PfadnavigationHomePolitikDeutschlandSchleswig-HolsteinVerdächtige Drohnen im Norden – Innenministerin gibt teilweise EntwarnungVeröffentlicht am 01.10.2025Lesedauer: 4 MinutenNach Drohnensichtungen Ende vergangener Woche über Schleswig-Holstein prüfen die Behörden den Verdacht, wonach Drohnen über kritische Infrastruktur in Schleswig-Holstein geflogen sind.Drohnensichtungen über einer Werft und Militäreinrichtungen sorgen für Wirbel. Spähten Flugobjekte kritische Infrastruktur in Schleswig-Holstein aus? Die Innenministerin Schleswig-Holsteins informiert über die neusten Erkenntnisse.Nach Drohnensichtungen über einer Werft, Militär- und anderen Einrichtungen in Norddeutschland ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft auf Hochtouren. Bei einem Großteil der Sichtungen in der Nacht auf Freitag konnten Experten illegale, kritische Drohnen-Überflüge mittlerweile aber ausschließen, wie Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags sagte. „Dazu gehören zum Beispiel Flugzeuge, Hubschrauber und auch legale Drohnen.“Einige dieser Sichtungen, auch über militärische Einrichtungen, konnten bislang jedoch nicht verifiziert werden. Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Wegen der teilweise im Verbund erfolgten Drohnenüberflüge liege der Anfangsverdacht einer Straftat des sicherheitsgefährdenden Abbildens vor, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp im Ausschuss.Sütterlin-Waack sprach von vielen Drohnen unterschiedlicher Größe. Nach Einschätzung der schleswig-holsteinischen Sicherheitsbehörden lasse sich zum aktuellen Zeitpunkt keine qualitativ gesteigerte und konkrete Gefährdungslage ableiten. Die jüngsten Vorkommnisse in Dänemark und anderen Ländern hätten das Ziel, die Öffentlichkeit zu verunsichern und die Situation in Europa zu destabilisieren, sagte die CDU-Politikerin. Die Situation sei laut der Innenministerin seit August 2024 unverändert. Es könne daher nicht von einer sich „verschärfenden“ Sicherheitslage gesprochen werden. Vor gut einem Jahr hatte es auch in Schleswig-Holstein bereits Drohnensichtungen gegeben.Günther: Nicht verunsichern lassenMinisterpräsident Daniel Günther (CDU) betonte, „es ist klar, dass die Drohnenüberflüge in verschiedenen EU-Staaten, Deutschland und bei uns in Schleswig-Holstein in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem der Verunsicherung und Destabilisierung dienen soll. Genauso wie Desinformationen im Internet, Spionage- und Sabotageversuche, sind das Mittel der hybriden Kriegsführung.“ Auf diese Angriffe müsse Europa entschieden und mit Stärke beantworten, sagte Günther. „Deshalb brauchen wir auch in Deutschland so schnell wie möglich eine effektive und funktionierende Drohnenabwehr, zum Schutz unserer kritischen Infrastruktur und der Bevölkerung.“Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte zuvor unter Hinweis auf einen internen Vermerk über die Drohnensichtungen Ende vergangener Woche in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern berichtet. Demnach wurden am Donnerstag kurz nach 21 Uhr zunächst zwei kleine Drohnen über dem Werksgelände der Marinesparte von Thyssenkrupp in Kiel beobachtet. Kurz darauf sei über dem Universitätsklinikum ein „Drohnenverbund mit Mutterdrohne“ gesichtet worden.Kurz nach 22 Uhr tauchte eine ähnliche Formation über dem Gaskraftwerk an der Kieler Förde und am Nord-Ostsee-Kanal auf. Außerdem wurden später eine große stationäre Drohne und mehrere kleine Flugobjekte über der Kieler Förde beobachtet. Wie der „Spiegel“ schreibt, wurde auch die Raffinerie in Heide überflogen, die unter anderem den Flughafen Hamburg mit Kerosin beliefert.Lesen Sie auchAuch das Landeshaus Kiel, der Sitz des Landtags von Schleswig-Holstein, sei überflogen worden, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. In dem Vermerk heißt es demnach, die Landespolizei habe beobachtet, dass die Drohnen-Formationen in parallelen Bahnen flogen, um die Einrichtungen am Boden zu vermessen. Große Teile des Nord-Ostsee-Kanals seien von Ost nach West überflogen worden.Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, sollen Drohnen jüngst auch im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern über einem Bundeswehrstandort in Sanitz, über dem Marinekommando in Rostock und über dem dortigen Überseehafen gesichtet worden sein. Einen Bericht der „Bild“-Zeitung darüber, dass die Drohnen nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden von einem Schiff unter fremder Flagge in der Ostsee gestartet sind, das in Richtung Russland unterwegs war, wollte Schleswig-Holsteins Innenministerin weder bestätigen noch dementieren. Laut der Zeitung soll es sich um ein Schiff der sogenannten Schattenflotte handeln, mit der Russland Sanktionen etwa gegen Ölexporte umgehen will. Lesen Sie auchIn den vergangenen Tagen waren wiederholt Drohnen unbekannter Herkunft über dänischen Flughäfen und Militärstützpunkten gesichtet worden. Mehrere Flughäfen mussten zeitweise geschlossen werden.Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach mehreren Drohnen-Vorfällen in Europa von einer gestiegenen Gefahr für die Sicherheit in Deutschland gesprochen und den Aufbau eines neuen Drohnenabwehrzentrums angekündigt. Zur Bekämpfung der Drohnen soll nach seinen Plänen bald auch die Bundeswehr eingesetzt werden dürfen.Beim Abschuss stehen die Sicherheitsbehörden und das Militär vor einer schwierigen Abwägung: Welche Gefahr ist größer, die des Waffeneinsatzes gegen die Drohne oder die Bedrohung durch die Drohne selbst? Schließlich könnte der Flugkörper über besiedeltem Gebiet abstürzen und Schäden verursachen. In der Bundeswehr will der Generalinspekteur Carsten Breuer schnell neue Waffensysteme zur Abwehr von Drohnen zum Einsatz bringen. „Eines ist für mich klar: Am Ende wird es vermutlich darauf hinauslaufen müssen, dass wir Drohnen gegen Drohnen einsetzen“, sagte Deutschlands ranghöchster Soldat der dpa.AFP/coh/jho
Alarm in Schleswig-Holstein: Verdächtige Drohnen über Thyssenkrupp-Werft – Innenministerin gibt teilweise Entwarnung - WELT
Drohnensichtungen über einer Werft und Militäreinrichtungen sorgen für Wirbel. Spähten Flugobjekte kritische Infrastruktur in Schleswig-Holstein aus? Die Innenministerin Schleswig-Holsteins informiert über die neusten Erkenntnisse.









