PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHamburg nach dem Klima-Entscheid„Wir wollen den Befürwortern Hoffnung geben und den Gegnern die Hand reichen“Veröffentlicht am 13.10.2025Lesedauer: 4 MinutenHamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (r., SPD), und die Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) erklärten, was nach dem Klima-Entscheid nun folgtQuelle: Marcus Brandt/dpaHamburg zieht das Klimaziel vor: Nach dem Volksentscheid soll die Stadt schon 2040 klimaneutral sein. Bürgermeister Tschentscher und Umweltsenatorin Fegebank erklären, wie sie den Auftrag umsetzen wollen – und warum es keine Schnellschüsse geben wird.Hamburg hat entschieden: Die Stadt soll nicht erst 2045, sondern bereits 2040 klimaneutral sein. So haben es mehr als 53 Prozent der Abstimmenden beim „Zukunftsentscheid“ dem Senat aufgetragen. Nach dem Volksentscheid vom Sonntag haben Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) erklärt, wie es nach dem Votum weitergehen soll. Tschentscher schloss kurzfristige Änderungen für einen strengeren Klimaschutz aus. Um einen neuen Klimaplan zu entwerfen, habe man von der Initiative zwei Jahre Zeit bekommen. Überhaupt gebe es bis 2030 keine oder nur wenige Auswirkungen. Das Ziel, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent gegenüber 1990 zu senken, bleibe bestehen. „Das ist deshalb wichtig zu erwähnen, weil der Volksentscheid dadurch nicht zu kurzfristigen neuen Maßnahmen führt, sondern der Senat die bestehenden Planungen für die aktuelle Legislatur grundsätzlich unverändert fortführen kann.“Lesen Sie auchAuch Fegebank bemühte sich, Ruhe auszustrahlen. „Es gibt keinen Grund, hektisch zu werden oder in Aktionismus zu verfallen“, sagte sie. Erst ab 2026 greifen neue Anforderungen wie jährliche Schätzbilanzen zur Co2-Reduktion und ein linearer Abbaupfad. Erst ab 2027 seien dann auch Maßnahmen zu treffen, wenn die festgesetzten Ziele nicht erreicht würden. Konkret würde das Ende November 2027 das erste Mal der Fall sein. Die eigentliche Herausforderung, das betonten beide, liege im Zeitraum nach 2030. „Für das Ziel 2045 hatten wir einen Plan. Für 2040 muss dieser Plan neu entstehen“, so Tschentscher. Er machte deutlich, dass Hamburg die Klimaneutralität nicht allein erreichen könne: „Wir brauchen bundespolitische Entscheidungen – beim Hochlauf von Wasserstoff, bei der Energiewende, bei CCS-Technologien.“ Auch die Finanzierung ist offen. „Wir haben keine konkreten Schätzungen. Sozialverträglichkeit und Bezahlbarkeit müssen gewährleistet bleiben“, betonte der Bürgermeister.„Das ehrgeizigste Klimaschutzgesetz Deutschlands“Fegebank sprach von einer „großen gemeinsamen Aufgabe“ und rief Wirtschaft und Gesellschaft zur Mitarbeit auf. „Hamburg hat jetzt das mit Abstand fortschrittlichste und ehrgeizigste Klimaschutzgesetz in Deutschland“, sagte sie. „Wir wollen den Befürwortern Hoffnung geben und den Gegnern die Hand reichen.“Lesen Sie auchTechnologische Fortschritte sollen helfen, die Ziele zu erreichen. „Wir haben effizientere Wärmepumpen, mehr Möglichkeiten für Solar- und Windenergie“, so Tschentscher. Fegebank ergänzte: „Alleine schaffen wir das nicht. Bund und EU müssen ihre Hausaufgaben machen.“CDU spricht von „grünem Scherbenhaufen“Die Opposition reagierte scharf. CDU-Fraktionschef Dennis Thering warf dem Senat Planlosigkeit vor: „Peter Tschentscher und die SPD wurden vom Ergebnis kalt erwischt. Der Senat ist unvorbereitet und planlos, wie das völlig unrealistische Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erreicht werden soll.“ Thering sieht die rot-grüne Koalition in der Krise: „Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Grünen fehlt jede Grundlage. Der Koalitionsvertrag ist hinfällig.“ Zudem sei die Finanzierung ungeklärt, andere Projekte könnten „hinten runterfallen“. Die CDU fordert eine Regierungserklärung des Bürgermeisters in der Bürgerschaft am 12. November.Lesen Sie auchBürgermeister Tschentscher wies Spekulationen über Risse in der Koalition zurück: „Der Senat ist sehr geschlossen, gut geschlossen. Wir haben mit einer Stimme getagt, geprüft, gesprochen.“ Auch die Bürgerschaft habe den bisherigen Kurs mehrheitlich unterstützt. „Die Gewinnerin ist der Klimaschutz“Katharina Fegebank vermied Sieger-Rhetorik: „Die Gewinnerin ist der Klimaschutz.“ Sie warnte davor, die Abstimmung als Spaltung zu deuten, und rief dazu auf, „die Kräfte zu bündeln“ und den Auftrag gemeinsam umzusetzen – mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Jetzt ist die Zeit, Klimaschutz noch einmal anders nach vorne zu stellen“, so Fegebank.Wie teuer die Vorziehung des Klimaziels wird, ist unklar. „Wir haben keine Zahlen, weil der Plan erst entstehen muss“, sagte Tschentscher. Klar ist: Die Industrie soll erhalten bleiben. „Eine Tonne Stahl aus Hamburg verursacht weniger als die Hälfte der CO₂-Emissionen im weltweiten Durchschnitt“, erklärte Tschentscher. Der Senat setzt auf Kooperation mit anderen norddeutschen Ländern und auf technologische Innovation.Lesen Sie auchDie Linken, die die Volksinitiatoren als einzige in Fraktionsstärke und aller Öffentlichkeit unterstützt hatten, kündigten an, Senat und Bürgerschaft „bei der Umsetzung Beine“ zu machen. „Jetzt geht es drum, die Forderungen des Volksentscheids sauber umzusetzen“, sagte Co-Landessprecher Thomas Iwan.Gänzlich anders ordnete UVNord-Präsident Philipp Murmann das Ergebnis ein. Er sprach von einem „Sieg ohne echte Gewinner“. Das Ja zum Zukunftsentscheid sei für Wirtschaft und Wirtschaftsstandort „eine Hypothek auf die Zukunft. Die damit neu geschaffene Unsicherheit sind Gift für Investitionen und Arbeitsplätze in der Stadt, insbesondere im industriellen Bereich. Das Erreichen der Klimaneutralität durch stark voranschreitende Deindustrialisierung wäre fatal für den Standort.“