PfadnavigationHomePolitikDeutschlandEstnischer Luftraum verletzt„Zwei tote russische Piloten würden Putin nicht umstimmen“ – Grüne sehen Abschuss von Jets kritischVeröffentlicht am 23.09.2025Lesedauer: 4 MinutenRussland hat erneut mit Luftraumverletzungen an der Nato-Ostflanke provoziert. Sicherheitsexperte Nico Lange beklagt die schwache Reaktion der Nato: „Wir schaffen keine Klarheit, während Putin Grauzonen produziert – das ist extrem gefährlich“Bei russischen Luftraumverletzungen fordert der außenpolitische Sprecher der Union eine harte Antwort – bis hin zum Abschuss von Flugzeugen. Die Grünen äußern sich zurückhaltender. Verteidigungspolitikerin Strack-Zimmermann (FDP) rechnet mit weiteren Provokationen aus Putins „Giftküche“.Nach diversen Verletzungen des Luftraums von Nato-Staaten durch Russland hat sich die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sara Nanni, zurückhaltend zum Vorschlag aus Reihen der Union, russische Flugzeuge im Nato-Luftraum abzuschießen, geäußert. „Russland provoziert und testet das Bündnis auf seine militärische Klugheit und politische Handlungsfähigkeit. Darauf nun militärisch zu antworten, ist wenig effektiv und dürfte gefährliche Dynamiken begünstigen“, sagte Nanni dem „Tagesspiegel“: „Man muss auch wissen: Zwei tote russische Piloten würden Putin nicht umstimmen, er lässt ja jede Woche Tausende Russen in der Ukraine für seinen Wahnsinn sterben.“Gefragt sei „eine rasche Umsetzung politischer Maßnahmen, die auch wehtun“, sagte Nanni. Sie verlangte, „endlich keine neuen Schengen-Visa für Russen“ auszustellen. Auch die „Liquidierung der russischen Vermögenswerte“ sei dringlich. „Wir müssen nun schnell denjenigen weiter zusetzen, die in Russland das System Putin politisch und wirtschaftlich am Laufen halten“, sagte sie.„Ein Abschießen wäre die Ultima Ratio“, sagt Strack-ZimmermannAuch die Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament, Agnes Strack-Zimmermann (FDP), äußerte sich zurückhaltend zu einem Abschluss russischer Flugzeuge. „Die Aufgabe unserer Luftwaffe ist es, das Eindringen feindlicher Flugzeuge in unseren Luftraum zu verhindern und diese Flugzeuge entsprechend abzudrängen“, sagte Strack-Zimmermann dem „Tagesspiegel“. „Ein Abschießen wäre die Ultima Ratio. Unsere Luftwaffe wird wissen, wann sie was zu tun hat.“Strack-Zimmermann rechnet mit weiteren Provokationen Moskaus. Russlands Präsident Wladimir Putin „wird jetzt seine Giftküche öffnen und alles rausholen, was er zu bieten hat, um unsere Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen“, sagte sie. „Wir sollten uns nicht provozieren lassen und schnellstmöglich die Bundeswehr so ausstatten, dass sie ihrer Aufgabe in der Nato auch 100 Prozent nachkommen kann.“Diplomatie allein nehme Russland nicht ernst, so KiesewetterDer außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, hatte gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND) für ein „klares Stoppschild“ gegenüber dem Kreml plädiert. Wirkung werde nur die „klare Botschaft an Russland“ zeigen, „dass jede militärische Grenzverletzung mit militärischen Mitteln beantwortet wird“, so Hardt, „bis hin zum Abschuss russischer Kampfjets über Nato-Gebiet.“Der CDU-Politiker betonte: „Diese Provokationen und Tests Russlands werden nur enden, wenn wir sämtliche militärischen Grenzverletzungen klar beantworten.“ Dann bekomme der Kreml seine Antwort auf die Frage, wie ihn die Europäer gehen lassen. „Die Alternative wäre, dass die russische Kriegslogik immer weiter zündelt“, warnte Hardt. „Jetzt sind es Luftraumverletzungen, bald der Beschuss einzelner Ziele, dann kommen russische Soldaten.“Ähnlich äußerte sich dessen Parteifreund und Außenexperte Roderich Kiesewetter. „Nato und EU sollten sich ein Beispiel an der Türkei 2015 nehmen. Nach dem von der Türkei angekündigten Abschuss russischer Kampfflugzeuge bei erneuter Luftraumverletzung testete Russland dies erneut und die Türkei schoss konsequent ab“, sagte Kiesewetter dem „Tagesspiegel“. „Wir verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn nicht konsequent gehandelt wird“, so Kiesewetter weiter. „Russland testet uns immer weiter aus, bis wir vor vollendete Tatsachen kriegerischer Eskalationen gestellt werden.“ Dem gelte es mit Stärke vorzubeugen, Diplomatie allein nehme Russland nicht ernst. „Das müssen die Verantwortlichen in Europas Hauptstädten endlich begreifen, vor allem Berlin“, betonte Kiesewetter.Lesen Sie auchDie SPD-Fraktionsvize und Verteidigungsexpertin Siemtje Möller rief die Nato auf, bei ihren Konsultationen über den Ausbau ihrer Luftüberwachung an der Ostflanke zu beraten. „Unsere Verteidigungsmechanismen im Bündnis greifen“, sagte Möller dem RND. Das hätten die Fälle gezeigt. „Ob es – wie bereits nach den Ereignissen in Polen – zu einer weiteren Stärkung des ‚Air Policing‘ im Baltikum kommt, sollte die Nato nun beraten und entscheiden.“ Sie erwarte eine entschlossene und zugleich besonnene Reaktion der Nato, sagte die frühere Verteidigungsstaatssekretärin dem RND.Linkspartei verurteilt „militärische Eskalationspolitik Russlands“Währenddessen bewertete die Linksfraktion im Bundestag die Reaktion der Nato auf das russische Eindringen in ihren Luftraum als „angemessen“. „Die Linke verurteilt die militärische Eskalationspolitik Russlands gegenüber Estland und Polen in aller Deutlichkeit“, sagte ihr verteidigungspolitischer Sprecher Ulrich Thoden dem RND. „Putin verschärft auf unverantwortliche Weise die ohnehin angespannte Sicherheitslage zusätzlich und riskiert eine direkte militärische Konfrontation mit der Nato“, so Thoden. „Die Nato hat auf die Verletzungen des völkerrechtlichen Luftraums ihrer Bündnismitglieder angemessen reagiert.“Um das Risiko eines eskalierenden Militärkonflikts zu verringern, müssten die wiederholten Luftraumverletzungen durch Russland neben den geplanten Nato-Konsultationen auch vor den Vereinten Nationen thematisiert werden: „Die aggressive Eskalationspolitik Russlands entwickelt sich immer mehr zu einer Gefahr für den Weltfrieden“, sagte der Linken-Politiker. „Es braucht einen unabhängigen Untersuchungsmechanismus der Vereinten Nationen zur lückenlosen Aufklärung der wiederholten Sicherheitsvorfälle, um den Verursacher und die Verantwortung durch eine neutrale Instanz für die internationale Öffentlichkeit unmissverständlich zu belegen.“ Dafür müsse sich die Bundesregierung jetzt einsetzen.ceb