Jens Castrop versuchte erst gar nicht zu leugnen, dass seiner Mannschaft die Ablösung des vormaligen Trainers Gerardo Seoane gutgetan hatte. Er sei zwar „auch vorher motiviert gewesen“, sagte der Mönchengladbacher Offensivspieler, seine grundsätzliche Arbeitsbereitschaft betonend. Ansonsten aber zählte er lauter Merkmale auf, die von Befreiung kündeten: „Mehr Energie“ sei entstanden, „mehr Spaß im Training“, mehr Bereitschaft, sich dem Chef von der besten Seite zu zeigen. „So ein Spiel mit einem neuen Trainer kann die Wende sein“, meinte Castrop, 22, nach dem Gladbacher 1:1 am Sonntagabend bei Bayer Leverkusen.

Beinahe wäre Eugen Polanski, 39, nach seinem Bundesliga-Debüt allerdings genauso erfolglos nach Hause gefahren wie zuletzt jedes Mal sein entlassener Vorgänger Seoane. 0:1 lagen die Borussen bei Anbruch der Nachspielzeit hinten, wieder hatten sie kein Tor geschossen, und Bayer musste sich nicht unbedingt überanstrengen, um den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Bis sich einer von Polanskis Schachzügen entscheidend bewährte: Ein paar Minuten vor Schluss hatte er den 19-jährigen Rechtsaußen Charlie Herrmann eingewechselt, einen weiteren Bundesliga-Anfänger, der bisher in Polanskis Regionalliga-Team gespielt hatte. „Charlie“ sei nun mal schneller als sein Gegenspieler, Bayer-Kapitän Alejandro Grimaldo, teilte der neue Borussen-Trainer später seine Überlegung mit. Zunächst ging der Kniff allerdings nur teilweise auf: Der eifrige Herrmann war zwar tatsächlich schneller als Grimaldo, öfter aber auch schneller als der Ball, der ihm dann prompt abhandenkam. Erst als er gegen Grimaldo einen späten Eckstoß erwirtschaftete, begann die Erfolgsgeschichte.