PfadnavigationHomePanoramaSchwager unter VerdachtSo geht es heute im Fall Rebecca weiter – „Man findet keine Worte“, sagen Anwohner fassungslosVeröffentlicht am 21.10.2025Lesedauer: 4 MinutenIm Fall der vermissten Rebecca weiten die Ermittler im brandenburgischen Tauche ihre Maßnahmen aus und durchsuchen ein weiteres Objekt. Reporterin Alina Quast berichtet über die neuen Erkenntnisse. Das mögliche Tatfahrzeug sei in der Nähe gesehen worden.„Wir können nicht ausschließen, dass Rebecca hier vergraben wurde“: Mit schwerem Gerät hat die Polizei am Montag ein Grundstück in Brandenburg untersucht. Die Ermittlungen richten sich erneut gegen den Schwager. Heute setzt die Polizei ihren Einsatz fort. WELT hat mit den Anwohnern gesprochen.Im Fall der seit mehr als sechs Jahren vermissten Rebecca Reusch aus Berlin-Neukölln sucht die Polizei heute weiter nach neuen Erkenntnissen und Beweismitteln. Nach der Untersuchung eines Privatgrundstücks in Tauche im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree geht es nach Angaben der Polizei heute vor allem um die Befragung von Anwohnern. „Wir befragen die Bewohner. Die Beamten werden von Tür zu Tür gehen“, sagte Polizeisprecher Florian Nath der Deutschen Presse-Agentur am Morgen. Die Maßnahmen würden fortgesetzt. Es könne sein, dass auch auf dem Grundstück in Tauche weiter gearbeitet werde. „Wir suchen nach Beweismitteln“, sagte Nath. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir Beweise finden, die im Zusammenhang mit ihr stehen oder sogar menschliche Überreste.“Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der Schwager die Jugendliche im Februar 2019 getötet und ihre Leiche sowie Rebecca gehörende Gegenstände zumindest vorübergehend dorthin gebracht haben könnte, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitgeteilt. Der Großeinsatz war laut WELT-Reportern gegen 16:30 Uhr beendet. „Wir können nicht ausschließen, dass Rebecca hier vergraben wurde“, ergänzte die Staatsanwaltschaft gegenüber „Bild“.Das damals 15-jährige Mädchen war am Morgen des 18. Februar 2019 im Berliner Stadtteil Britz im Bezirk Neukölln verschwunden, nachdem sie die Nacht laut Angaben der Familie und der Polizei im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers verbracht hatte. Seitdem wird sie vermisst. Die Ermittler vermuten schon länger, dass der heute 33-jährige Schwager die Jugendliche getötet hat. Der Mann bestreitet das.Die Polizei hatte am Montag ein Bodenmessradar eingesetzt und Drohne vorbereitet, die das Grundstück von oben sichten sollte. Auch Leichensuchhunde standen bereit, um Haus und Grundstück abzulaufen. Die Aktion fand nicht weit entfernt von den Orten statt, an denen die Polizei auch schon in den vergangenen Jahren nach Rebecca gesucht hatte.Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft nannte gegenüber WELT die Zahl von mehr als 100 Beamten.Lesen Sie auch„Nach zwischenzeitlich erlangten Erkenntnissen“ lägen Hinweise vor, dass der Schwager Rebecca am Morgen getötet „und deren Leiche und ihr gehörende Gegenstände – zumindest vorübergehend – auf das Grundstück seiner Großeltern in Tauche verbracht haben könnte“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Polizei rief die Bevölkerung dazu auf, eigene Ermittlungen zu unterlassen. Ein „Durchbruch“ in dem Fall sei wahrscheinlicher, wenn die Beamten ungestört arbeiten könnten. Es war die erste Durchsuchung dieses Areals. Was der Anlass dazu war, dazu äußerten sich weder Polizei noch Staatsanwaltschaft.Anwohner überrascht von DurchsuchungDer Polizeieinsatz blieb im Ort nicht unbemerkt. „Man findet keine Worte, man ist einfach sprachlos“, sagt Sabrina Klein, die zugezogen ist und selbst Kinder hat. „Dass es vielleicht hier bei uns etwas gegeben haben soll, ist erschütternd.“„Mich hat das damals schon mitgenommen“, sagt Maria Kadan, die während der Durchsuchung mit dem Kinderwagen vorbeikam. „Man hat sich immer gefragt, wo das Mädchen abgeblieben ist. Das waren mysteriöse Umstände auf jeden Fall.“ Es gebe Erzählungen darüber, „dass der Schwager hier auch über die polnische Grenze gefahren sein soll. Man hofft, dass das Mädchen gefunden wird, damit die Familie ihren Frieden damit machen kann.“Dass das unscheinbare Grundstück einen familiären Bezug zum Tatverdächtigen hat, hat viele Bewohner aus der Umgebung überrascht. „Ich weiß nur, dass auch der Herzberger See hier abgesucht wurde, weil da vermutet wurde, dass Rebecca da drin ist“, sagt Lukas Hofmann, der im Nachbardorf wohnt. „Dass jetzt vermutet wird, dass sie vielleicht so nah hier am eigenen Wohnort sein könnte, damit hat man nicht gerechnet.“Schwager seit 2019 unter VerdachtRebecca Reuschs Schwager Florian R. hielten die Berliner Mordermittler bereits kurz nach dem Verschwinden für tatverdächtig. Er wurde 2019 zweimal festgenommen. Unter anderem untersuchten die Ermittler, warum R. mit seinem himbeerroten Renault Twingo mit Berliner Kennzeichen am Tag des Verschwindens von einer Verkehrsüberwachungsanlage auf der A 12 zwischen Berlin und Frankfurt/Oder erfasst wurde. Die Autobahn führt ein Stück weit in Richtung der Region, die aktuell durchsucht wird. Ein Haftrichter verneinte damals den dringenden Tatverdacht, daher entließ die Polizei aus der Untersuchungshaft.Die Polizei ging bislang rund 3200 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Teilweise begaben sich Menschen eigenständig auf die Suche nach Rebecca Reusch und informierten die Polizei über vermeintliche Spuren. Die Ermittler untersuchten unter anderem Knochen und Textilreste, konnten aber keinen Zusammenhang zu dem Fall herstellen. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ griff das Verschwinden der 15-Jährigen im März 2019 auf. Dort sagte der zuständige Ermittler, Florian R. sei zur Tatzeit allein mit Rebecca im Haus gewesen. Dies hatte sich vor allem aus dem Telefonverhalten Rebeccas und den Router-Daten im Haus ergeben.dpa/saha