Vor wenigen Tagen war im Deutschlandfunk wieder vom „Geist von Würzburg“ die Rede, für Menschen mit mainfränkischem Wurzelwerk ist das immer noch ein Anlass für Kurzzucken. Geht’s da jetzt wieder um Alkohol? Werden nun abermals die alten Klischees über eine Domstadt mit Blick in die Weinberge wiedergekäut, das unvermeidliche „Weinfass an der Autobahn“ oder – schlimmer noch – die „Provinz auf Weltniveau“?
Würzburg wurden schlimme Etiketten angehängt in den vergangenen Jahrzehnten. Und mitunter waren die Würzburger daran alles andere als unbeteiligt.
Das Wort vom „Weinfass an der Autobahn“ etwa hat man in den Siebzigerjahren mal selbst für eine richtig gute Idee gehalten. Bis es sich verselbständigte, nicht eben zum Besten der Stadt. Und noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ allen Ernstes als besonders gelungen prämiert.
Gemeint war damit vermutlich die Andeutung, dass da eine überschaubar große Kommune mit weltweit bewunderten Dingen aufwarten kann, Tiepolos Residenz-Fresko etwa. Hängen geblieben freilich ist, nun ja: etwas komplett anderes.
Würzburg, in der Außenwahrnehmung war das die Stadt mit dem in bürgerliche Grüppchen zersplitterten Stadtrat. Eine Stadt mit lauter Ex-Oberbürgermeistern, die eben dort – im Stadtrat – unbeirrt mitmischten. Und eine Stadt, deren kulinarischer Exportschlager, der Frankenwein, notorisch mit einem (ebenfalls selbst gemachten) Akzeptanzproblem zu kämpfen hatte.






