Erstmals ist in Bayern ein Ministerpräsident der CSU zurückgetreten, weil er das Vertrauen seiner Partei in einen künftigen Wahlsieg verloren hat. Vor dem Landtag erklärte der 61-jährige Max Streibl am Donnerstag, er lege „sein Amt“ in die Hände des Parlaments „zurück“. Mit dem Regierungschef trat sein gesamtes Kabinett zurück. Streibl, der im Oktober 1988 die Nachfolge des verstorbenen Franz Josef Strauß angetreten hatte, rechtfertigte seinen Schritt mit dem „Schaden“, der dem Amt des Ministerpräsidenten durch eine „beispiellose Kampagne“ in den letzten Monaten entstanden sei. Streibl machte erneut deutlich, daß er sich selbst keiner Schuld bewußt sei. „Die Vorwürfe, die seit Januar gegen mich erhoben wurden, entbehren jeder Grundlage“, betonte er vor den Abgeordneten in einer 20-minütigen Erklärung.

Streibl war auch innerparteilich unter heftigen Druck geraten, nachdem bekannt wurde, daß er sich von dem Flugzeughersteller Burkhart Grob auf Fernreisen hatte einladen lassen. Die Kritik an Streibl reichte aber auch in der CSU weiter. Die Partei traute ihm zuletzt nicht mehr zu, 1994 noch einen erfolgreichen Wahlkampf zu bestehen. 1990 hatte die CSU mit Streibl ein Landtagswahlergebnis von 54,9 Prozent erzielt. Nachfolger Edmund Stoiber, der heute im Landtag in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt wird, hat schon betont, er wolle für die CSU wieder die absolute Mehrheit erringen und werde diesem Ziel „alles unterordnen“.