PfadnavigationHomeGeschichteArtikeltyp:MeinungUmbenennung des HistorikertagsEine unnötige KapitulationVeröffentlicht am 24.09.2025Lesedauer: 3 MinutenDer 55. Deutsche Historikertag an der Universität Bonn war der letzte, der den traditionsreichen Titel allein trug – ein Fehler, meint Sven Felix KellerhoffQuelle: Bonn.digital/picture alliance; Martin U. K. Lengemann/WELTKünftig heißt der Historikertag „Tag der Geschichtswissenschaft“. Die Gesinnungsethiker triumphieren und sind dennoch nicht zufrieden, denn in Klammern wird es bis auf Weiteres schamhaft heißen: „xx. Historikertag“Sich selbst ins Knie zu schießen, ist rein physisch nicht besonders schwer – aber ziemlich dämlich. Genau das hat der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) am letzten Tag seines alle zwei Jahre stattfinden Kongresses diesmal in Bonn getan: Deutlich weniger als ein Zehntel der Mitglieder beschlossen auf der abschließenden Mitgliederversammlung, der Historikertag solle ab 2027 den Namen „Tag der Geschichtswissenschaft“ tragen – immerhin, soviel Traditionsbewusstsein gab es noch, mit dem eingeklammerten Zusatz „xx. Historikertag“. Das seit Jahren stets teilnehmerstärkste geisteswissenschaftliche Treffen Europas reiht sich also freiwillig ein in die endlose Abfolge von bedeutungslosen „Tagen der ,Irgendwas‘“. Ab der 56. Ausgabe in Heidelberg 2027 steht der Historikertag auf derselben Stufe wie etwa der „Tag des Butterscotch-Puddings“ (19. September), der „Tag des Friedhofs in Deutschland“ (21. September) oder der „Tag des Deutschen Butterbrotes“ (25. September). Herzlichen Glückwunsch. Lesen Sie auchDabei ist die jetzt beschlossene Änderung noch nicht einmal der sprichwörtliche „Worst Case“, sondern der mildere von zwei in der Mitgliederversammlung zur Abstimmung gestellten Anträgen auf Umbenennung. Der weitergehende, eingebracht von zwei Professorinnen der Christian-Albrechts-Universität Kiel, wollte den traditionellen Namen ganz wegfallen lassen – weil es sich bei „Historikertag“ um eine „männliche Bezeichnung“ handele, die „viele Mitglieder des VHHD als unzeitgemäß und diskriminierend“ wahrnähmen. Der vom Vorstand des Verbandes (der sich übrigens nicht „VHHD“ abkürzt, sondern VHD) eingebrachte Vorschlag „Tag der Geschichtswissenschaft (xx. Historikertag)“ sei „keine echte Wahl, denn der problematische Begriff bleibt erhalten“. Wie immer bei rein gesinnungsethisch getriebenen Vorschlägen interessierten die Verfechter des weitergehenden Antrages die Folgen ihres Handels nicht die Spur. Wenn durch die Aufgabe des traditionsreichen Namens der Titelschutz für „Historikertag“ wegfiele, wäre es für die AfD oder noch extremere Gruppen sicher ein Fest gewesen, einen „Nationalen Historikertag“ einzuberufen, auf dem die Gaulands, Höckes, Krahs und Weidels oder die Elsässers und Kubitscheks ihre kruden Geschichtsfälschungen verbreiten würden. Lesen Sie auchSo einem Missbrauch will der nun aus dem Amt geschiedene VHD-Vorstand mit der Zusatz „xx. Historikertag“ einen Riegel vorgeschoben haben. Allerdings um den Preis eines gewiss nicht ganz billigen juristischen Gutachtens und absehbaren Unwillens bei Interessierten außerhalb der akademischen Blase. Es ist eine unnötige Kapitulation vor dem woken Zeitgeist.Lesen Sie auchDie Gesinnungsethiker (jeder Historiker sollte bekanntlich Max Weber kennen) sahen im möglichen Missbrauch hingegen gar kein Problem: Weil man künftig keinen „Historikertag“ mehr brauche, sei es auch gleichgültig, wer sich diesen Namen aneignen würde. Schließlich starte der VHD in eine „queer- und gendergerechte Zukunft“ – da sei es besser, rückwärtsgewandte Geschichtsbilder abzustreifen.Diese maximale Dummheit immerhin vermied die Mitgliederversammlung durch Verfehlen der für die Satzungsänderung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Anwesenden. Stattdessen kommt also der „Tag der Geschichtswissenschaft (xx. Historikertag)“. Immerhin: Die von Zynikern im Vorfeld scherzhaft vorgeschlagene Alternative „Tag der Historisierenden“ stand nicht zur Abstimmung. Wer weiß, was dann geschehen wäre.Sven Felix Kellerhoff ist seit 2003 Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Er berichtet schon fast drei Jahrzehnte von den deutschen Historikertagen, seit München 1996. Verpasst hat er nur zwei der Kongresse.
Umbenennung des Historikertags: Eine unnötige Kapitulation - WELT
Künftig heißt der Historikertag „Tag der Geschichtswissenschaft“. Die Gesinnungsethiker triumphieren und sind dennoch nicht zufrieden, denn in Klammern wird es bis auf Weiteres schamhaft heißen: „xx. Historikertag“









