PfadnavigationHomeRegionalesHamburgStudieren als Privileg?Wohnungsnot und steigende Kosten – 2000 Studierende auf Warteliste für WohnheimplatzVeröffentlicht am 06.10.2025Lesedauer: 3 MinutenMehrere Wohnungsgesuche hängen am Schwarzen Brett einer Universität.Quelle: Felix Kästle/dpaHamburgs Wohnheime sind voll, WG-Zimmer kosten im Schnitt 678 Euro. Sozialverbände schlagen Alarm: Ohne mehr Förderung und bezahlbaren Wohnraum droht Studieren zum Privileg zu werden – mit Folgen für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit.Wer zum Wintersemester in Hamburg ein Studium beginnt, steht vor einer doppelten Herausforderung: Die Wohnanlagen des Studierendenwerks sind komplett belegt, und die Mieten in der Stadt gehören zu den höchsten in Deutschland. Mehr als 2000 Bewerberinnen und Bewerber warteten Mitte September noch auf einen Platz im Wohnheim. Gleichzeitig warnt der Sozialverband SoVD, dass sich das Studium in Hamburg zunehmend nur noch Wohlhabende leisten können.Die finanzielle Dimension ist erheblich. Laut Moses Mendelssohn Institut müssen Studierende in Hamburg im neuen Wintersemester durchschnittlich 620 Euro monatlich für Wohnkosten einplanen. Dem Studentenreport 2025 zufolge liegt die Warmmiete in der Hansestadt inzwischen sogar bei durchschnittlich 678 Euro für Studierende. In den Wohnanlagen des Studierendenwerks bewegen sich die Mieten hingegen zwischen rund 310 und 480 Euro im Monat – ein deutlicher Preisvorteil, der die große Nachfrage erklärt.Lesen Sie auchTina Scheliga, kommissarische Geschäftsführerin des Studierendenwerks, betont, man reagiere auf den Druck am Markt: „Um dem weiterhin angespannten Hamburger Wohnungsmarkt zu begegnen, investiert das Studierendenwerk kontinuierlich in den Erhalt und Ausbau seines Wohnangebots – durch Sanierungen ebenso wie durch Neubau.“ Ein konkretes Projekt ist bereits in der Pipeline: Im Elbbrückenquartier in der HafenCity soll bis Ende nächsten Jahres eine neue Wohnanlage mit rund 370 Plätzen entstehen.Parallel dazu meldet sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) Hamburg mit deutlicher Kritik zu Wort. „Zum teuren Dach über dem Kopf kommen als feste Ausgabe das Semesterticket dazu. Außerdem ist das Leben in der Stadt ist nicht gerade günstig. Unter 1000 Euro geht so gut wie gar nichts“, sagt der SoVD-Landesvorsitzende Wicher. Wer in Hamburg studiere, müsse häufig zusätzlich arbeiten oder auf Unterstützung der Eltern zurückgreifen. Das sei eine Entwicklung, die den Verbandschef beunruhigt: „Hier deutet sich ein Trend ab, der exemplarisch für die sich immer weiter öffnende soziale Schere steht. Wenn sich irgendwann nur noch diejenigen ein Studium in Hamburg leisten könnten, die aus einem wohlhabenden Elternhaus kommen, wäre das ein fatales Signal!“ Wicher fordert mehr Bildungsgerechtigkeit: Stipendien und Wohngeld könnten junge Menschen entlasten, Wohnheimplätze müssten ausgebaut werden. Vor allem aber brauche die Stadt schnell mehr bezahlbaren Wohnraum: „Wir brauchen mindestens 5000 neue Sozialwohnungen pro Jahr!“Lesen Sie auchAuch aus Sicht des Studierendenwerks darf die Finanzierung des Studiums nicht zur sozialen Hürde werden. „Die Wahl der Hochschule und des Ausbildungsplatzes sollte nicht von Mietpreisen abhängen“, heißt es. Das BAföG sei „zu lange vernachlässigt worden“ und müsse höher und unbürokratischer werden; gleiches gelte für eine höhere Wohnkostenpauschale. Damit adressieren beide Seiten – Studierendenwerk und SoVD – denselben Kernkonflikt: Hohe Lebenshaltungskosten treffen auf Förderinstrumente, die nach ihrer Einschätzung nicht mehr Schritt halten.Das Wintersemester hat offiziell am 1. Oktober begonnen. Hamburg hat in den Wintersemestern rund 120.000 Studierende.juve mit dpa