Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch hat vor wenigen Tagen eine Uhr auf den Markt gebracht, auf deren Ziffernblatt die Drei und die Neun vertauscht sind. Nun sind Zahlendreher ohnehin schon ungewöhnlich für die gründlichen Schweizer, erst recht bei Uhren, doch dass das nun auch noch bei der Drei und der Neun passiert, gleicht einem Skandal. Denn um neun Uhr morgens wird in der Schweiz traditionell die Arbeit kurz zum „Znüni“ (um neun) für eine Art zweites Frühstück unterbrochen.Der Grund für diesen Bruch mit gleich mehreren bislang für unerschütterlich gehaltenen Gewissheiten liegt wie bei so vielen Merkwürdigkeiten dieser Tage im Weißen Haus in Washington. Bekanntlich hat Donald Trump Anfang August gegen das Exportland Schweiz Zölle von 39 Prozent für Einfuhren in die USA verhängt, eine vertauschte Drei und Neun als Memento für die Ungeheuerlichkeit aus Amerika. Im Vergleich zu den Deutschen waren viele Schweizer dem US-Präsidenten bislang noch eher wohlgesinnt. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Eidgenossen stellen immer lauter die Frage, ob der amerikanische Präsident eigentlich noch richtig tickt.US-Handelsminister Howard Lutnick soll zuletzt zwar angedeutet haben, dass ein „Deal“ zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten doch noch möglich wäre. Wann der aber kommt und wie er dann aussehen könnte, ist völlig unklar.Immerhin besser als 93 ProzentDerweil nehmen die ersten Unternehmen die Angelegenheit selbst in die Hand, verhandeln mit ihren amerikanischen Kunden, prüfen Verlegungen der Produktion in die Europäische Union, wo statt 39 nur 15 Prozent Zoll für Ausfuhren in die USA gelten. Oder sie versuchen das Beste aus dem Problem zu machen, indem sie es vermarkten. Wie Swatch mit der Zolluhr. Wobei man die auch als eigene, öffentlichkeitswirksame Intervention der Schweiz in eigener Sache verstehen kann.Die nur in ausgewählten Swatch-Läden in der Schweiz erhältliche Uhr ist viereckig, sie hat also – wohl nicht ohne Hintergedanken – Ecken und Kanten. Swatch-Chef Nick Hayek hat mehrmals öffentlich die Schweizer Regierung für ihre Verhandlungen mit Trump kritisiert. Er würde sich da offenbar auch mehr Ecken und Kanten wünschen. In der Neuen Zürcher Zeitung sagte er kürzlich, er habe sein Land noch nie so defensiv erlebt. „Die ganze Welt hat gesehen, dass die Schweiz in Panik geraten ist.“ Er fordert mehr Härte gegenüber Trump, denn so könne man ihm Respekt abringen. Zum Beispiel mit einem Exportzoll auf Goldbarren aus der Schweiz. Der englische Slogan zur Uhr ist wohl auch an die USA gerichtet: „Hopefully, just a limited Edition“. Hoffentlich nur eine limitierte Auflage. Wenn die Zölle fallen, soll die Uhr tatsächlich auch aus dem Handel genommen werden.Die Idee mit einer Zolluhr hatte übrigens bereits im August der Genfer Luxusuhrenhersteller Raymond Weil. Bei diesem auf 39 Stück limitierten Modell zeigt ein roter Kreis auf dem Ziffernblatt verschiedene Zollsätze an. Und Donald Trump? Der hat, wie es der Zufall so will, erst im vergangenen Jahr eine eigene Uhrenkollektion gestartet. Auch die könnten bald noch deutlich teurer werden. Hergestellt werden die Uhren nämlich in der Schweiz.
Warum Swatch eine Uhr mit vertauschten Ziffern verkauft
Seitdem Trump gegen die Schweiz Zölle von 39 Prozent verhängt hat, sucht das Land nach einer Möglichkeit, auf den US-Präsidenten einzuwirken.








