PfadnavigationHomeRegionalesHamburgTeures WartenNeuer Übergabetermin für das „Haus der Erde“ an die Universität Hamburg stehtVeröffentlicht am 17.09.2025Lesedauer: 4 MinutenDas „Haus der Erde“ steht schon lange, aber bezogen werden kann es wegen Problemen beim Innenausbau nichtQuelle: Bertold Fabricius/WELTDie Stadt nennt erstmals wieder einen Fertigstellungstermin für das „Haus der Erde“. Der Prestigebau für die Klimaforschung der Uni Hamburg ist um Jahre verzögert. Ein Gutachten zum Wasserschaden liegt vor, die Stadt hat 60 Millionen Euro für Mehrkosten zurückgestellt.Nach Jahren der Verzögerungen und explodierenden Kosten gibt es erstmals wieder eine klare Perspektive für das „Haus der Erde“ am Universitätscampus Bundesstraße. Im Sommer 2026 soll der Bau an die Universität Hamburg übergeben werden. Das hat die Finanzbehörde gegenüber WELT mitgeteilt. Büros und Seminarräume können dann bezogen werden, die technisch anspruchsvolleren Labore – es sind rund 300 – folgen schrittweise ab dem Wintersemester 2026/27. Damit endet ein Bauprozess, der ursprünglich 2016 abgeschlossen sein sollte – und der längst als Beispiel für die Risiken öffentlicher Großprojekte gilt.Auslöser der jüngsten Verzögerung war ein Wasserschaden im Frühjahr 2024. Betroffen waren zentrale Technikbereiche im Untergeschoss, darunter Sprinkleranlage, Sanitärzentrale und Kälteerzeugung. Nun liegt das Gutachten vor: Es bestätigt, dass mehrere Ursachen zum Wassereintritt führten. Welche Firmen dafür verantwortlich sind, wird derzeit juristisch bewertet. Lesen Sie auchDie städtische Gesellschaft GMH (Gebäudemanagement Hamburg), die den Bau verantwortet, hat im Jahresabschluss 2024 rund 60 Millionen Euro zurückgestellt, um Mehrkosten aus dem Schaden abzufedern. Ob das reicht und in welchem Umfang Versicherungen oder Regressforderungen diese oder zustzlich anfallende Summen übernehmen, ist offen. Die Schäden selbst sind behoben, ein weiteres Eindringen von Wasser gilt als ausgeschlossen. Doch in einigen Bereichen musste der Ausbau gestoppt werden, bis ein Sanierungskonzept umgesetzt ist. Für die betriebsrelevanten Technikzentralen läuft der Ausbau inzwischen wieder unter Hochdruck.Als die Planungen 2011 begannen, war die Idee bestechend: ein Forschungsbau für Klimaforschung und Geowissenschaften, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern modernste Bedingungen bietet. 2013 lag die Entwurfsplanung vor, 2015 begannen die Bauarbeiten. Die Fertigstellung war für 2016 vorgesehen. Lesen Sie auchDoch schon in der frühen Phase wurden Fehler gemacht, die sich später rächten. So verzichtete man auf eine klare Trennung von Büro- und Laborbereichen – eine Entscheidung, die die Gebäudetechnik erheblich komplexer machte. 2017 traten erste gravierende Probleme auf. Firmen, die für die technische Gebäudeausrüstung zuständig waren, erklärten die Pläne für nicht umsetzbar. Es folgten monatelange Verzögerungen, Kündigungen und schließlich ein Rechtsstreit, der bis vor den Bundesgerichtshof ging. Die Stadt bekam Recht, die gekündigte Firma muss Schadensersatz leisten. Doch der Zeitverlust war enorm.2019 deckte ein neu beauftragtes Unternehmen weitere Mängel auf: Notstromkapazitäten fehlten, Sprinkleranlagen entsprachen nicht den Vorschriften, Gasleitungen waren unzureichend gesichert. Die geplante Lüftungs- und Kälteanlage war zu klein und zu schwer für das Dach. Die Lösung: eine zusätzliche unterirdische Technikzentrale – ein massiver Eingriff in ein Gebäude, dessen Rohbau längst stand. Die Folge war eine Kostenexplosion. Aus ursprünglich 177 Millionen Euro wurden 2020 bereits 303 Millionen. Im Januar 2024 lag die Prognose bei 373 Millionen Euro. Gründe waren nicht nur Planungsfehler, sondern auch externe Faktoren: Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Materialknappheit und Preissteigerungen. Der Übergabetermin verschob sich mehrfach – zuletzt auf Anfang 2025. Dann kam der Wasserschaden.Lesen Sie auchDer Schaden betraf rund 1900 Quadratmeter Bodenfläche, darunter Bereiche für die Fischereiforschung, die besonders tragfähige Böden benötigen. Der gesamte Bodenaufbau musste entfernt werden, Bakterienbefall wurde festgestellt. Weil es nur einen Lastenaufzug gibt, mussten tonnenschwere Bodenteile in Einzelstücken aus dem zweiten Untergeschoss geholt werden. Ein zunächst verdächtigter Sprinklertank war nicht die Ursache. Die Gutachter sprechen nun von mehreren Auslösern, die zusammenwirkten.Für die Universität Hamburg ist die Fertigstellung des „Haus der Erde“ ein Meilenstein. Hier sollen der Fachbereich Erdsystemwissenschaften, das Institut für Marine Ökosystem- und Fischereiwissenschaften sowie der Earth and Society Research Hub einziehen. Auch der Exzellenzcluster CLICCS wird integriert. Zusammen mit dem benachbarten Max-Planck-Institut für Meteorologie und dem Deutschen Klimarechenzentrum entsteht ein international sichtbarer Standort für Klimaforschung. Doch bis alle Labore in Betrieb sind, wird es dauern. Für einige Forschungsprojekte bedeutet das weitere Verzögerungen. Interimslösungen kosten Geld und belasten Budgets. Gleichzeitig wächst der Druck, die Lehren aus diesem Projekt umzusetzen.Finanzsenator Andreas Dressel spricht von einem „langen, schmerzlichen und herausfordernden Bauprozess“. Für die kommenden Jahrzehnte kündigt er an, Wissenschaftsbauten stärker zu standardisieren – ähnlich wie beim Schulbau. „Komplexe Spezialbauten müssen die Ausnahme bleiben“, sagt Dressel. „Beim Haus der Erde haben wir viel Lehrgeld bezahlt.“ Lesen Sie auchAuch Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal betont die Bedeutung des Projekts: „Mit dem Haus der Erde schaffen wir ein neues Zuhause für modernste Klimaforschung und Geowissenschaften – ein weiterer Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Hamburg.“ Doch bis dieser Meilenstein erreicht ist, bleibt die Baustelle ein Symbol dafür, wie ambitionierte Projekte aus dem Ruder laufen können – und wie teuer das wird, wenn Steuerung und Kontrolle nicht früh genug greifen.
Teures Warten: Neuer Übergabetermin für das „Haus der Erde“ an die Universität Hamburg steht - WELT
Die Stadt nennt erstmals wieder einen Fertigstellungstermin für das „Haus der Erde“. Der Prestigebau für die Klimaforschung der Uni Hamburg ist um Jahre verzögert. Ein Gutachten zum Wasserschaden liegt vor, die Stadt hat 60 Millionen Euro für Mehrkosten zurückgestellt.







