PfadnavigationHomekmpktArtikeltyp:MeinungSternzeichen und DatingDie seltsame Astro-Obsession der Generation ZVeröffentlicht am 24.09.2025Lesedauer: 4 MinutenDas Glück liegt in den Sternen – glauben zumindest Singles, die nach Sternzeichen swipenQuelle: Getty Images/Tatiana MaksimovaJunge Menschen wählen potenzielle Partner oft nach einem simplen Kriterium aus: dem Sternzeichen. Was vermeintlich nicht zusammenpasst, fliegt raus. Unsere Autorin hat sich auf die Suche nach Erklärungen gemacht.Mit dem Dating auf Tinder, Hinge oder Bumble ist das ja so eine Sache. Die Auswahl ist schier unendlich – wie soll Mann oder Frau sich da entscheiden? Insbesondere die Singles der Generation Z, also diejenigen, die zwischen 1995 und 2007 geboren wurden, ziehen beim Swipen daher ein ganz besonderes Kriterium heran: das Sternzeichen.Immerhin lassen sich laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OnePoll im Auftrag von Tinder unter 4.000 18- bis 30-Jährigen aus den USA, Großbritannien, Kanada und Australien rund 40 Prozent aller Befragten bei ihrer Partnerwahl von astrologischen Vorhersagen beeinflussen. Und auch in meinem eigenen Freundeskreis steigt die Zahl der Singles, die im Dating-Dschungel entscheiden, ob ein Match eine weitere Zukunft hat, je nachdem, wie kompatibel die jeweiligen Sternzeichen sind. Ein Krebs und Wassermann in einer Beziehung? Geht gar nicht. Ich, im Widder geboren, bin zwar seit über zwölf Jahren mit einem Wassermann zusammen und inzwischen sogar verheiratet – eine laut Astro-Experten hervorragende Liebeskombination. Dennoch empfinde ich es jedes Mal als komisch, wenn mir jemand mitteilt, er oder sie, lege sein Liebesglück in die Hände der Sterne. Schränkt man sich da nicht von vornherein zu sehr ein und verpasst womöglich den sprichwörtlichen Topf zum Deckel? Wenn ich die Sache jedoch genauer betrachte, kommt es nicht aus Heiterem Himmel, dass die Astrologie als Dating-Faktor an Bedeutung gewinnt. Daten nach Sternzeichen: Warum sind manche Sternzeichen überhaupt beliebter als andere? Einige Sternzeichen sind beim Dating deutlich attraktiver als andere. Das geht zumindest aus der jährlichen „Year in Swipe“-Nutzer-Auswertung der weltweit meistgenutzten Dating-App Tinder hervor. 2024 waren bei den Männern etwa Frauen, die im Tierkreis-Sternzeichen Zwilling, Stier oder Jungfrau geboren wurden, besonders anziehend und kassierten die meisten Matches. Bei den Frauen hingegen hatten vor allem Jungfrau, Löwe oder Zwilling die Nase vorn. Am unbeliebtesten waren bei beiden Geschlechtern jedoch Steinböcke – und das, obwohl in Astrologie-Kreisen sonst der Skorpion als „Red Flag“, also Warnsignal schlechthin gilt. Sie würden zum Dramatisieren neigen und Probleme magisch anziehen. Lesen Sie auchDennoch landet der Skorpion in der Dating-Gunst im soliden Mittelfeld. Womöglich, weil er im Vergleich zum öden Steinbock wesentlich spannender erscheint. Menschen, die im Sternzeichen Steinbock geboren sind, gelten gemeinhin als loyal, sehr rational und ordnungsbewusst. Klingt etwas langweilig – aber auf der anderen Seite auch nach einer ziemlich sicheren Bank, wenn man nach einer festen Beziehung sucht. Manchmal führt sich das sogenannte Astro-Dating selbst ad absurdum. Ganz besonders, wenn man sich vor Augen führt, dass Astrologie ja keine wirkliche Wissenschaft ist, sondern, gemein ausgedrückt, ausgedachter Humbug ist. Gleichwohl scheint das Regelwerk der Astrologie für viele junge Erwachsene ein valider Ratgeber zu sein. Vielleicht ist dieses esoterische Kriterium ein verzweifelter Versuch, wenigstens in einem Lebensbereich selbst bestimmen und festen Mustern folgen zu können. Zudem scheint das Schwarz-weiß-Denken der Sternzeichen-Logik vermeintlich klare Antworten auf komplizierte Lebensfragen wie die Partnerwahl zu finden. Zu dieser Einsicht gelangte ich zumindest, nachdem ich auf TikTok einige der mittlerweile mehr als 5,3 Millionen Clips unter dem Hashtag „#astrology“ durchforstet habe. Ihren Anfang nahm die Entwicklung in der Corona-Pandemie 2020. Während das öffentliche Leben stillstand, suchten viele nach Ablenkung – und entdeckten vermeintlich sinnstiftende Beschäftigungen wie die Astrologie. In dieser Zeit erlebte die App Co-Star, die ihren Nutzerinnen und Nutzern täglich Horoskope erstellt, einen regelrechten Hype. Laut der britischen Tageszeitung „The Times“ zählte sie Anfang 2020 rund 7,5 Millionen User, 2023 waren es bereits mehr als 30 Millionen. Damit rückte das Thema für viele erstmals in den Fokus.Die Erfahrungen des Lockdowns sind wohl so einschneidend gewesen, dass bereits damals die festen Pseudo-Regeln der Astrologie eine gewisse Ordnung im Welt-Chaos versprachen – und das hat sich seitdem alles andere als beruhigt. Hinzu kommt: Wer an die Kraft der Sterne glaubt, ist Teil einer Community. Ein Gemeinschaftsgefühl, das vielen nicht nur während des Lockdowns, sondern auch in einer durch und durch digitalisierten Welt fehlt. Aber muss man deswegen sein privates Glück einer Pseudo-Wissenschaft unterwerfen?Zugleich widersprechen diese Kriterien bei der Partnerwahl jeglicher Rationalität. In meinem Freundeskreis gibt es Singles, die bestimmte Sternzeichen kategorisch als Date-Material ausschließen. Wenn ich nachfrage, wieso, dann folgen meistens Sätze wie: „Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht“ – und es werden Stereotype als Argumente aufgezählt.Die könnten aber ehrlicherweise auf so ziemlich jeden zutreffen, egal ob Schütze oder Fische. Der Eindruck drängt sich auf, dass sich die meisten meiner Singlefreunde bloß vor möglichen Liebesenttäuschungen schützen wollen. Ich bin überzeugt: Menschen, die ihre Beziehung tatsächlich von einer Sternenkonstellation abhängig machen, begehen Realitätsflucht. Das ist zwar angesichts der aktuellen Weltlage irgendwie verständlich. Man versperrt sich dadurch womöglich von vornherein schöne Erfahrungen – und vielleicht sogar dem ganz großen Liebesglück.
Dating und Sternzeichen: Die seltsame Astro-Obsession der Generation Z - WELT
Junge Menschen wählen potenzielle Partner oft nach einem simplen Kriterium aus: dem Sternzeichen. Was vermeintlich nicht zusammenpasst, fliegt raus. Unsere Autorin hat sich auf die Suche nach Erklärungen gemacht.






