PfadnavigationHomePolitikAuslandGaza-FriedensprozessSchon bringen sich zentrale Akteure für die zweite Phase in Stellung – auch Deutschland ist gefragtVeröffentlicht am 07.10.2025Lesedauer: 5 MinutenNach der ersten Verhandlungsrunde zwischen Israel und der Hamas zeigt sich US-Präsident Trump zuversichtlich, dass sein Friedensplan bald umgesetzt werden könne. Außenminister Wadephul hofft auf eine erste Einigung innerhalb der nächsten Woche.Ein Waffenstillstand rückt in greifbare Nähe, doch noch immer gibt es zentrale Streitpunkte beim Friedensplan für Gaza. Und obwohl die erste Phase noch nicht umgesetzt ist, rückt bereits die zweite Etappe in den Fokus. Bei dieser will auch Deutschland eine entscheidende Rolle spielen.Als Johann Wadephul (CDU) am Sonntagmorgen zu seiner Reise in den Nahen Osten aufbricht, sind als Stationen Katar und Kuwait vorgesehen. Am Sonntagabend steht schon ein zusätzlicher Abstecher nach Israel fest und am Montagmorgen ist noch ein weiterer nach Ägypten eingeplant. An diesem Tag wird der Außenminister in drei Ländern der Region Gespräche geführt haben. Es sind ungewöhnliche Zeiten, denn endlich scheint ein Waffenstillstand in Gaza in greifbare Nähe zu rücken und im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich beginnen nun indirekte Gespräche zwischen Vertretern Israels und der Hamas. Am Abend zuvor hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in einem Interview gesagt, die Europäer hätten sich mit ihrer Parteinahme für die Palästinenser in diesem Konflikt irrelevant gemacht. Wadephul schmunzelt, wenn man ihn darauf anspricht. Er scheint sich nicht gemeint zu fühlen. „Ich kann jedenfalls für die Bundesrepublik sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, dass wir hier irrelevant sind, sondern wir haben sehr viele Gesprächsanfragen“, antwortet Wadephul. „Und ich bleibe ja auch deshalb länger in der Region, weil viele mich darum gebeten und mich eingeladen haben, noch hierzubleiben und auch Gespräche zu führen.“ Die Deutschen drängten sich nicht auf – ihr Beitrag sei gefragt.Lesen Sie auchWas genau Deutschland zur Beilegung dieses Konfliktes tun kann, ist indes noch unklar. „Als international gefragter Partner in Fragen der humanitären Hilfe, der Stabilisierung und des Wiederaufbaus haben wir etwas anzubieten“, sagt Wadephul nach dem Gespräch mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar. Der Israeli hat Wadephul in seinem Privathaus im Tel Aviver Vorort Risch le-Zion getroffen – eine Geste, die unter Diplomaten oft eine besondere Wertschätzung ausdrücken soll. Deutschland sei auch bereit, an der weiteren Zukunft des Gaza-Streifens mitzuarbeiten, nachdem eine Waffenruhe konsolidiert ist und israelische Geiseln sowie palästinensische Gefangene ausgetauscht sind. Die Bundesregierung plane, eine Wiederaufbaukonferenz für den Gaza-Streifen zu organisieren und dafür dann auch eigene Mittel zur Verfügung zu stellen, bekräftigte Wadephul am Montagabend auch in den ARD-Tagesthemen. Den „Wie-Weiter-Plan für Gaza“ nennt Wadephul diese zweite Phase des von US-Präsident Donald Trump angestoßenen Friedensprozesses. Offenbar hakt es derzeit genau an dieser Frage – und Wadephul reist den Verhandlungen hinterher. Streit um Auswahl der palästinensischen HäftlingeAm Montagabend landet er in Kairo, der Hauptstadt Ägyptens. In dem ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich sind Vertreter Israels und der Hamas gerade zu einer ersten Runde indirekter Gespräche eingetroffen. Eingebunden sind als Vermittler auch US-Unterhändler Steve Witkoff sowie Gastgeber Ägypten, Katar und die Türkei. Es soll zunächst um die Realisierung der ersten Phase gehen, die nach Angaben von Wadephul auf einen Waffenstillstand, die Freilassung von Geiseln und Gefangenen, Zurückhaltung im militärischen Konflikt