Die bayerische AfD-Fraktion hat ihre Herbstklausur in dieser Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Österreich abgehalten. Am Donnerstag präsentierte sie auf einer Pressekonferenz im Landtag ihre Positionen, die eine Reihe von Provokationen enthalten. „Die AfD fordert eine Einbürgerungsobergrenze von 500 Personen pro Jahr“, sagte Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, was quasi einem Einbürgerungsstopp entsprechen würde. Allein im vergangenen Jahr erhielten laut offizieller Statistik 54 500 Menschen in Bayern den deutschen Pass. Die Zahlen haben sich seit 2014 vervierfacht, unter anderem durch Erleichterungen im Staatsangehörigkeitsrecht.„Es kann nicht sein, dass unsere Staatsbürgerschaft verschleudert wird“, sagte die Fraktionsvorsitzende. Man wolle zurückkehren zum sogenannten Abstammungsprinzip. Deutscher soll demnach nur werden können, „wer von deutschen Personen abstammt“ oder der Wirtschaft nutzt. Der Freistaat, so eine weitere Forderung, solle alle Einbürgerungen seit 2015 „vollumfänglich“ überprüfen und gegebenenfalls aberkennen. Wer seit 2022 eingebürgert wurde, solle zudem seine Sprachprüfung wiederholen müssen.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Die AfD wittert massenhaften Betrug bei den Sprachtests, ohne dafür weitere Erkenntnisse zu haben. Zuletzt waren Fälle bekannt geworden, in denen Betrüger Sprachzertifikate für Einbürgerungen gefälscht und online angeboten haben sollen. Die Polizei ermittelt. Ob und in wie vielen Fällen es auf Grundlage falscher Zertifikate zu Einbürgerungen kam, ist nicht bekannt. Seit 2015 wurden in Bayern knapp 250 000 Menschen eingebürgert. Mit der deutschen Staatsangehörigkeit sind zentrale Rechte wie das Wahlrecht verbunden. Sie kann nur in wenigen Ausnahmefällen entzogen werden. Die Forderung sei eine „Ergänzung“ zum AfD-Konzept der „Remigration“, also der Massenabschiebung Geflüchteter, hieß es auf der Pressekonferenz.Auch bei der Klima- und Energiepolitik schlägt die AfD einen rigorosen Weg vor, zum Beispiel einen „sofortigen Bau- und Genehmigungsstopp von Windkraft- und PV-Anlagen auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen“. Das bayerische Klimaschutzgesetz soll nach dem Willen der AfD-Fraktion abgeschafft und die Energiewende beendet werden. Stattdessen fordert sie eine Rückkehr zur Kernkraft und zum Import von russischem Gas über die Nord-Stream-Pipelines. Die letzten deutschen Atomkraftwerke gingen 2022 vom Netz und werden zurückgebaut. Eine Reaktivierung, etwa von Isar 2 in Niederbayern, halten Experten und Betreiber für ausgeschlossen. Die Reparatur der gesprengten Nord-Stream-Gasleitungen könnte nach Schätzungen eine halbe Milliarde Euro kosten.Mit Blick auf die Kommunalwahl am 8. März strebt Ebner-Steiner ein landesweites Ergebnis von mindestens 15 Prozent an. In den Stadt- und Gemeinderäten wolle man „zum Partner“ anderer Parteien werden. „So werden wir die Brandmauer dann Schritt für Schritt aufbröckeln.“