Die Inszenierung war perfekt und allem Anschein nach lange geplant: Angeblich hatte ein unbekannter Täter am frühen Morgen des 25. Oktober vergangenen Jahres die Filiale einer Genossenschaftsbank in Obermenzing ausgeraubt, nachdem er zuvor eine Bankangestellte dazu gezwungen hatte, ihm das im Tresorraum befindliche Geld zu geben. Alles in allem fast 460 000 Euro.Der Täter, so berichtete es die Bankangestellte Maria P. den alarmierten Einsatzkräften der Polizei, sei danach geflohen. Sie selbst habe daraufhin Alarm ausgelöst. Ein Großaufgebot der Polizei mit mehr als 80 Beamten kam zum Einsatz. Zwei Personen, auf die die Beschreibung des Täters von Maria P. zutraf, wurden festgenommen. Doch keiner der beiden hatte etwas mit dem Überfall zu tun, wie sich zeigte.Nach einer Weile bekamen die Ermittler Zweifel an der Darstellung von Maria P. Die Aussagen der 23-Jährigen erschienen ihnen widersprüchlich. Zwei Wochen nach dem vermeintlichen Überfall nahmen sie die Bankangestellte vorläufig fest. Denn wie sich herausstellte, steckte Maria P. mit dem nach wie vor unbekannten Täter unter einer Decke.An diesem Mittwoch verurteilte die 1. Jugendkammer am Landgericht München I die 23-Jährige wegen Diebstahls in Tateinheit mit Vortäuschen einer Straftat sowie wegen Missbrauchs von Notrufen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Gericht wandte Erwachsenenstrafrecht an.Bei dem früheren Freund von Maria P., Mahmud M., der mit auf der Anklagebank saß, ging das Gericht von Reifeverzögerungen aus. Es verurteilte den 20-Jährigen nach Jugendstrafrecht wegen Begünstigung und Geldwäsche zu einem vierwöchigen Dauerarrest.Nach der vorläufigen Festnahme von Maria P. hatten Fahnder Mahmud M.s Wohnung durchsucht und dort rund 65 000 Euro sichergestellt. Bei dem Betrag handelte es sich um den Anteil, den Maria P. aus der Beute von dem Unbekannten nach der Tat erhalten hatte. Ursprünglich sollen es allerdings sogar 100 000 Euro gewesen sein.Wie der Vorsitzende der 1. Jugendkammer, Richter Michael Schönauer, bei der Urteilsbegründung sagte, habe Mahmud M. es durchaus für möglich gehalten, dass das bei ihm deponierte Geld aus der Tat in Obermenzing stammt. Maria P. hatte bereits zum Prozessauftakt Ende August ein Geständnis abgelegt.Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer sechs Jahre Haft für die ehemalige Bankangestellte. Die Angeklagte habe die Tat aus Geldgier begangen und um sich ein Leben auf großem Fuß zu ermöglichen, so die Staatsanwältin.Maria P.s Verteidiger Santosh Gupta verwies bei seinem Schlussvortrag darauf, dass seine Mandantin „nicht die Erfinderin“ der Tat sei. Sie sei vielmehr „von außen“ angeleitet worden. Um wen es sich bei dem unbekannten Mittäter handelt, hat die 23-Jährige aus Angst nicht gesagt.
Arrangierter Banküberfall in München-Obermenzing: Haftstrafe für Angestellte
Eine Bankangestellte täuscht einen Überfall auf die Bank vor, in der sie arbeitete. Nun muss die 23-Jährige für dreieinhalb Jahre in Haft.








