Die Achse der Avantgarde verlief nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Paris und New York. Zwar streckte später die Kunstwelt auch ihre Fühler nach Düsseldorf und Köln aus, doch Bedeutungseinbußen erlitten die beiden Ersteren dadurch keine. Von alldem ästhetischen Tumult aus abstrakten Expressionisten, Situationisten und der Gruppe ZERO blieb Wien recht unberührt. Vorurteile gegenüber der Avantgarde schienen dort auch nach 1945 noch zu währen. Wer am Kunstdiskurs der Gegenwart teilhaben wollte, setzte sich wie Maria Lassnig oder Kiki Kogelnik in Paris und New York ab. Einer, der den Streit um Bedeutungshoheit in der Avantgarde locker beiseiteließ, war der österreichische Bildhauer Fritz Wotruba. Dass diesen die Nachrangigkeit der einstigen Kaisermetropole für die Gegenwartskunst kaltließ, verdankte sich dem Umstand, dass sich Wotruba bereits vor dem Krieg einen Namen als „bildhauerischer Solitär“ machte. Anlässlich seines fünfzigsten Todestages widmet ihm das Wiener Belvedere 21 nun eine umfassende Retrospektive, in der dessen Skulpturen mit Arbeiten seiner Zeitgenossen kontrastiert werden.
Der Bildhauer Fritz Wotruba im Wiener Belvedere 21
Österreichischer Michelangelo der Moderne: Das Wiener Museum Belvedere 21 würdigt den Bildhauer Fritz Wotruba und setzt ihn in Beziehung zu internationalen Kollegen.








