PfadnavigationHomeRegionalesHamburgAsbest und BleiNeuer Bahnhof Altona kommt erst 2029 und damit weitere zwei Jahre späterVeröffentlicht am 10.10.2025Lesedauer: 4 MinutenDer neue Fern- und Regionalbahnhof Hamburg-Altona wird seinen Betrieb zwei Jahre später als bislang geplant aufnehmenQuelle: Georg Wendt/dpaDie Deutsche Bahn verschiebt die Eröffnung des neuen Bahnhofs Altona am Standort Diebsteich um zwei Jahre. Statt 2027 soll der Umzug nun erst Ende 2029 erfolgen – mit Folgen für die Verkehrswende. Gründe sind Schadstoffe, Technik und fehlende Kapazitäten.Die Deutsche Bahn (DB) verschiebt die Inbetriebnahme des neuen Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona am Standort Diebsteich um zwei Jahre. Statt 2027 soll der Umzug nun erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2029 erfolgen. Das teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit. Als Gründe nennt das Unternehmen „Komplikationen im Bauablauf“, primär an den „Kreuzungsbauwerk“ genannten Bahnbrücken in Langenfelde. Dort wurde bei einer Schadstoffprüfung Asbest und Blei festgestellt. Der Abriss sei dadurch deutlich aufwendiger und unterliege strengen gesetzlichen Vorgaben, was eine Anpassung des Zeitplans erforderlich mache.Die Verlegung nach Diebsteich ist Teil eines seit 2014 beschlossenen Großprojekts. Ziel ist es, den Schienenverkehrsknoten im Westen Hamburgs leistungsfähiger zu machen und Platz für Stadtentwicklung zu schaffen. Die ersten Pläne dafür stellte die Bahn bereits 1997 vor, ab 2004 wurde es konkreter, bis 2014 der formale Beschluss erfolgte. Am bisherigen Standort sollen nach dem Umzug rund 75 Hektar Fläche für das neue Quartier „Mitte Altona“ entstehen – mit Wohnungen, Grünflächen und einem neu gestalteten Zentrum. Die Bahn verweist als Grund für den Umzug vorwiegend auf betriebliche Vorteile: Der neue Bahnhof wird als Durchgangsbahnhof konzipiert, was die Kapazität für Fern- und Regionalzüge erhöht und Umsteigewege verkürzt. Lesen Sie auchDie aktuelle Terminverschiebung ist nicht die erste seit Projektstart. Ursprünglich sollte der neue Bahnhof am Standort Diebsteich 2023 in Betrieb gehen, später wurde der Zeitplan auf Ende 2027 korrigiert. Nun nennt die Deutsche Bahn also den Fahrplanwechsel im Dezember 2029 als Ziel. Die Gründe für die wiederholten Anpassungen reichen von Klagen und Baustopp über Engpässe bei Fachkräften und Prüfingenieuren bis zu den jetzt angeführten baulichen Herausforderungen wie der Schadstoffbelastung am Kreuzungsbauwerk Langenfelde.Stellwerke müssen auch noch erneuert werdenDoch die Schadstoffproblematik ist offenbar nicht der einzige Grund. So nannte die Bahn am Donnerstag weitere Gründe für die Verzögerung: Bevor neue Gleisanlagen entstehen könnten, müsste das elektronische Stellwerk Altona in Betrieb gehen. Drei weitere Stellwerke werden technisch angepasst. Diese moderne Technik sei Voraussetzung, um Bestandsgleise zu verschwenken und während des laufenden Betriebs Platz für neue Bahnsteige in Diebsteich zu schaffen. Für diese Bauphase müssen laut DB „speziell ausgebildete Prüfingenieure“ gebunden werden. Auch Sperrpausen – Zeiträume ohne Zugverkehr – sind neu zu vereinbaren. „Wir wissen, wie groß die Erwartungen an den neuen Bahnhof Altona sind und um seine Bedeutung für den wichtigsten Schienenverkehrsknoten im Norden – umso mehr bedauern wir die Verzögerung“, sagt Frank Limprecht, Leiter Infrastrukturprojekte Nord bei DB InfraGO. Man arbeite weiter „in verlässlichen Schritten“ auf die Inbetriebnahme 2029 hin.Lesen Sie auchEinige Arbeiten werden vorgezogen: Der barrierefreie Zugang zur S-Bahnstation Diebsteich soll bereits im kommenden Jahr fertig sein. Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste können dann den Aufzug zum Bahnsteig nutzen. Für den Bau des ersten Fernbahnsteigs (Bahnsteig 4) ist laut DB ein Unternehmen beauftragt, parallel soll 2026 der Bau von Bahnsteig 2 beginnen. Bis zur Verlegung bleibt der bisherige Bahnhof Altona in Betrieb. Die DB saniert dort die Infrastruktur. Diese Arbeiten laufen seit Anfang September und sollen bis Weihnachten abgeschlossen sein.Der Verkehrsclub Deutschland (VCD Nord), der zu den Verbänden gehört, die den Bau des neuen Fernbahnhofs am Diebsteich sehr kritisch begleiten, sieht in der erneuten Verzögerung ein Symptom für ein strukturelles Problem. Große Infrastrukturprojekte in Deutschland kämen oft nicht wie geplant voran – mit Folgen für die Verkehrswende, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme.Die verspätete Eröffnung des Bahnhofs bedeute, dass die bessere Schienenanbindung des Hamburger Westens und die Entlastung des Fernverkehrs später greifen. Zugleich mahnt der VCD, die zusätzlichen Jahre nicht ungenutzt verstreichen zu lassen: Verbesserungen im Nahverkehr und vorbereitende Maßnahmen für den neuen Knotenpunkt könnten schon vor 2029 umgesetzt werden.Lesen Sie auchDie CDU-Fraktion reagierte mit Kritik. „Dass ein so bedeutendes Infrastrukturprojekt mitten in unserer Stadt erneut ins Stocken gerät, ist nicht nur ärgerlich, sondern ein echtes Problem für Mobilität und Stadtentwicklung“, sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin Anke Frieling. Sie forderte von Bahn und Senat „vollständige Transparenz über Projektstand, Mehrkosten und Auswirkungen auf Folgeprojekte“ und warnte vor weiterem Vertrauensverlust in Großprojekte. Die Verzögerung bremse zudem den dringend benötigten Wohnungsbau in Altona.Auch Linken-Politikerin Heike Sudmann kritisierte die erneute Verzögerung. Sie stellte infrage, warum die Schadstoffbelastung am alten Bauwerk nicht früher Thema war und ob das elektronische Stellwerk jemals rechtzeitig geplant war. „Jetzt wird für 2029 ein neuer Bahnhof versprochen, der noch nicht mal ein Bahnhofsgebäude hat“, sagte Sudmann. Für sie ist die Verlegung von Anfang an eine Fehlplanung gewesen: „Diese Pläne gehören gestoppt – und am besten gleich beerdigt.“AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann sprach von einem „weiteren Tiefpunkt“ und warf dem rot-grünen Senat Versagen bei Großprojekten vor. „Wie viele Millionen sollen noch in diesem Desaster versinken?“, fragte Nockemann pointiert. Die fortwährenden Verzögerungen und Kostenexplosionen sein „ein Skandal und zeugen von einer erschreckenden Inkompetenz der verantwortlichen Stellen.“