PfadnavigationHomePanorama„Ronzheimer“-PodcastDrohnen-Alarm in Deutschland – „Eigentlich die klare Definition von Spannungsfall“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 04.10.2025Lesedauer: 4 MinutenHinweisschild mit der Aufschrift „Drohnen verboten“ am Gelände des Flughafens MünchenQuelle: Enrique Kaczor/onw-images/dpaIm „Ronzheimer“-Podcast erklärt eine Journalistin, was bislang über die Drohnen-Sichtungen am Münchner Flughafen bekannt ist. Die Reaktion des bayerischen Ministerpräsidenten sei ein „typischer Söder-Schnellschuss“. In Wahrheit habe die Politik das Thema „über Jahre verschlafen“.Mehrere Drohnen-Sichtungen versetzen Behörden und Öffentlichkeit in Aufregung. Nachdem bereits ähnliche Vorfälle etwa in Norwegen oder Dänemark für Flugausfälle gesorgt hatten, betraf es am Donnerstag die bayerische Landeshauptstadt München.Luftobjekte waren am Franz-Josef-Strauß-Flughafen beobachtet worden, woraufhin der Betrieb vorübergehend lahmgelegt wurde. Der Vorgang wiederholte sich am gestrigen Abend. Der Journalist Paul Ronzheimer setzte sich in seinem Podcast mit den jüngsten Entwicklungen auseinander. Zum Thema „Drohnen-Alarm in Deutschland“ begrüßte er Angelika Hellemann, stellvertretende Politikchefin der „Bild am Sonntag“, die sich schwerpunktmäßig mit verteidigungspolitischen Fragen auseinandersetzt.Bei den unbemannten Luftfahrzeugen über München habe es sich nicht um „MediaMarkt-Drohnen“ gehandelt, wie sie als Geschenk für Kinder dienen könnten, betonte Hellemann. Selbst wenn sie abgeschossen worden wären, wäre es schwierig gewesen, ihre Herkunft auszumachen, da sie weder eine Kennung noch eine Landesflagge tragen. Um einen klaren Verursacher auszumachen, müsste der Drohnen-Pilot gefasst werden. Aus Sicht von Wladimir Putin wäre der Einsatz eine „hervorragende Idee“, um ein „paar Nadelstiche“ zu setzen, erklärte die Journalistin. „Sobald eine Drohne bei einem Flughafen auftaucht, legt sie sofort den gesamten Flugverkehr lahm.“ Flüge würden eingestellt, Passagiere blieben hängen und eine „total große Aufregung“ breite sich aus.Die aktuelle Folge RONZHEIMER gibt es hier zu hören: „Drohnen-Alarm in Deutschland – Mit Angelika Hellemann“„In München weiß man nichts Genaues, weil man diese Drohnen eben nicht vom Himmel holt – und zum Teil auch nicht holen kann“, schilderte sie weiter. Das habe vor allem rechtliche Gründe. Insbesondere über Kasernen und Truppenübungsplätzen gebe es „massive Drohnenüberflüge“. Lesen Sie auch„Da darf die Bundeswehr schon jetzt die Drohne vom Himmel holen“, erklärte Hellemann. Allerdings sei ihr das „fast noch nie gelungen“. Sobald das Objekt jedoch das Gelände verlasse und zum Beispiel über zivile Straßen weiterfliege, müsse der sie verfolgende Soldat „sofort anhalten“ – und an die Polizei übergeben.Lesen Sie auch„Das Thema Drohnen ist über Jahre verschlafen worden“, kritisierte die „Bild“-Journalistin. Dabei könnte Deutschland im Umgang mit unbemannten Luftfahrzeugen bereits weiter sein, wie sie an einem historischen Abriss illustrierte. Bereits 2019 hatte der damalige Verkehrsminister Andreas Scheuer den Plan für einen Anti-Drohnen-Schutz für Flughäfen vorgelegt. Eine Störung wäre zu jener Zeit etwa aufgrund von Klimaprotesten denkbar gewesen. Umgesetzt worden sei die Idee jedoch nie: „Alle haben sich wieder schlafen gelegt.