PfadnavigationHomePanoramaKampagne gegen Onlineportal„Wer ‚Apollo News‘ verteidigt, sollte den politischen Kompass justieren“, sagt der Linke-InitiatorVeröffentlicht am 08.10.2025Lesedauer: 4 MinutenIn Berliner Bezirk Treptow versucht die Linke, die Online-Plattform „Apollo News“ aus dem Kiez zu „vertreiben“. Man wolle „rechten Medien auf die Tasten treten“, so die Überschrift auf einem Flugblatt.In Berlin-Treptow wollen Linke die Online-Plattform „Apollo News“ aus dem Kiez „vertreiben“, die Kampagne sorgt überregional für Aufsehen. Nun äußert sich einer der Initiatoren – und geht seine Kritiker scharf an.Eine Kampagne gegen ein als „rechts“ wahrgenommenes Berliner Onlineportal sorgte am Dienstag für Diskussionen. Politiker und Journalisten bewerteten den Aufruf als Angriff auf Pressefreiheit. „Alt Treptow ist bunt und ein braunes Medium hat dort keinen Platz“, heißt es in einem Flyer, der von Bezirksgruppe der Partei Die Linke im Bezirk-Treptow-Köpenick erarbeitet wurde. Dem Medium „Apollo News“ wird nahegelegt, den Stadtteil zu verlassen. Eine Überschrift in der Broschüre lautet: „Rechten Medien auf die Tasten treten“, auch die Adresse der Redaktion wurde veröffentlicht. Die Linkspartei wollte sich auf WELT-Anfrage zunächst nicht zu dem Vorgang äußern und verwies auf den Bezirksvorsitzenden von Treptow-Köpenick, Moritz Warnke. Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) wollte sich auf Anfrage von WELT nicht zu der Causa äußern. Diese sei ein Lokalthema, der Verband „äußere sich nur zu Bundesthemen“. Am Dienstagabend meldete sich dann Moritz Warnke doch noch selbst zu Wort, er gab das folgende Statement an die Presse: „Die Auseinandersetzung um extrem rechte Publikationen ist keiner um die Pressefreiheit, sondern eine um die Verteidigung unserer offenen und demokratischen Gesellschaft, die permanent aus dieser Richtung angegriffen wird. Wer heute ‚Apollo‘ verteidigt, als handele es sich um ein ganz normales Presseerzeugnis, als wäre das Portal eine normale Stimme des demokratischen Meinungswettstreits, sollte eventuell den eigenen politischen Kompass justieren.“Vorausgegangen war ein Treffen in einem Nachbarschaftszentrum, bei dem Mitglieder der Linkspartei gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung über Strategien diskutiert hatten, wie man der Pressearbeit des Mediums „einen Riegel vorschieben“ könne. Moritz Warnke und Kira Ayyadi, eine Autorin von „Belltower.News“, ein Medium der Amadeu-Antonio-Stiftung, traten dort als Sprecher auf. Das Thema des Abends lautete: „Apollo News – die rechte Redaktion in unserem Kiez“. „Apollo News“-Chefredakteur Max Mannhart hatte die Vorgänge auf X selbst publik gemacht, und von einem „einmaligen Vorgang“ gesprochen. „Dass eine im Bundestag vertretene Partei mit einer Rhetorik der offenen Gewalt Strukturen organisieren will, um ein unliebsames Medium gezielt an seinem Erscheinen zu hindern, ist ein Novum und ein unsäglicher Angriff auf die Pressefreiheit. Alle denkbaren Methoden, um ein Medium aus einem Bezirk zu vertreiben, sind von vornherein illegal und implizieren Gewalt“, heißt es in dem Beitrag auf X.Kubicki schrieb von einem „widerlichen und inakzeptablen Gewaltaufruf“Auf die besagte Veranstaltung in Treptow-Köpenick ging der Linken-Politiker in seiner Stellungnahme direkt ein. Er stellt sie so dar: „Auf der Veranstaltung war unter anderem Thema, dass Portale wie ‚Apollo‘ oder ‚Nius‘ versuchen, ihre extrem rechte Agenda anschlussfähig für die bürgerliche Mitte zu machen. Diese These wird durch den Versuch, z.B. durch FDP- und CDU-Politiker, einen erfundenen Gewaltaufruf zu skandalisieren, eindrucksvoll belegt.“ Damit bezieht sich Warnke offenbar auf Statements bei X, in denen Politiker, aber auch Journalisten und Autoren ihre Solidarität mit „Apollo News“ bekundet hatten. Lesen Sie auchFDP-Politiker Wolfgang Kubicki (FDP) etwa schrieb bei X: „Ein widerlicher und inakzeptabler Gewaltaufruf. Die Bundesspitze der Linken sollte sich – sofern ihr auch nur ein Mindestmaß an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung liegt – umgehend davon distanzieren, den Aufruf verurteilen und sich von diesen Hetzern trennen.“Seine Parteikollegin Linda Teuteberg fand ähnliche Worte: „Die Linkspartei will eine Redaktion aus deren Räumen vertreiben, weil ihr die Berichterstattung nicht passt. Ihre Sprache („auf die Tasten treten“) ist ein Gewaltaufruf. Demokratie & Pressefreiheit kennen kein Sondererziehungsrecht für Linke. Das ist ein Angriff auf die FDGO.“ (Freiheitlich-demokratische Grundordnung, Anmerkung der Redaktion).Lesen Sie auchIn der Redaktion von „Apollo News“ arbeiten mittlerweile 15 Mitarbeiter, produziert werden Text- und Videobeiträge. Nach Eigenauskunft hat „Apollo News“ im Monat bis zu sieben Millionen Aufrufe, in Medienbeiträgen wird das Portal zumeist als rechtskonservativ und libertär bezeichnet. Kritiker wie der „Spiegel“, „Correctiv“ und das „Katapult Magazin“ warfen „Apollo“ vereinzelt die Verbreitung von Fake News und „Desinformation“, ungenaue Recherche und „neurechte“ Tendenzen vor.Vorgeworfen wurde „Apollo News“ auch, an einer „Desinformationskampagne“ im Zuge der letztlich zurückgezogenen Kandidatur der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf fürs Bundesverfassungsgericht beteiligt gewesen zu sein. Das ZDF musste seinen Vorwurf, „Apollo News“ habe in zwei Artikeln Falschmeldung über die Causa Brosius-Gersdorf verbreitet, allerdings öffentlich zurückziehen und eine Unterlassungserklärung abgeben. Lesen Sie auchIn dem besagten Flyer der Linkspartei wird ebenfalls Bezug auf den Fall Brosius-Gersdorf genommen, die damalige Berichterstattung von „Apollo News“ wird als „frauenfeindlich“ bezeichnet.„Apollo News“-Chefredakteur Max Mannhart gab sich Dienstagabend via X kämpferisch. „Egal, was ihr macht, liebe Linke, wir werden hier nicht weggehen. Das ist nicht eure Stadt und nicht euer Kiez. Auch in Berlin-Treptow gilt die Pressefreiheit. Sie gilt entweder überall oder gar nicht. Und deswegen bleiben wir hier.“ krott
Berliner Linke verteidigt Kampagne: „Wer ‚Apollo News‘ verteidigt, sollte den politischen Kompass justieren“, - WELT
In Berlin-Treptow wollen Linke die Online-Plattform „Apollo News“ aus dem Kiez „vertreiben“, die Kampagne sorgt überregional für Aufsehen. Nun äußert sich einer der Initiatoren – und geht seine Kritiker scharf an.






