PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBundeswehr in Hamburg„Es ist eine Verteidigungsübung, die man in der Stadt schon merken wird“Veröffentlicht am 23.09.2025Lesedauer: 4 MinutenHamburgs Innensenator Andy Grote wirbt um Verständnis für die MilitärübungQuelle: Marcus Brandt/dpaHamburgs Innensenator bittet um Verständnis für die Bundeswehrübung „Red Storm Bravo“ – was Anwohner jetzt erwartet und wie die Belastung für die Stadt gering gehalten werden soll. Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer warnt im Hamburger Presseclub vor Putins Plänen.Hamburgs Innensenator Andy Grote hat um Verständnis für die Bundeswehrübung „Red Storm Bravo“ von Donnerstag bis Samstag im Hafen und der Innenstadt geworben. „Es ist keine sehr große Übung, das muss man sagen, aber es ist eine Verteidigungsübung, die man in der Stadt schon merken wird“, sagte der SPD-Politiker. Insofern bitte er die Hamburgerinnen und Hamburger um Verständnis. Die Verkehrsbelastung durch Militärkolonnen werde so gering wie möglich gehalten, indem vor allem nachts gefahren werde. „Aber man wird mit ziemlicher Sicherheit Hubschrauberflüge (...) wahrnehmen.“Für die Übung mit rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, Behörden und Unternehmen wie Airbus und der Hafenlogistiker HHLA wird angenommen, dass wegen Vorkommnissen an den Grenzen der baltischen Staaten zum Beispiel bei einer Bedrohung durch Russland vorsorglich eine große Zahl militärischer Kräfte an die Nato-Ostgrenze verlegt werden muss. Das Szenario sieht vor, dass Truppen samt Ausrüstung und Waffensystemen im Hafen ankommen und von dort auf der Straße oder per Bahn weiter Richtung Osten transportiert werden.Lesen Sie auchWie im Ernstfall findet die Übung laut Bundeswehr vor allem nachts statt. Dann sollen unter anderem Militärkonvois vom Hafen durch die Stadt rollen und zur Absicherung aus der Luft von Hubschraubern begleitet werden. Erschwerend soll ein Massenanfall von Verwundeten und Verletzten simuliert werden. „Sollte Russland beabsichtigen, die Nato zu testen, wird Deutschland zur Drehscheibe für die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebietes“, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kapitän zur See Kurt Leonards, zum Sinn der Übung.Neben dem Landeskommando Hamburg beteiligen sich den Angaben zufolge die Panzerlehrbrigade 9 mit dem Panzergrenadierlehrbataillon 92 aus Munster sowie das Versorgungsbataillon 141 aus Neustadt am Rübenberge. Ebenfalls dabei sind das Transporthubschrauberregiment 10 „Lüneburger Heide“ aus Fassberg sowie Hamburger Dienststellen der Bundeswehr wie die Führungsakademie, das Bundeswehrkrankenhaus und das Feldjägerregiment 1.Breuer: Russland Rüstungsproduktion läuft „auf Hochtouren“Bei einem Auftritt vor dem Hamburger Presseclub zeichnete der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, bereits am Montagabend ein eindringliches Bild der sicherheitspolitischen Lage Europas. „Russland ist im Moment die größte, weil unmittelbare Bedrohung für Frieden und Sicherheit in Europa“, sagte Breuer vor den rund 80 Journalistinnen und Journalisten im Hotel „East“. Die Jahreszahl 2029 stehe für das Jahr, in dem ein großmaßstäblicher Angriff Russlands auf einen NATO-Staat möglich sein könnte – „nach unseren Erkenntnissen, nach den Berechnungen der Analysten“.Russland habe „quasi auf Kriegswirtschaft umgestellt“. Die Rüstungsproduktion laufe „auf Hochtouren“ mit der Bereitstellung von 1500 Kampfpanzern jährlich. Auch bei der Artilleriemunition sei das Ungleichgewicht im Vergleich zu Deutschland und seinen Verbündeten eklatant: „Russland produziert jedes Jahr im Moment 4 Millionen Schuss – wir haben in Europa das 1-Millionen-Ziel nicht erreicht.“Lesen Sie auchBreuer sprach von einer „unmittelbaren Bedrohung“, die sich nicht nur in Zahlen ausdrücke: „Kinder werden in Russlands Schulbüchern auf den Krieg vorbereitet, Häftlinge mit Amnestie an die Front gelockt.“ Bis 2026 sollen die russischen Streitkräfte auf „1,5 Millionen Soldaten“ anwachsen – „eine Verdoppelung der Vorkriegsstärke“. Neue Divisionen würden aufgestellt, „Strukturen gen Westen ausgerichtet“.„Die Absicht kann man lesen, wenn man sich die Schriften von Putin anschaut, wenn man hört, was Medwedew sagt oder auch der Patriarch Kyrill.“ Frieden sei für Putin „ein größeres Risiko als die Fortsetzung des Krieges“. Seine Macht beruhe auf dem Bild eines äußeren Feindes – „so generiert er nationale Unterstützung, so stabilisiert er sein System“.Lesen Sie auchBreuer warnte vor hybriden Angriffen: „Putin testet uns damit.“ Drohnen über Chemieparks, gekappte Unterseekabel, Hackerangriffe auf Krankenhäuser und Flughäfen – „Er legt ein Testbett, um unsere Reaktionen zu testen.“ Auch die geopolitische Verflechtung müsse bedacht werden: „Er bekommt Unterstützung aus der Achse der Autoritären – Xi, Kim und Co lassen grüßen.“„Putin will den Westen und unsere Gesellschaften spalten“, sagte Breuer. „Er ist längst dabei, das Vertrauen in unsere Staaten und staatlichen Einrichtungen zu zerstören.“ Die Gefahr sei real: „Wenn die Menschen aufhören, uns zu glauben und uns zu vertrauen, werden wir die Konfrontationen mit den totalitären Regimes verlieren.“Mit Blick auf die bevorstehende Bundeswehr-Übung „Red Storm Bravo“ betonte Breuer: „Wir müssen erklären, warum wir mehr Material brauchen, warum wir den neuen Wehrdienst brauchen und warum wir auch mehr üben müssen – zum Beispiel hier bei der Übung Red Storm Bravo.“lno/jlau
Bundeswehr in Hamburg: „Es ist eine Verteidigungsübung, die man in der Stadt schon merken wird“ - WELT
Hamburgs Innensenator bittet um Verständnis für die Bundeswehrübung „Red Storm Bravo“ – was Anwohner jetzt erwartet und wie die Belastung für die Stadt gering gehalten werden soll. Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer warnt im Hamburger Presseclub vor Putins Plänen.







