PfadnavigationHomeRegionalesHamburgFilmfestZur Eröffnung ein FlopVeröffentlicht am 26.09.2025Lesedauer: 4 MinutenAbbild des Publikums: Das Brautpaar wartet in „Lovely Day“ auf die Ringe, die der Trauzeuge verlegt hatQuelle: PRDie Eröffnung zum Filmfest Hamburg missglückte am Donnerstag. Der Eröffnungsfilm „Lovely Day“ von Philippe Falardeau langweilte das Publikum und auch die Eröffnungszeremonie im Cinemaxx am Dammtor bot keine Überraschungen.Der Auftakt zum Filmfest Hamburg geriet am Donnerstagabend zu einer zähen Angelegenheit. Der Eröffnungsfilm „Lovely Day“ von Philippe Falardeau war ziemlich genau zwei Stunden lang, die sich im Cinemaxx am Dammtor auf gefühlte dreieinhalb Stunden verlängerten. Die einstündige Veranstaltung, die dem Film im Saal eins mit Ansprachen zum Start vorausging, wurde von Thelna Buabeng moderiert. Einziger Lichtblick war die gewohnt launige Rede von Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Mit einem Zitat des kürzlich verstorbenen Robert Redford: „an der Vergangenheit festzuhalten, ist gefährlich. Man muss einfach weitermachen“ forderte der Senator, weiterhin für die Demokratie zu streiten und die Zukunft offen zu diskutieren. Eröffnungsfilm langatmig und konfusAnsonsten beschwor Filmfestleiterin Malika Rabahallah die Werte „Widerständigkeit, Zusammenhalt und Humor“. Anschließend stellte sich wie in vielen Vorjahren die Frage, ob ein Kurzkonzert in einem für Konzerte grundsätzlich kaum geeigneten Kinosaal Programmpunkt der Eröffnung sein muss, völlig unabhängig von der Qualität der singenden Künstler. Überwiegend schlimm war aber die gescheiterte Tragikomödie „Lovely Day“, der Eröffnungsfilm. Schließlich sollte er Lust auf das Filmfest mit den folgenden 117 Kinofilmen machen und nicht abschreckend wirken. Zudem weckte jede Ankündigung zum Film falsche Erwartungen, was die Sache nicht besser machte und an miese Klappentexte von Romanen erinnerte, die offenkundig von Menschen verfasst werden, die eine einzige Bedingung erfüllen müssen: Sie dürfen das Buch nie aufgeschlagen haben. Angekündigt wurde also von Filmfest-Mitarbeitern, die den Film entweder nicht kannten oder nicht verstanden hatten, warum Falardeau das Thema der verfilmten Autobiografie von Alain Farah nicht in den Griff bekam: „der temporeiche und virtuos konstruierte Film“. Morbus Crohn und Tablettensucht Wenn dieser Film eins nicht hatte, war es Tempo. Das muss überhaupt nicht schlecht sein, aber wenn es zu viele Redundanzen gibt, wenn es keine klare Handlung gibt, sondern nur die Illustration einer Abfolge individueller Befindlichkeiten, zieht sich das Elend in die Länge. „Virtuos konstruiert“ war der Film auch nicht. Er bestand aus Sprüngen durch Szenen, die innerhalb eines Tages vor und nach einer Hochzeitszeremonie spielen, der Zeitpunkt wurde durch Schrifttafeln mitgeteilt, was nicht erhellend wirkte, denn die Sprünge wirkten häufig unmotiviert. Die Konstruktion war also ein eher hilfloser Versuch, fehlende Struktur zu kaschieren. Angekündigt wurde, der Held Alain begegne am Tag seiner Hochzeit seiner „großen Liebe“, was eine gute Vorlage für eine Komödie wäre, handelte es sich bei der großen Liebe nicht um die Braut, die er schon lange kennt. Im Film wollten beide heiraten und es kam keine weitere, überraschende „große Liebe“ hinzu. So weit, so öde. Angekündigt war eine Tragikomödie. Das war der Film immer mal wieder. Aber sich über zwei an Morbus Crohn erkrankte Menschen lustig zu machen, den (Anti-)Helden und seinen Vater, ist eine denkbar schlechte Grundlage für eine Komödie. Die Krankheit verursacht bei den Betroffenen Bauchkrämpfe und Durchfall, wie im Film deutlich zu ausgiebig gezeigt wurde. Zusätzlich wird Alain tablettensüchtig, weil er die Krankheit schon im Kindesalter bekommt. Warum seine Braut ihn heiraten will, obwohl er auch sonst ein unattraktives Nervenbündel ist, das nicht durch Sozialkompetenz glänzt, versteht der Zuschauer auch nicht. Die Frau im Brautkleid bleibt als Figur gänzlich blass. Und dass Alain am Tag seiner Hochzeit so viele Tabletten schluckt, dass er bei der Feier ohnmächtig vom Stuhl kippt, ist nicht lustig. Warum nicht „Amrum“ von Fatih Akin zur Eröffnung?Einzig die Spannung zwischen den Generationen der arabischen Migranten aus dem Libanon in Quebec und ihrer Söhne erzählt der Film mit großem Einfühlungsvermögen und menschlicher Wärme. Die Probleme der Einwanderer untereinander sind aber auch nur bedingt komisch. Beeindruckende Darsteller konnten die Mängel des Drehbuchs ebenso wenig auffangen wie der mit dreien von ihnen gemeinsam zur Eröffnung in Hamburg anwesende Regisseur. Warum der Film „Amrum“ von Fatih Akin nach Hark Bohm das Filmfest nicht eröffnete, wird für immer ein Geheimnis der Filmfestleitung bleiben. Die Argumentation, schließlich solle das Filmfest international sein, verfängt nicht. Schließlich ist Akin ein international erfolgreicher Regisseur und „Amrum“ lief auch bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig. Auf dem diesmal eingeschlagenen Pfad zur Eröffnung sollte das Filmfest im kommenden Jahr nicht festhalten, sondern frei nach Robert Redford einfach weitermachen und Neues wagen. Filmfest Hamburg, bis 4. Oktober