Bis heute hält sich in der Finanzwelt ein Bonmot: Die Deutsche Bank sei in Wahrheit eine gigantische Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft. Tatsächlich gehören Klagen dort bis heute zum Alltag: Mal fühlen sich Kunden betrogen, mal Aktionäre schlecht informiert, mal streiten ehemalige Mitarbeiter um Boni. Manche Verfahren wirken abenteuerlich, viele aber sind gut begründet, und enden mit teuren Vergleichen oder vor Gericht, wie einst die Klage der Erben des Medienmoguls Leo Kirch, die die Deutsche Bank 900 Millionen Euro kostete. Nun stehen die nächsten Klagen ins Haus, die nicht nur teuer werden könnten, sondern auch Vorstandschef Christian Sewing belasten könnten, für den es im Geschäftsalltag derzeit eigentlich so gut läuft wie seit vielen Jahren nicht. Der Aktienkurs erklomm zuletzt immer neue Höchsttände, zuletzt verbuchte man sogar den höchsten Gewinn seit 2007.

Doch seit Wochen kommen immer mehr Details zu einem umstrittenen Deal aus der Finanzkrise ans Licht. An diesem Mittwoch gingen dazu weitere Schadenersatzklagen ein. 2008 half die Deutsche Bank der angeschlagenen italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS), ein Bilanzloch zu stopfen. Über sogenannte „enhanced-repo“-Geschäfte nutzten beide Seiten Staatsanleihen und Derivate, um das Ausmaß der Verluste bei MPS zu verschleiern. Grundsätzlich verboten war das nicht, aber intransparent. Sewing war damals bereits in der Risikoabteilung der Deutschen Bank tätig, an diesem Deal aber nicht beteiligt. Erst bei der Aufarbeitung der Transaktion wenige Jahre später, spielte er eine zentrale Rolle.