PfadnavigationHomePanoramaZertifikateGefälschte Sprachtests – CDU fordert Passentzug für EinbürgerungsbetrügerVeröffentlicht am 11.09.2025Lesedauer: 4 MinutenAngesichts der Gefahr, dass Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft mit gefälschten Sprachzertifikaten erlangt haben könnten, fordert die Union eine Kontrolle bereits abgeschlossener Einbürgerungen.Einem Medienbericht zufolge kursieren bundesweit Tausende gefälschte Sprachzertifikate, mit denen sich der Weg zur Einbürgerung erkaufen lässt. CDU-Politiker Alexander Throm fordert bei Verdacht eine nachträgliche Überprüfung.Angesichts der Gefahr, dass Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft mit gefälschten Sprachzertifikaten erlangt haben könnten, fordert die Union eine Kontrolle bereits abgeschlossener Einbürgerungen. „Anlässlich dieses konkreten Falls erwarte ich, dass die Ausländerbehörden sowohl bei der Einbürgerung, aber auch bei anderen Fällen, etwa der Vergabe von Aufenthaltstiteln, diese Fälle noch einmal überprüft und insbesondere Sprachzertifikate und Integrationszertifikate auf ihre Echtheit kontrollieren lässt“, sagte Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, im Gespräch mit WELT TV.Filiz Polat, Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion der Grünen, wandte sich gegen eine nachträgliche Überprüfung. Einbürgerungswillige dürften nicht unter Generalverdacht geraten, sagte die Migrationsexpertin zu „Focus“. Stattdessen brauche es „Prävention durch zukunftsfeste, fälschungssichere Verfahren.“Recherche über SprachtestbetrugLaut einer Recherche von „Stern“ und RTL verlangen Betrüger für die gefälschte Sprachzertifikate, die etwa bei einer Einbürgerung verlangt werden, zwischen 750 Euro und 2700 Euro. Demnach seien bundesweit Tausende gefälschter Bescheinigungen unterwegs, mit denen sich die Käufer den Weg zur Einbürgerung oder zur Niederlassungsbescheinigung quasi erkaufen. Für durchschnittlich 1500 Euro ließen sich gefälschte Dokumente im Internet bestellen, wie etwa über die Plattform TikTok. Wörtlich heißt es in dem „Stern“ zu der betrügerischen „Dienstleistung“: „In zahlreichen Videos preisen verschiedene Accounts ihre Dienste an. Da heißt es: ‚A1, A2, B1, B2, C1, C2. Ohne Schule. Ohne Prüfung‘, während im Hintergrund der Videos wie zum Beweis haufenweise Zertifikate zu sehen sind.“ Einige Anbieter würden sogar mit Mengenrabatt werben, „wenn man für Freunde und Familie mitbestellen will“, heißt es weiter. Lesen Sie auchInvestigativ-Reporterin Liv von Boettcher bewarb ihre Recherche bei X mit den Worten: „Auf TikTok hat sich eine regelrechte ‚Einbürgerungsindustrie‘ entwickelt, notwendige Dokumente wie einen Sprachnachweis für das Level B1 oder den Einbürgerungstest ‚Leben in Deutschland‘ kann man dort für 1000 bis 2000 Euro erwerben. Per Kurier wird zwischen Freitag und Sonntag geliefert, bundesweit – von Flensburg bis Freiburg. Die Dokumente sehen täuschend echt aus und wurden vielfach bei Behörden in den vergangenen Jahren eingereicht – und durchgewunken.“ „Die Bundesländer haben offenbar größtenteils keinen Überblick“Bund und Länder haben den Betrugsversuchen offenbar wenig entgegenzusetzen, schreibt der „Stern“ weiter und verweist auf seine Reporterteams, die undercover – und offenbar erfolgreich – mehrfach versucht hätten, die falschen Bescheinigungen zu bekommen. „Die Bundesländer haben offenbar größtenteils keinen Überblick über das Ausmaß und können keine Statistiken zur Anzahl der Betrugsfälle angeben“, heißt es in dem Artikel. Lesen Sie auchEin entsprechender Beitrag zu dem Thema ist am Dienstagabend bei RTL zu sehen, in der Sendung „Extra – Das RTL Magazin“ um 22.15 Uhr. Das Geschäft mit den gefälschten Bescheinigungen sei dabei äußerst professionell aufgezogen, die Spur führe in die Organisierte Kriminalität, heißt es darin weiter. Die notorisch überlasteten deutschen Ausländerbehörden könnten dem wenig entgegensetzen, zumal das Problembewusstsein oft gar nicht gegeben sei: „Ein unerfahrener Mitarbeiter wird nicht feststellen, dass daran etwas gefälscht ist. Er hat keine Chance“, zitiert das Rechercheteam einen Angestellten einer Ausländerbehörde in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit haben im vergangenen Jahr 291.955 Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft neu erworben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilte, stieg die Zahl der Einbürgerungen somit gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent (plus 91.860 Menschen) auf einen neuen Höchststand. Polizei ermittelt in mehreren StädtenEin Mittel, um solche Fälschungen zu erkennen, ist aus Sicht des Bundesinnenministeriums ein persönliches Gespräch mit den Einbürgerungswilligen. „Die deutsche Staatsangehörigkeit bildet den Abschluss eines gelungenen Integrationsprozesses“, betonte eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Um Betrug hier konsequent zu verhindern, sei „die persönliche Vorsprache der Antragstellenden im Einbürgerungsverfahren unerlässlich“, sagte sie. Dieses Gespräch solle zudem möglichst frühzeitig im Prozess stattfinden. Um die Verfahren wirksam vor Fälschungen zu sichern, stehe das Ministerium in engem Austausch mit den Ländern – etwa zur Nutzung besonders verlässlicher Testanbieter.Die Hamburger Polizei teilte auf Anfrage mit, dass es in der Hansestadt zu dieser Art von Betrug Ermittlungsverfahren im mittleren zweistelligen Bereich gebe. Zudem bestätigte der Sprecher einen Zugriff am 19. Juli. Nähere Angaben wollte er mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen aber nicht machen. Ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf sagte: „Das Phänomen gefälschter Sprachzertifikate, manipulierter Einbürgerungstests sowie der sogenannten Stellvertreterprüfungen ist der Polizei Nordrhein-Westfalen bekannt und stellt in der polizeilichen Praxis ein aktuelles, wenngleich kein neues, Aufgabenfeld dar.“ Entsprechende Straftaten würden konsequent verfolgt. Kubicki empört über „massenhaftes Erschleichen der deutschen Staatsbürgerschaft“FDP-Politiker Wolfgang Kubicki forderte die Koalition in einer ersten Reaktion zum Handeln auf: „Der in dieser Recherche erkennbare Umfang des massenhaften, rechtswidrigen Erschleichens der deutschen Staatsbürgerschaft stellt einen handfesten Skandal dar“, schrieb er auf X. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sämtliche ihr vorliegenden Erkenntnisse offenlegt – insbesondere, ob sie von den im Raum stehenden Vorwürfen Kenntnis hat, welchen Umfang diese haben und welche Maßnahmen sie zur Aufklärung und Unterbindung dieses Missbrauchs zu ergreifen gedenkt“, so der ehemalige Bundestagsvizepräsident. krott/ll
Gefälschte Sprachtests – CDU fordert Passentzug für Einbürgerungsbetrüger - WELT
Einem Medienbericht zufolge kursieren bundesweit Tausende gefälschte Sprachzertifikate, mit denen sich der Weg zur Einbürgerung erkaufen lässt. CDU-Politiker Alexander Throm fordert bei Verdacht eine nachträgliche Überprüfung.






