PfadnavigationHomePanoramaPodcast-Radar„Was ich verhandelt habe, steckt da drin“ – Als Baerbock Trumps Friedensplan für sich reklamierteVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 10.10.2025Lesedauer: 5 MinutenDie nach dem Gaza-Plan von US-Präsident Trump vorgesehene Waffenruhe im Gaza-Streifen ist nach Angaben der israelischen Armee in Kraft getreten. Sehen Sie hier ein WELT Spezial.Die Verhandlungen über den Trump'schen Friedensplan für den Nahen Osten erzielten diese Woche einen Durchbruch. Am Donnerstag stimmten Israel und die Hamas für die ersten Punkte eines Abkommens. In deutschen Podcasts gab es vor allem Lob für den US-Präsidenten.Es kommt Bewegung in den Konflikt. Während sich diese Woche der Hamas-Überfall auf Israel zum zweiten Mal jährte, erreichten in Ägypten Vertreter von Israel, der Hamas und den Vereinigten Staaten einen ersten Erfolg bei den Verhandlungen über den 20 Punkte umfassenden Nahost-Friedensplan von Donald Trump. Am Mittwoch gelang den Beteiligten ein wesentlicher Fortschritt. Die „erste Phase“ sei erfolgreich abgeschlossen, verkündete der US-Präsident auf „Truth Social“.Sämtliche Geiseln sollen kommenden Montag aus der Gewalt der Hamas freikommen. Im Gegenzug wird Israel 250 zu lebenslanger Haft verurteilte Palästinenser sowie 1.700 Menschen entlassen, die nach dem 7. Oktober 2023 inhaftiert worden waren. Auch eine Feuerpause trat mittlerweile in Kraft. Wie hat der Terror-Angriff der Hamas die israelische Gesellschaft geprägt? Und wie blicken Politiker und Journalisten auf die erfolgreichen Bemühungen des US-Präsidenten? Ein Überblick.„Lanz & Precht“: „Lass uns hoffen, dass auf Phase eins tatsächlich Phase zwei folgt“Markus Lanz äußerte sich in seinem Podcast mit Richard David Precht überaus anerkennend über die Leistung von Donald Trump. Dieser werfe „Klischees“ über den Haufen, indem er zeige, dass „der Falsche das Richtige“ tun könne, bemerkte der ZDF-Talker. Es sei bemerkenswert, dass es dem US-Präsidenten angesichts der „Entmenschlichung“ des 7. Oktober 2023 und des resultierenden Traumas gelungen sei, Bewegung in die „verhärteten Fronten“ zu bringen. Lesen Sie auchPrecht stimmte in das Loblied mit ein. „Trump hat eine realistische Chance als großer Held aus der Geschichte herauszugehen“, rühmte er den US-Präsidenten. Für ihn dränge sich die Frage auf, wieso diesem in „relativ kurzer Zeit“ etwas gelungen sei, was die Biden-Regierung und die Demokraten nicht gekonnt haben. „Die waren ja noch nicht mal in irgendeiner Nähe davon“, urteilte der Philosoph perplex. Lesen Sie auchAuf die selbstgestellte Frage fand das Duo zumindest eine indirekte Antwort. „Es ist insbesondere die Linke, die sich rund um dieses Thema vollkommen zerlegt hat“, konstatierte Lanz mit Verweis auf die Kontroverse um den UN-Generalsekretär António Guterres, der den Hamas-Überfall in den Kontext der Besatzung gestellt hatte.Precht zog beispielhaft den Philosophen Slavoj Zizek heran, der in seiner Eröffnungsrede zur Frankfurter Buchmesse 2023 das Massaker „in ganz, ganz deutlichen Worten“ verurteilt und zugleich Israel vor einer zu deutlichen Reaktion gewarnt hatte. Einige Gäste hatten daraufhin den Saal verlassen. „Die Kontextualisierung wurde ihm als Relativierung der Hamas-Verbrechen ausgelegt“, erinnerte sich der Autor.Lesen Sie auchDie nun errungene Einigung zwischen Israel und den Hamas stimmte Precht äußerst positiv. „Dass es überhaupt in dieser verfahrenen Situation ein Lichtstreif am Horizont gibt, dass es eine berechtigte Vermutung gibt, dass es von nun an tatsächlich in einen echten Friedensprozess übergehen kann, dass dieses grausame Morden aufhört, das ist in der Tat eine positive Nachricht“, unterstrich er. „Lass uns hoffen, dass auf Phase eins des Trump’schen Friedensplans tatsächlich Phase zwei folgt – und zwar nicht im Dienste von Ideologien, Weltanschauungen oder Rechthaben, sondern im Dienste der betroffenen Menschen.