und die Lieferung von Hilfsgütern abzielt.Doch eine Einigung gibt es bisher nicht. Ein zentraler Streitpunkt scheint noch immer die Auswahl der palästinensischen Häftlinge zu sein, die im Austausch für die israelischen Geiseln freikommen sollen. Ein hochrangiger Hamas-Vertreter sagte dem katarischen Sender Al-Arabi Al-Dschadid, seine Organisation bestehe auf der Freilassung von Marwan Barghuti. Er ist eigentlich ein Politiker der säkularen Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas – also des innerpalästinensischen Gegenspielers der Hamas – aber bei den Palästinensern ist er derart beliebt, dass er als möglicher Nachfolger des fast 90-jährigen Abbas gilt. Die Hamas versucht also, sich als Sachwalterin aller Palästinenser zu inszenieren. Die Regierung Netanjahu hat andererseits klargemacht, dass sie keine Mitglieder der Nuchba-Einheit freilassen wird, einer Elite-Einheit der Hamas, die den Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 maßgeblich durchgeführt hat.Lesen Sie auchTrotz dieser ungeklärten Fragen scheint auch die zweite Phase bereits Thema in den Gesprächen zu sein. Jedenfalls bekräftigte ein anderer Hamas-Vertreter ebenfalls gegenüber Al-Arabi Al-Dschadid, dass seine Organisation sich aus der Experten-Regierung heraushalten wolle, die nach einem erfolgreichen Gefangenenaustausch gebildet werden soll. Zudem bat er die Vermittler in den Verhandlungen, Israels Zweifel an der Entwaffnung der Hamas auszuräumen. Phase 1 soll in diesen Tagen offenbar nicht nur ausgehandelt, sondern sogar schon umgesetzt werden. So ist zu hören, die israelische Regierung wolle schon während des einwöchigen Laubhüttenfestes, das am Montagabend begonnen hat, die Rückkehr der 20 überlebenden Geiseln und die Übergabe der sterblichen Überreste der 28 ums Leben gekommenen abschließen. Und Trump schrieb am Montag auf seiner Online-Plattform „Truth Social“: „Mir wurde gesagt, die erste Phase dürfte diese Woche abgeschlossen werden und ich bitte alle, SCHNELL VORANZUGEHEN.“Internationale Schutztruppe und „Friedensrat“Wann Phase 2 wiederum ausgehandelt wird, ist noch völlig offen – und ebenso, wann sie endet. Trumps 20-Punkte-Plan sieht die Bildung eines „Friedensrates“ vor, dem der Präsident vorsitzen und dem auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair angehören soll. Wadephul hat angeboten, dass auch Deutschland Teil dieses Rates werden könne, wenn dies gewünscht sei. Vorgesehen ist weiterhin eine internationale Schutztruppe aus Kontingenten muslimischer Staaten der Region, aber auch aus anderen Teilen der Welt. Offenbar könnten dazu auch Indonesien und Pakistan Kräfte entsenden. Schließlich soll Gaza unter US-Regie wieder aufgebaut werden – und ganz am Schluss des Trump-Plans heißt es, wenn all dies erledigt sei, „könnten endlich die Bedingungen erfüllt sein für einen glaubwürdigen Weg zu palästinensischer Selbstbestimmung und Staatlichkeit“. So vage und ohne Zeitraum wie dieses Ziel formuliert ist, lässt sich bisher kaum einschätzen, wie realistisch es ist. Beobachter sagen allerdings, Trump habe durchaus einen ganz großen Wurf im Sinn. Einiges deutet also darauf hin, dass schon die weitere Zukunft für Gaza im Gespräch ist, während die Details der ersten Phase des Plans noch ausformuliert werden. Dafür spricht auch, dass die ersten öffentlich sichtbaren Gespräche über den Friedensprozess während der UN-Generalversammlung in New York Ende September stattfanden. Und schon dort waren Indonesien, Pakistan und die Türkei involviert – also Akteure, die offenbar erst im späteren Verlauf des Prozesses zum Einsatz kommen sollen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Anfragen an Außenminister Johann Wadephul für spätere politische und entwicklungstechnische Aufbauhilfe weniger vage sind, als es den Anschein haben mag.