Manches im Fußball scheint unerklärbar. Zum Beispiel 18 Jahre Trainer eines Klubs zu sein. Gibt’s doch gar nicht. Wie macht er das, der Frank Schmidt in Heidenheim? Er wird viel von Fußball verstehen, gut vernetzt sein. Er hat Erfolg: Aufstieg in die Bundesliga, internationales Geschäft, Klassenverbleib. Aber es scheint um mehr zu gehen.Am Samstag ließ sich das erkennen. Als es um alles ging, also nicht um den 2:1-Sieg über Augsburg, nachdem ein vom Zaun gestürzter Fan der Heidenheimer um sein Leben kämpfte. Da sah man Schmidt vor dem Unfallort. Wie er zugriff, um einen Anhänger seines Teams vor der Attacke auf Augsburger Spieler zu bewahren, die wohl unwissend nicht im Sinne der Fans reagiert hatten. Wie er mit einem sprach, zärtlich dessen Kopf in beide Hände nahm. Wie er einen Reporter nach der berechtigten ersten Frage zum Zustand des Fans mit sanfter Geste und freundlichen Worten dazu brachte, die Würde aller unangetastet zu lassen.In diesen Augenblicken verließ Schmidts Satz: „Ich sage mein ganzes Leben, dass der Fußball nicht das Wichtigste ist“, die Ebene der Floskel. So entstand der Eindruck, Schmidt sei 18 Jahre Cheftrainer, weil er neben seiner Kompetenz ein unbezahlbares Vertrauen genießt: In entscheidenden Momenten an die Menschen zu denken – und so zu handeln.