“„Lost in Nahost“: Amnestie für die Hamas? „Könnte ein kleines Hintertürchen sein“Vom Precht‘schen Optimismus war noch zu Beginn der Woche wenig zu spüren. „Ich glaube, dass es ein ganz anderes Land geworden ist. Das merkt man wirklich überall“, bilanzierte Bettina Meier bei „Lost in Nahost – Der Podcast zum Krieg in Israel und Gaza“. Die Journalistin des ARD-Studios Tel Aviv schilderte wie der Überfall der Hamas als „Trauma“ und „Monothema“ den Israelis „in den Knochen“ stecke. Es sei „im nationalen Gedächtnis wirklich eingebrannt – und das merkt man überall.“ Fast jeder kenne direkt Betroffene des 7. Oktober 2023. An die gemeinschaftliche Idee des Kibbuz hätten insbesondere „eher Linke“ geglaubt, doch mit dem Terrorangriff sei „das Vertrauen komplett verloren gegangen, dieser Glaube daran, dass man zusammenleben“ könne.Lesen Sie auchIm Gespräch mit Moderatorin Ann-Kathrin Wetter skizzierte Meier eine desillusionierte Gesellschaft. Gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu habe sich eine „große Protestbewegung“ gebildet, die wöchentlich auf die Straße gehen. Dieser spreche mit „zwei Stimmen“. Im Ausland zeige sich der Politiker versöhnlich, in Israel gebe er sich als „der harte Mann“, der „den absoluten Sieg“ wolle, statt den Krieg zu beenden. Den israelischen Blick auf Gaza charakterisierte sie als abgestumpft. „Die Empathie hält sich tatsächlich noch bei vielen in Grenzen.“ Im Fokus stünden nach wie vor die 48 Geiseln, von denen noch maximal 20 lebten.„Table Today“: „Jeder möchte derjenige sein, der sich auf die Schulter klopfen kann“Für Annalena Baerbock haben sich die neuen Impulse im 20-Punkte-Friedensplan dagegen in engen Grenzen gehalten. „Vieles, was in den knapp zwei Jahren davor passiert ist, was ich auch als Außenministerin verhandelt habe, steckt da mit drin“, lobte sich die Grünen-Politikerin gegenüber „Table Today“ vergangenen Samstag selbst. „Und wenn es am Ende erfolgreich ist, möchte natürlich jeder gerne der- oder diejenige gewesen sein, die sich auf die Schulter klopfen kann.“ Sie habe sich etwa für eine „Stabilisierungstruppe“ ausgesprochen, die nach dem Abzug der israelischen Armee sicherstellt, dass die Hamas nicht wieder aktiv werden könne. Eine solche „Stabilisierungsmission“ finde sich nun im Friedensvorschlag von Donald Trump wieder. Zudem greife er in seinem Plan die Ergebnisse der sogenannten ‚New Yorker Erklärung‘ auf, die schon einen „großen Schritt“ markiert habe.Lesen Sie auchMitte September hatte sich die UN-Vollversammlung mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Entmachtung der Hamas und die Schaffung eines palästinensischen Staates zu fordern. Aus Baerbocks Sicht habe jene Resolution „zwar leider noch nicht das Leid in Gaza beendet und die Geiseln befreit, die immer noch bei der Hamas gefangen sind“, jedoch dazu geführt, dass der US-Präsident „deutlich gemacht hat, Israel darf Gaza nicht annektieren“, und nun Friedensschritte vorlege, „die ziemlich identisch sind mit dem, was 142 Staaten vorher beschlossen hatten.“ Aus Sicht der Präsidentin der UN-Generalversammlung zeige dies, dass die „Todgesänge auf die Vereinten Nationen derzeit alles andere als richtig“ seien.‚Podcast-Radar‘ von vergangener Woche: „Wenn man es jemandem nicht zutraut, dann Klingbeil und Merz“