PfadnavigationHomeRegionalesHamburgEnergiepolitikHamburg legt neue Solarstrategie vor – und muss eine große Lücke schließenVeröffentlicht am 09.10.2025Lesedauer: 3 MinutenFinanzsenator Andreas Dressel (SPD) und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (r, Grüne), stellten auf dem Dach des CCH die neue Photovoltaikstrategie vor.Quelle: Georg Wendt/dpaHamburg will beim Solarausbau aufholen: Eine in dieser Woche beschlossene Photovoltaik-Strategie soll den Zubau beschleunigen – mit klaren Zielen etwa für öffentliche Dächer. Doch die Opposition ist skeptisch. Denn derartige Ankündigungen gab es schon oft.Schon mehrfach hat Hamburg große Solarpläne angekündigt – nun folgt mit der Photovoltaik-Strategie der nächste Anlauf. Der rot-grüne Senat hat das Konzept am Dienstag beschlossen, seit Donnerstag ist es öffentlich. Ziel ist es, den stockenden Ausbau von Solaranlagen in der Stadt zu beschleunigen und Hamburg beim Klimaschutz voranzubringen.Die Vorgaben sind ehrgeizig: Bis 2030 sollen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 500 bis 800 Megawatt installiert sein – genug, um rechnerisch den Jahresstrombedarf von bis zu 250.000 Haushalten zu decken. Fünf Jahre später sollen noch mehr Solarmodule auf Hamburgs Dächern dann bis zu 1,5 Gigawatt erzeugen können. Derzeit liegt Hamburg bei rund 230 Megawatt. Um das Ziel zu erreichen, müsste die Stadt jährlich so viel Solarleistung zubauen, wie sie auf mehreren tausend Einfamilienhäusern installiert ist.Lesen Sie auchDamit das gelingen kann, soll es für alle Interessierten leichter werden, Solarmodule zu installieren. Gleichzeitig soll Hamburg selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der geeigneten Dächer öffentlicher Gebäude mit Solaranlagen ausgestattet sein – sofern technisch und wirtschaftlich vertretbar. Sichtbare Projekte auf großen Hallen oder komplexen Gebäuden sollen als Vorbilder dienen. Weiterhin sollen neue Konzepte wie Fassaden-Solar, Solargründächer oder Photovoltaik über Parkplätzen helfen, Flächen effizienter zu nutzen.Photovoltaik auf Hamburgs ÄckernEin weiterer Schwerpunkt der vom Senat beschlossenen Strategie liegt auf Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger sollen stärker profitieren – etwa durch Mieterstrommodelle, Quartierslösungen oder Balkonkraftwerke. Auch Sportvereine sollen ihre Anlagen künftig standardmäßig mit Solarmodulen ausstatten können. Die Strategie erinnert zudem an bestehende Pflichten: Solaranlagen sind bei Neubauten und Dachsanierungen vorgeschrieben, ebenso bei großen Stellplätzen.Hamburg will außerdem verstärkt Agri-Photovoltaik fördern – also Solaranlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Stromproduktion und Landwirtschaft kombinieren. Nach den Dächern sieht die Stadt hier das zweitgrößte Potenzial. Konflikte mit dem Denkmalschutz sollen künftig leichter gelöst werden, indem das öffentliche Interesse an erneuerbaren Energien stärker gewichtet wird. Die Strategie soll fortlaufend weiterentwickelt werden – begleitet von einem behördenübergreifenden Prozess und regelmäßigen Berichten zum Umsetzungsstand.Lesen Sie auchFür den Ausbau auf städtischen Dächern beauftragt der Senat die Tochtergesellschaft HEnW KommunalEnergie. Sie gehört zu den Hamburger Energiewerken und soll den Ausbau zentral koordinieren, Erfahrungen aus Pilotprojekten bündeln und stadtweit übertragen. Damit will die Stadt verhindern, dass jede Behörde für sich plant und Projekte in der Bürokratie stecken bleiben.Nur wenige öffentliche Dächer tragen SolarmoduleWährend der Senat von einem „Meilenstein“ spricht, sieht die Opposition vor allem einen Offenbarungseid. Laut CDU sind bislang nur rund drei Prozent der öffentlichen Gebäude mit Solaranlagen ausgestattet, bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA sogar weniger als ein Prozent. Die Zahlen stammen aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage der CDU.„Wer von Bürgerinnen und Bürgern erwartet, in erneuerbare Energien zu investieren, muss selbst mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt CDU-Energiepolitiker Markus Kranig. Seine Fraktion fordert, öffentliche Dächer in einem wettbewerblichen Verfahren an private Anbieter zu vergeben – wer am meisten Pacht bietet und am schnellsten baut, soll den Zuschlag bekommen.Lesen Sie auchDie Skepsis kommt nicht von ungefähr. Schon früher hatte Hamburg große Pläne – und blieb weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Bereits 2021 setzte der Senat für Schulen und öffentliche Gebäude Ausbauziele von jeweils 50 Megawatt. Tatsächlich kam der Ausbau nur schleppend voran. Zwischenzeitlich waren dabei sogar Finanzsenator Dressel und Ex-Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) aneinandergeraten. Beide warfen sich vor, eine Mitschuld am stockenden Ausbau zu haben. Der Streit zeigte aber auch strukturelle Probleme: fehlende Handwerker, lange Genehmigungen, unklare Zuständigkeiten – und lange Zeit kein vollständiger Überblick über die städtischen Liegenschaften. Mit der Photovoltaik-Strategie soll es nun besser werden. Dass diese Botschaft drei Tage vor dem Volksentscheid zu einem neuen Klimaschutzgesetz kommt, verwundert wenig.juve