PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungBundesjugendspieleWie aus einem Wettkampf ein Wohlfühlprogramm wurde – und warum das unseren Kindern schadetVon Lotte DietrichVeröffentlicht am 06.10.2025Lesedauer: 3 MinutenUnvergessen: Ehrenurkunde der BundesjugendspieleQuelle: Christian Ohde/CHROMORANGE/picture allianceKinder brauchen Anreize, um über sich hinauszuwachsen. Besonders eine Erfahrung ist wichtig für die Entwicklung.Momente, die den Funken der Motivation entzünden: Das waren die Bundesjugendspiele, bevor der Ausschuss für Bundesjugendspiele und die Kultusministerkonferenz die Spiele 2021 zu einem, wie es offiziell genannt wird, „kindgerechten Wettbewerb“ reformierten – eine bis heute umstrittene Entscheidung. Bei den modifizierten Spielen ist die individuelle Leistung jedes Schülers zur Nebensache geworden, es zählt allein die Bewegungsfreude. Das war und ist ein Fehler. Denn es braucht Anreize, um über sich hinauszuwachsen. Und das gelingt nicht durch belanglose Teilnehmerbestätigungen, wie es sie nun gibt, sondern durch Sieger- und Ehrenurkunden, die echte Leistung würdigen. Durch Leistungsurkunden lernen Kinder und Jugendliche nicht nur den Umgang mit Sieg und Niederlage, sondern erfahren auch großen Stolz durch die Bestätigung ihrer Anstrengung. Zudem können sie die Erfahrung sogar mit den Eltern und Großeltern teilen, denn die Bundesjugendspiele gibt es schon seit 1951. Lesen Sie auchNeben der bloßen sportlichen Leistung geht es aber auch um Werte, die weit über den Sport hinausreichen. Das Lernen von Widerstandsfähigkeit gehört fraglos dazu. Wer ein enttäuschendes Ergebnis ertragen muss, hat die Möglichkeit, daraus zu lernen. Die Bundesjugendspiele leisten damit ihren eigenen Beitrag zur sozialen und charakterlichen Entwicklung, indem sie Werte wie Ehrgeiz, Fairness, Durchhaltevermögen und den respektvollen Umgang mit anderen vermitteln. Die Bundesjugendspiele haben zudem eine gesundheitspolitische Dimension. Laut dem deutschen Ärzteblatt ist etwa jedes sechste Kind chronisch krank. Dabei könnte der Wettkampf hier durchaus helfen. Denn Bewegung ist eine der Säulen, um unsere Gesundheit anzukurbeln und chronische Krankheiten und Übergewicht zu vermeiden. Das Sprinten, Springen und Werfen hat seinen Sinn, wenn die Bundesjugendspiele als das verstanden werden, was sie einmal waren: ein echter Antrieb. Motivation und persönliche Höchstleistung entstehen nur dann, wenn Kinder ein konkretes Ziel erreichen können. Kritiker sehen jedoch eher weniger die Chancen bei dem für sie berüchtigten Wettkampf. Sie behaupten, das alte System sei für schwächere Sportler eine Bloßstellung. Kinder mit einer schlechten Urkunde könnten sich schämen – und damit eine Entmutigung davontragen, überhaupt Sport zu treiben. Sicher bleibt: Belohnung ohne Leistung motiviert niemanden. Die Motivation zur Bewegung und Anstrengung leidet unter dem fehlenden Anreiz eines überhaupt zu erreichenden Sieges.Lesen Sie auchDabei haben Kinder vollkommen unterschiedliche Veranlagungen. Aber richtig verstanden liegt der Fokus der Bundesjugendspiele nicht auf dem Vergleich aller Kinder, sondern auf der persönlichen Bestleistung. Die Schüler müssen nicht gleichstark sein – aber alle müssen über sich hinauswachsen. Zudem: Wer Stärke in anderen Bereichen als Sport zeigt, kann sich auch bei der Mathematik-Olympiade oder im Kunstunterricht beweisen. Warum sollte man also ausgerechnet im Sport, einer ebenso wichtigen Kompetenz, den Wert der Leistung mindern? Am Ende geht es bei den Bundesjugendspielen auch um die Vorbereitung aufs Leben. Von der Grundschule bis zum Beruf, Leistung ist ein ständiger Begleiter unseres Lebens – und Erfolg und Misserfolg gehören dazu. Dort ausgerechnet bei den Bundesjugendspielen eine Ausnahme zu machen, ist falsch. Gleichmacherei nimmt Kindern nicht nur die Angst vor Bloßstellung, sondern auch den Wert echter Erfolge.Unsere Autorin Lotte Dietrich ist 16 Jahre alt und besucht die 11. Klasse am Märkischen Gymnasium in Iserlohn.
Bundesjugendspiele: Wohlfühlprogramm statt Wettkampf – warum das unseren Kindern schadet - WELT
Kinder brauchen Anreize, um über sich hinauszuwachsen. Besonders eine Erfahrung ist wichtig für die Entwicklung.







