition gegen Merz – „Hören Sie auf, unsere Kinder in Gefahr zu bringen“Veröffentlicht am 23.10.2025Lesedauer: 4 MinutenSeit Mai 2025 ist die Grünen-Politikerin Maryam Blumenthal in Hamburg Senatorin für Wissenschaft, Forschung und GleichstellungQuelle: Bertold FabriciusHamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal meldet sich mit einem emotionalen Appell zum „Stadtbild“ zu Wort. In einer Petition wirft die Grüne dem Kanzler vor, mit seiner Rhetorik Millionen Menschen zu verletzen – und ihre eigenen Söhne zu gefährden.Bereits kurz nach den „Stadtbild“-Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lässt Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal erstmals ihren Emotionen freien Lauf. „Herr Merz, Sie Brandstifter, lassen Sie meine Kinder in Ruhe“, postet die iranisch-stämmige Grünen-Politikerin dieser Tage auf ihrem privaten Instagram-Profil – und schreibt weiter: „Als Mutter von drei Söhnen, die nicht ins ‚Stadtbild‘ von Friedrich Merz passen, bin ich zutiefst besorgt und sage ganz deutlich: Herr Merz, Sie bringen meine Söhne, meine geliebten Kinder, in Gefahr.“ Doch damit nicht genug, denn nun hat Blumenthal noch eine Online-Petition unter dem Titel „Entschuldigen Sie sich bei unseren Kindern, Herr Merz!“ gestartet. Mit „Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz“, richtet die 40-Jährige ihren Aufruf gleich zu Beginn direkt an den CDU-Politiker und fügt hinzu: „mit Ihrer ‚Stadtbild‘-Aussage haben Sie Millionen Menschen in diesem Land verletzt. Sie kategorisieren rein nach Optik in gute und schlechte, in erwünschte und unerwünschte, in friedliche und gefährliche Menschen.“ Dabei habe sich Merz nicht einmal die Mühe gemacht, in irgendeiner Weise mit Ihren Worten zu differenzieren.„Sie haben lediglich das ‚Stadtbild‘ benannt und es im Zusammenhang mit Migration und Abschiebungen als ‚problematisch‘ bewertet. Übrigens, laut Duden bedeutet Stadtbild: Ansicht, die eine Stadt im Ganzen bietet“, schreibt Blumenthal. Und weiter: „Angesprochen auf Ihre hochproblematische Rhetorik haben Sie am Montag, dem 20.10.2025, auf einer Pressekonferenz diese noch einmal bekräftigt. Sie haben gesagt, Sie müssten gar nichts zurücknehmen. Anschließend haben Sie pauschal auf ‚Töchter‘ verwiesen, die wüssten, was Sie gemeint haben könnten. Damit instrumentalisieren Sie unsere Töchter!“Lesen Sie auchNach heftiger Kritik aus Teilen der Opposition und SPD an seiner Äußerung zu Problemen im „Stadtbild“ hatte Bundeskanzler Merz am Mittwoch am Rande des Westbalkan-Gipfels in London genauer erläutert, was er damit meint. Er betonte einerseits, dass Deutschland auch in Zukunft Einwanderung vor allem für den Arbeitsmarkt brauche. Andererseits benannte er erstmals, wer ihn im öffentlichen Bild deutscher Städte stört: Migranten ohne Aufenthaltsrecht und Arbeit, die sich nicht an die in Deutschland geltenden Regeln halten.„Viele von diesen bestimmen auch das öffentliche Bild in unseren Städten. Deshalb haben mittlerweile so viele Menschen in Deutschland und in anderen Ländern der Europäischen Union – das gilt nicht nur für Deutschland – einfach Angst, sich im öffentlichen Raum zu bewegen“, sagte der Kanzler. Das betreffe Bahnhöfe, das betreffe U-Bahnen, das betreffe bestimmte Parkanlagen. „Das bestimmt ganze Stadtteile, die auch unserer Polizei große Probleme machen.“ Aus weiten Teilen der Bevölkerung hatte Merz Unterstützung für seine Worte erhalten. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Blumenthal indes wirft dem Kanzler vor, mit seinen Aussagen Deutschland zu spalten. „Und Sie wollen den Eindruck erwecken, die Jungen, die nicht in Ihr ‚Stadtbild‘ passen, würden die Töchter dieses Landes gefährden. Dabei bringen Sie gleichzeitig viele unserer Söhne in Gefahr“, schreibt die Grünen-Politikerin in ihrer Petition. Von der Hartz-IV-Empfängerin zum RegierungsmitgliedBlumenthals Werdegang gilt als Beispiel für Aufstieg durch Bildung, ihr Weg zur Berufspolitikerin verlief rasant. 1985 in Teheran geboren, war sie noch ein Kind, als sie mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland floh. Ihre erste Station hierzulande war ein Asylheim, im Alter von 13 Jahren kam sie nach Hamburg, lebte später im Problemstadtteil Steilshoop und bezog Hartz IV. 2020 zog Blumenthal – heute mit ihrem Mann und den drei Söhnen im wohlsituierten Nordosten Hamburgs zu Hause – für die Grünen in die Bürgerschaft ein und wirkte parallel bis Mitte dieses Jahres als Landesvorsitzende ihrer Partei. Seit Mai 2025 ist die studierte Erziehungswissenschaftlerin in Hamburg Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung – im rot-grünen Senat von Peter Tschentscher (SPD). Aus Sicht der Grünen-Politikerin bringt der Bundeskanzler mit seinen Äußerungen nun die Gesellschaft gegen die Söhne auf, „denen man an der Optik natürlich nicht ansieht, ob sie friedlich oder gefährlich sind. Söhne, die hier geboren und/oder aufgewachsen sind. Söhne, die in Deutschland zu Hause sind. Söhne, die Sie mit Ihren Worten verunsichern“. Sie fordert: „Hören Sie auf, unsere Kinder zu instrumentalisieren und in Gefahr zu bringen und entschuldigen Sie sich bei ihnen!“Bis Donnerstagnachmittag hatten mehr als 1100 Menschen die Petition von Maryam Blumenthal unterzeichnet.