“ Mit Beginn der russischen Invasion der Ukraine wären „hilflos“ Arbeitsgruppen zum Thema gegründet worden. Heer und Luftwaffe hätten sich dabei die Hauptverantwortung hin- und hergeschoben. „Jetzt kommt Hektik rein“, sagte Hellemann mit Blick auf den jüngsten politischen Aktionismus. Markus Söder hatte etwa gegenüber „Bild“ gefordert, Drohnen konsequent abzuschießen. Bei diesem „Schießbefehl“ handele es sich um eine „sehr markige Ansage“, die ignoriere, dass den Polizisten die Mittel fehlten, um Drohnen vom Himmel zu holen. Die Polizei verfüge nicht über Störsender, sogenannte Jammer, die den Funk von Drohnen stören könnten, sodass diese abdrehen oder zu Boden gehen müssen. Alternativ könnten die Beamten mit Maschinengewehren auf Drohnen schießen. Doch angesichts der Schadensrisiken, die von Kugeln und zerberstenden Fluggeräten ausgingen, käme die Methode wohl nicht in bewohnten Gebieten zum Einsatz. Ein „typischer Söder-Schnellschuss“, bewertete die Journalistin.Lesen Sie auchKonkretere Ansätze, „um dieses Chaos ein bisschen zu ordnen“, verfolge Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Schon am kommenden Mittwoch wolle das Bundeskabinett den Entwurf für ein verändertes Luftsicherheitsgesetz beschließen, um der Bundeswehr zu ermöglichen, sich an der Abwehr im Inneren zu beteiligen. Auch besagte Jammer und Interceptor-Drohnen, die in der Luft ein Netz auswerfen, um Flugobjekte einzufangen und zu Boden zu bringen, sollten künftig bei der Verteidigung zum Einsatz kommen. Zudem plane der CSU-Politiker ein Zentrum zur Drohnenabwehr.Wäre womöglich eine europäische Lösung zielführender? Da russische Fluggeräte gleich mehrere Staaten überqueren müssen, bevor sie Deutschland erreichen, wäre der Drohnenschutz an der Ostflanke vonnöten. Die Nato plane zwar einen „Drohnenwall“, doch es mangele bereits an der Fähigkeit, die Objekte zu erkennen. „Wir sind da alle sehr, sehr schlecht aufgestellt“, konstatierte Hellemann. Die Ukraine verfüge im Gegensatz zum restlichen Europa sogar über Geräuschsensoren, um Drohnen zu detektieren. Lesen Sie auchUm der Bundeswehr mehr Rechte beim Schutz der Infrastruktur einzuräumen, lässt sich der Spannungsfall ausrufen, eine Vorstufe des Verteidigungsfalls, wie es CDU-Politiker Roderich Kiesewetter unlängst gefordert hat. Es bedürfte dafür einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Doch danach sieht es bislang nicht aus. „Dass die Gefahr relativ groß ist, sieht man daran, dass nach all diesen Vorfällen Friedrich Merz in dieser Woche zum ersten Mal den doch sehr weitgehenden Satz gesagt hat: ‚Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden‘“, unterstrich Hellemann. Statt „große Handlungen“ aus diesem Satz abzuleiten, stehe er nun wie ein „Ungetüm“ im Raum. Dabei wäre ebenjene Einlassung „eigentlich die klare Definition von Spannungsfall.“
„Ronzheimer“: Drohnen-Alarm in Deutschland – „Eigentlich die klare Definition von Spannungsfall“ - WELT
Im „Ronzheimer“-Podcast erklärt eine Journalistin, was bislang über die Drohnen-Sichtungen am Münchner Flughafen bekannt ist. Die Reaktion des bayerischen Ministerpräsidenten sei ein „typischer Söder-Schnellschuss“. In Wahrheit habe die Politik das Thema „über Jahre verschlafen“.












