Der Hammer spricht mit ihm. Manchmal formuliert Merlin Hummel das genau so, wohl wissend, dass er damit bei den meisten Gesprächspartnern erst mal einen Lacher hervorruft. Aber zu seiner Metallkugel, über sieben Kilogramm schwer, hat der Hammerwerfer eben eine innige Beziehung aufgebaut. Die wertvollste Botschaft, die sie ausgetauscht haben: Hummel muss sich auf sie einlassen und nicht andersherum. Hammerwerfen kann also wie Tanzen sein, sich führen lassen, statt selbst die Richtung vorzugeben. Und als Merlin Hummel, 23 Jahre alt, am Dienstagabend im Nationalstadion in Tokio durch den Ring tanzte, kraftvoll und doch unbeschwert, da wusste er: Der Rhythmus stimmte.

Hummel und der Hammer, sie haben ihre Beziehung in Tokio auf eine neue Stufe gehoben, auf der ganz großen Bühne: Mit neuer Bestleistung ergatterte der Deutsche die Silbermedaille, es ist der größte Erfolg seiner noch jungen Karriere. „Ich habe versucht, einen guten Job zu machen, das hat funktioniert“, sagte Hummel im ZDF. Er hat den Sport in Deutschland wiederbelebt, die letzte WM-Medaille bei den Männern liegt schon 20 Jahre zurück, eine nachträglich zugesprochene Bronzemedaille gab es damals für Markus Esser in Helsinki. Und überhaupt: Seit 2013 hatte es kein Deutscher mehr in ein WM-Finale geschafft. Nun war es also Merlin Hummel, der mit Deutschlandfahne um die Schultern für die Kameras posierte.