PfadnavigationHomePanoramaComedy-Festival in Saudi-Arabien„Wie bewirbt man das überhaupt? ‚Von den Leuten, die euch den 11. September beschert haben‘?“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 27.09.2025Lesedauer: 4 MinutenDer US-Comedian Bill Burr gehört zu den Stargästen beim „Riyadh Comedy Festival“Quelle: Jordan Strauss/Invision/APEin Comedy-Festival in der saudi-arabischen Hauptstadt begrüßt seit gestern die internationalen Aushängeschilder der Branche. „Human Rights Watch“ kritisiert die Auftritte deutlich, beteiligte Komiker rechtfertigen ihre Teilnahme. „Sie bezahlen mir genug Geld, damit ich wegschaue.“Eigentlich gilt die freie Meinungsäußerung in Saudi-Arabien als stark eingeschränkt. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ nennt die Monarchie einen „Alptraum für Medienschaffende“ und stuft sie in ihrer Rangliste der Pressefreiheit dieses Jahr auf Platz 162 von 180 Staaten ein. Erst im Juni hat das Regime den Journalisten Turki al-Jasser hingerichtet, nachdem er die Königsfamilie unter Pseudonym auf der Plattform X mit Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht hatte. Doch Kronprinz Mohammed bin Salman bemüht sich zugleich um eine kulturelle Öffnung des Staates. Er lässt in die Computerspieleindustrie investieren, erlaubt selbst feministischen Filmen, in saudi-arabischen Kinos zu laufen – und gestattet nun auch Satire. Seit gestern findet in Boulevard City, dem Unterhaltungsviertel der Hauptstadt, das „Riyadh Comedy Festival“ statt. Namhafte Stand-up-Comedians wie Bill Burr, Louis C.K., Kevin Hart, Aziz Ansari, Pete Davidson oder Dave Chappelle haben ihre Teilnahme zugesagt – zum Unmut einiger Kollegen und Menschenrechtsorganisationen.Lesen Sie auch„Human Rights Watch“ ging hart mit der Regierung Riads ins Gericht. Sie nutze das Festival, „um von ihrer brutalen Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und anderen weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen abzulenken“, beanstandete die Menschenrechtsorganisation. Joey Shea, Expertin für Saudi-Arabien bei der NGO, beklagte die „Schönfärberei“, die inmitten „verschärfter Repressionen“ stattfinde, darunter „ein hartes Vorgehen gegen die freie Meinungsäußerung, die viele dieser Komiker verteidigen, den Menschen in Saudi-Arabien jedoch völlig verwehrt“ werde.„Komiker, die in Riad auftreten, sollten sich gegen die schweren Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien aussprechen“, forderte Shea. Die teilnehmenden Comedians sollten ihre Plattform nutzen, um die dortigen Behörden „öffentlich zur Freilassung zu Unrecht inhaftierter saudischer Dissidenten, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten aufzufordern“. Insbesondere für die Freilassung der Frauenrechtsaktivistin Manahel al-Otaibi und des Menschenrechtsverteidigers Waleed Abu al-Khair sollten sie sich stark machen. Lesen Sie auchKritisch zeigten sich auch Kollegen der auftretenden Künstler. Shane Gillis gab an, eine hohe Summe für seinen Auftritt ausgeschlagen zu haben – aus einer „prinzipiellen Haltung“ heraus. „Wie bewirbt man das überhaupt?“, fragte Marc Maron. „‚Von den Leuten, die euch den 11. September beschert haben. Zwei Wochen Lachen in der Wüste, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!’“ Die Comedians würden von demselben Menschen bezahlt, der auch „den Typen dafür bezahlt hat, Jamal Khashoggi mit der Knochensäge zu zersägen und ihn in einen verdammten Koffer zu stecken. Aber lasst euch davon nicht abhalten, es wird eine gute Zeit!“Lesen Sie auchKomiker Tim Dillon erklärte im Podcast von Joe Rogan, 375.000 Dollar für seinen Auftritt angeboten bekommen zu haben. Für diese Summe wäre er bereit, sich anzusehen, wie einem Dieb die Hand abgeschlagen werde. „Natürlich“ sei er mit der politischen Situation nicht einverstanden, „aber ist es mein Bier, ihnen zu sagen, wie sie leben sollen?“ Auf seinem YouTube-Kanal ergänzte er: „Sie bezahlen mir genug Geld, damit ich wegschaue. Ich werde dafür bezahlt, mich nicht darum zu kümmern, was sie in ihrem Land tun.“ Kurz vor Festivalstart wurde der Komiker wegen Witzen über Zwangsarbeit in dem Königreich ausgeladen.Lesen Sie auchUS-Talker Bill Maher verteidigte hingegen das Festival. Im Zuge seiner HBO-Show „Real Time“ hatte er sich vor zwei Wochen für die freie Meinungsäußerung stark gemacht und dabei Großbritannien kritisiert, wo es alleine 2023 zu 12.000 Festnahmen wegen Online-Posts gekommen war. Bewundernd stellte er dieser Praxis die Veranstaltung in Saudi-Arabien gegenüber. „Wenn man mir vor Jahren gesagt hätte, dass Saudi-Arabien es in Ordnung fände, Dave Chappelle sprechen zu lassen, und England ihn möglicherweise verhaften würde, hätte ich gesagt: Was rauchst du da?“ Chappelle hat in der Kritik gestanden, nachdem er in seinem Netflix-Programm „The Closer“ Transgeschlechtlichkeit mit Blackfacing gleichgesetzt hatte.Der australische Komiker Jim Jefferies war bereits im August im Format „The Past Weekend“ mit der Kritik an seiner Zusage konfrontiert worden. „Das ist das beste Line-up, das ich je bei einem Comedy-Festival gesehen habe“, lobte er dort die saudi-arabischen Veranstalter. „Ein Reporter wurde von der Regierung getötet, das ist schade – aber jetzt auch keine Sache, für die ich in die Schlacht ziehen würde“, relativierte der Komiker. Auch „unsere Regierungen“ brächten Menschen um.
Comedy-Festival in Saudi-Arabien: „Wie bewirbt man das überhaupt? ‚Von den Leuten, die euch den 11. September beschert haben‘?“ - WELT
Ein Comedy-Festival in der saudi-arabischen Hauptstadt begrüßt seit gestern die internationalen Aushängeschilder der Branche. „Human Rights Watch“ kritisiert die Auftritte deutlich, beteiligte Komiker rechtfertigen ihre Teilnahme. „Sie bezahlen mir genug Geld, damit ich wegschaue.“











