PfadnavigationHomeICONISTModeArtikeltyp:MeinungBeauty-Etat der RegierungSchöner scheitern mit StaatsgeldernVeröffentlicht am 10.10.2025Lesedauer: 4 MinutenErst mal Fotoshooting, dann die ArbeitQuelle: Getty Images/Sean GallupWährend das Land sparen muss, investiert die Regierung ins Image. Fotoshooting und Weichzeichner für Klingbeil, Shoppingexzesse bei Bärbel Bas und Merz im lässigen Lotter-Look – der immer großzügigere Beauty-Etat lässt vermuten, wie gründlich politische Schwäche inzwischen kaschiert wird.In Paris sind gerade die Modewochen zu Ende gegangen. Erwartet wurden wegen zahlreicher Designerdebüts auch aufregende Visionen, die die Luxusbranche aus der Krise holen. Bis auf ein paar aufgelockerte Tweedjäckchen bei Chanel blieben die aber aus. Miu Miu zeigte Hausfrauenkittel auf dem Laufsteg. Es ist also ernst. Aber es gibt Hoffnung für all die Stylisten und Fotografen, vor allem für die deutschen. Wer will schon für einen Hungerlohn arbeiten, wenn es in den Ministerien neuerdings wesentlich lukrativere Jobs gibt. Lars Klingbeil etwa sucht händeringend nach Fotografen. 600.000 Euro wurden offiziell ausgeschrieben – für ein kleines, junges, linkes Kreuzberger Kreativkollektiv klingt das doch gar nicht schlecht. Lesen Sie auchHerkömmliche Fotografen und Stylisten sind nicht gefragt, es geht nicht mehr um den geschniegelten Look eines Gerhard Schröder im Brioni-Anzug. Nein, es geht um mehr: um den perfekt Unperfektlook. Darum, mit dem Weichzeichner den Teint von Lars „Teddybär“ Klingbeil noch etwas weicher zu zeichnen. Die Grübchen noch ein bisschen zu vertiefen. Um das sympathisch verpeilte Out-of-bed Hair. Darum, so einen volksnahen Gammelpullover wie von Olaf Scholz zu besorgen. Die größte Herausforderung dürfte es noch sein, ein paar bunte Brillenmodelle aus den 00er-Jahren auszuwechseln. Frisuren sind schnell gemacht, sind eh alles nur Männer im Finanzministerium von Gleichstellungs-Lars und davon hat einer keine Haare mehr und die einzige Frau einen Kurzhaarschnitt. Lesen Sie auchUnd natürlich gilt es aufzupassen, es nicht mit dem künstlichen Photoshop-Heiligenschein im Hintergrund zu übertreiben, um aus Klingbeil eine neue Habeck-Lichtgestalt zu kreieren, die alle verzaubert, damit die Performance bald überschattet wird. Wenn gar nichts mehr geht, kann man sich noch mit Taylor-Swift-Armbändern an rund zwei Millionen künftige Erstwählerinnen anbiedern oder den Regierungsflieger nach Peru nehmen, um einen handgestrickten Fair-Trade-Alpaka-Pullover von Einheimischen aufzutreiben. Ausufernde VertuschungsmanöverAuch Friedrich Merz fährt outfittechnisch offenbar einen neuen legeren Kurs, wie man am Sonntagabend beim Auftritt in der zwangsfinanzierten Talkshow von Caren Miosga beobachten konnte. Der Kanzler, der eigentlich zu jedem Anlass Krawatte trägt, hatte sich zum schlecht sitzenden und Falten werfenden Sakko bewusst keine umgebunden. Interessanterweise nimmt Merz also an, zu einem Zeitpunkt, in dem der Unmut in der Bevölkerung wächst, mit Nachlässigkeit bessere Zustimmungswerte zu bekommen. Woraufhin sich dann auch seine treuesten Wähler abwenden dürften, die sich von Montag bis Sonntag zu Meetings, Gottesdiensten und Familienmittagessen aus Respekt vor ihren Mitmenschen eine Krawatte umbinden. Wer über die eigene Performance reüssiert und den Bürgerinnen und Bürgern glaubhaft machen will, man habe die Lage im Griff, der sieht im besten Fall aufgeräumt aus – und nicht verlottert. Wofür also sind die 12.500 Euro draufgegangen, die er in seiner Amtszeit schon an Styling-Maßnahmen ausgegeben hat? Bundeskanzler wird man, weil man vom Volk das Vertrauen und den Respekt entgegengebracht bekommt, das Land nach vorn zu bringen und zu repräsentieren. Man ist eine Art Gesamtpaket, zu dem auch gehört, dass man in der Lage sein sollte, dafür zu sorgen, dass zehn gut sitzende Anzüge im Schrank hängen. Wenn er sie nicht selbst aussuchen kann, dann sind Berater da, die man genau einmal dafür bezahlen kann. Und zwar vom großzügigen Gehalt, das man als Bundeskanzler kassiert. Lesen Sie auchStattdessen wird ein Haufen Geld für Tricks und im wahrsten Sinne Vertuschungsmanöver ausgegeben, die den Steuerzahler in diesem Jahr schon 172.610 Euro gekostet haben, die größten Foto-Ausgaben verbuchte das Bundesfinanzministerium mit 33.722 Euro. Das erklärt den Umfang, den der Beauty-Etat jährlich verursacht. Hinzu kommen noch diverse Eitelkeiten: Neue Haare für Umweltminister Carsten Schneider, der sich allerdings mutmaßlich für die 618 Euro, die sein Ministerium bisher ausgegeben hat, kostengünstig in die Türkei begeben haben dürfte. Die ein oder andere Ozempic-Spritze, und augenscheinlich etwas Botox für die Wirtschaftsministerin. Was man als Wirtschaftsministerin in diesem Land wohl auch braucht, für die Sorgenfalten. Bei Bärbel Bas, die bisher 2284 Euro ausgegeben hat, scheint der Steuerzahler so eine Art Frustshopping zu finanzieren: Wenn bei ihr etwas nicht funktioniert, braucht es mehr Staat. Und wenn das immer noch nicht hilft – noch mehr Staat. Und wenn auch das nicht auf Zustimmung stößt, wird geflucht und exzessiv einkaufen gegangen, das jedenfalls lassen die auffälligen, ständig wechselnden Blusen vermuten – hinter denen keine Stylistin der Welt stecken kann, siehe das Horrorexemplar mit gerüschtem viktorianischen Stehkragen, das sie sich für die Kommunalwahlen in NRW angeschafft hat. Was ist noch dreister als den Bürgern Geld fürs Styling abzuziehen? Am Ende noch unmöglicher auszusehen.
Beauty-Etat der Regierung: Schöner scheitern mit Staatsgeldern - WELT
Während das Land sparen muss, investiert die Regierung ins Image. Fotoshooting und Weichzeichner für Klingbeil, Shoppingexzesse bei Bärbel Bas und Merz im lässigen Lotter-Look – der immer großzügigere Beauty-Etat lässt vermuten, wie gründlich politische Schwäche inzwischen kaschiert wird.






