Die Wahrheit des Evangeliums, selbst starken Christen nicht jederzeit einsichtig, erweist sich oft an Kleinigkeiten. Dies widerfuhr nun dem Schriftwort, wonach die Letzten die Ersten sein würden, einem wahrlich geflügelten Wort, das freilich gerade bei notorischen Letzten eher Hohn als Zustimmung zu ernten pflegt. Seine Stichhaltigkeit trat nämlich beim Einzug Benedikts XVI. in Altötting aufs Strahlendste ans Licht dieses ohnedies schon mächtig strahlenden Montagmorgens.

Der Papst war gelandet, pünktlicher als pünktlich übrigens, war dann zur Gnadenkapelle gefahren und hatte sich zu einem kurzen Gebet vor der Schwarzen Muttergottes zurückgezogen. Auf dem Weg zum Pfarramt, wo man ihm seine Sakristei eingerichtet hatte, geschah es dann, dass er und sein Anhang anders gingen, als man es hätte vermuten mögen: nicht schnurgerade über den Platz, sondern in einem Winkel, zwischen Rathaus und Kriegerdenkmal hindurch. Dort hinten saßen, etwas abgeschlagen, Schwestern und Kleriker aus Indien, die nun plötzlich merkten, dass sie kurzzeitig den Logenplatz innehatten. Mit wehenden Gewändern und Chorröcken rannten sie zu den Absperrgittern, und der Papst ließ es sich nicht nehmen, ihnen mit großer Herzlichkeit die Hände zu schütteln.