PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenArtikeltyp:MeinungMuslimisches LebenFlache Islamkritik schadet unserem LandVeröffentlicht am 27.09.2025Lesedauer: 7 MinutenIslamkritik braucht Mindeststandards. Mit dieser simplen Erkenntnis fängt es an: Der Islam ist eine bleibende Realität in Deutschland – meint Till-Reimer StoldtQuelle: Frank Rumpenhorst/picture allianceEs ist Zeit, dass sich die Islamkritik auf Niveauuntergrenzen verständigt. Wer muslimisches Leben kritisch betrachtet, wird zu oft von dumpfer Religionsfeindschaft, von Alle-raus-Impulsen oder linksliberaler Intoleranz angetrieben. Deutschland braucht nichts davon.Moslems tragen Unfrieden in unsere Schulen – die Klage war im NRW-Kommunalwahlkampf öfter zu hören. Der Grund: 176 von über 5000 NRW-Schulen bieten ihren Schülern Gebets- und Besinnungsräume an. Die werden ganz überwiegend von Muslimen genutzt. Die SPD schimpfte, derlei religiöse Praktiken und Räume hätten in Schulen nichts zu suchen, sie sorgten nur für „Konflikte“. Ja weiß sie denn nicht, wo sich die meisten dieser Gebetsräume befinden? In Schulen, in denen Muslime die bei Weitem größte religiöse Gruppe stellen. Für Konflikte würde dort eher das Fehlen solcher Räume sorgen (die nur außerhalb des Unterrichts genutzt werden dürfen). Erst der Entstehung muslimischer Mehrheiten in Schulen tatenlos zuschauen, um ihnen dann Daumenschrauben anzulegen – dieses Verfahren schürt garantiert Unfrieden.Zudem: Wenn religiöses Leben in Schulen pauschal zum Konfliktstoff degradiert wird – wie lange wird man dort dann noch Weihnachtslieder singen dürfen? Die Gefahr des Niveauabsturzes lauert eben bei jedem Thema. Auch Islamkritik kann ins Tumbe abrutschen. Dadurch schadet sie erstaunlich vielen: Muslimen, Christen, dem freien Denken und natürlich ihrem eigenen Anliegen (sofern es sich um menschenfreundliche Islamkritik handelt). Das muss falsch sein – wenn's vom Muslim kommtIm NRW-Wahlkampf zeigte sich das auch, als ein muslimischer Kandidat dafür warb, Taxen zu unterstützen, in denen Frauen Frauen chauffieren. Damit sollten Übergriffe männlicher Fahrer auf weibliche Gäste verhindert werden. Sogleich erhob sich sozial-mediales Geschrei, dieser Kerl wage es, Geschlechtertrennung zu propagieren. Ja und? Die punktuelle Trennung der Geschlechter ist ein bewährtes Ordnungsprinzip unserer Gesellschaft. In Umkleidekabinen von Schwimmbädern und Fitnesscentern, im Sport und beim Angebot geschlechtsspezifischer Facharztpraxen ist es anerkannt (auch wenn eine kleine Gruppe gefühlter Frauen es attackiert). Auch Forscher debattieren einen partiell geschlechtergetrennten Schulunterricht in Sport oder MINT-Fächern, weil davon insbesondere Mädchen profitierten. Aber kaum schlägt ein Muslim vor, das Angebot von Frauen-Taxen zu fördern, gilt punktuelle Geschlechtertrennung als des Teufels und als undiskutierbar. Nein, das ist zu grob. Und offenkundig wird da mit zweierlei Maß gemessen.Schluss mit zwangsatheistischer DDR-RhetorikEin anderes Beispiel: Es ist leicht, gegen das Kopftuch bei Kita-Kindern zu argumentieren. Auch islamische Theologen wie Bülent Ucar sehen dafür keine Legitimation. Gleichzeitig kursieren aber so schlechte Argumente gegen das Tuch auf Kinderköpfen, dass man fast wieder die Seite wechseln möchte. Vor allem eins: Man müsse „religiöse Infiltration“ durch Eltern verhindern. Das klingt arg nach den Religionsfressern von der Linkspartei. Die regte indirekt an, Taufen bei Menschen unter 14 Jahren zu verbieten, damit Eltern ihre Kinder nicht zwangsindoktrinierten. Geht es aber um den Islam, warnen plötzlich auch nichtradikale Parteien pauschal vor religiöser Infiltration. Da gerät etwas ins Wanken – das verfassungsmäßige Erziehungsrecht der Eltern, das auch religiösen Einfluss umschließt. Eltern wollen nun mal das Beste an ihre Kinder weitergeben. Für christliche Eltern ist das eine christliche, für muslimische eine muslimische Prägung. Das ist in den Grenzen des Kinderschutzes völlig legitim und ohnehin unvermeidbar. Eltern prägen ihre Kinder immer. Also bitte: Schluss mit einer Rhetorik, die in zwangsatheistischen Regimen wie der DDR beheimatet ist.