PfadnavigationHomeRegionalesHamburgPartnerschaft„Fühlte mich wie nette Beigabe in der Cornflakes-Packung: Schön zu haben, aber auch kein Must-have“Von Britta SchmeisVeröffentlicht am 15.09.2025Lesedauer: 6 MinutenClaudia Herberger arbeitet als BeziehungscoachQuelle: Bertold FabriciusClaudia Herberger schlitterte von einer Beziehung in die nächste, bekam Kinder, doch das große Glück war nie dabei. Heute weiß die Filmproduzentin, warum sie immer wieder scheiterte und schrieb darüber ein Buch. Entscheidend sei, den eigenen Beziehungstyp zu erkennen.Claudia Herberger mag klare Worte – aber sie liebt auch den spielerischen Umgang mit Sprache. Sie spricht dann von „Arschbomben ins Glück“ oder von Menschen mit einer „kapitalen Schacke“, wobei sie sich hier explizit einschließt. Sie wirkt dabei wie eine Frau, die alles souverän und mit einem Lächeln im Griff hat, zupackt, die ganze Welt organisieren will und kann. Das ist ansteckend, aber auch ein wenig einschüchternd. Ihr selbst wurden diese Eigenschaften, wie sie erzählt, einst zum Verhängnis – und führten sie dann zu ihrer Berufung. Neben ihrem Job als erfolgreiche Filmproduzentin für Image- und Werbefilme ist sie seit vielen Jahren als Trennungscoach tätig. Ihr Programm samt tiefer Einblicke in ihr Leben erscheint in der kommenden Woche als Buch. „Wie du eine Trennung überlebst“, heißt es – und es ist alles andere als ein Wutbuch, sondern eben eine Art Anleitung zum Glücklichsein.Lesen Sie auch„Ich war eine Beziehungslegasthenikerin“, erzählt sie im Gespräch mit WELT AM SONNTAG auf einer Hotelterrasse in St. Georg, nachdem sie ihr schlichtes graues E-Bike abgeschlossen hat. Ohrstöpsel raus, Pferdeschwanz gerichtet, sie kommt gerade aus ihrem Büro der Filmproduktionsfirma. Später will sie noch mit ihren beiden jugendlichen Söhnen zum Golfen fahren. „Beziehungen waren für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln, deswegen musste ich mich auch quasi alle fünf Minuten trennen“, erzählt die 53-Jährige. Doch dann ist sie Mitte 30 und verspürt einen massiven Kinderwunsch, ihr damaliger Partner auch. Sie wird schwanger – und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.„Ich wusste einfach nicht, was gut für mich war in einer Beziehung“, sagt sie. Ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse formuliert sie nicht nur nicht, sie kennt sie gar nicht. Viele Jahre später wird sie herausgefunden haben, dass ihr sogenanntes Beziehungsangebot, also die Rolle, in der sie sich wohlfühlt, die der Beschützerin ist und ihre „Liebessprache“ die Hilfsbereitschaft, beides in ihren Beziehungen aber oft nicht passte. „Ich mache alles für alle, finde es aber auch toll, wenn andere etwas für mich machen. Nur habe ich das lange nicht ausgesprochen und auch nicht vermittelt.“ Inzwischen „verliebe“ sie sich in jeden Handwerker, der Maler- oder Sanitärarbeiten bei ihr erledige. Auch wenn sie sie bezahle, sei sie ihnen richtig dankbar für ihre Unterstützung.Lesen Sie auchDoch zwischen dieser Erkenntnis und der Geburt ihres ersten Kindes liegen viele für sie schmerzhafte Jahre. Die Beziehung zu dem Vater ihres Sohnes funktionierte einfach nicht. Das Paar sucht Hilfe bei Therapeuten und Mediatoren, doch hilfreich sind diese Termine nicht. Fünf Jahre nach der Geburt ihres ersten Sohnes ist sie erneut schwanger und erfährt in dieser Zeit, dass ihr Mann sie massiv betrogen hat. „Wir waren einfach beide unglücklich in unserer Beziehung“, sagt sie nun in der Rückschau. Damals tobte sie. Doch das Paar will die Trennung gut über die Bühne bringen. „Der Mann bleibt schließlich der Vater meiner Kinder, aber es war ein knappes Höschen“, sagt sie – wieder so eine Metapher.Als die Beziehung dann tatsächlich mehr oder weniger gut beendet und abgewickelt ist, beginnt Claudia Herberger zu recherchieren nach Antworten auf ihre Frage, warum sie immer wieder in misslingende Beziehungen gerät und wie man es schafft, sich ohne massiven Kollateralschaden zu trennen. Sie stößt auf die kalifornische Beziehungs- und Familientherapeutin Katherine Woodward Thomas. Ihre Methode will sie lernen. Sie zielt nicht wie klassische Paartherapien auf klärende Dialoge ab, sondern auf Selbstermächtigung – und zwar, indem man ausschließlich bei sich selbst schaut. „Raus aus der Opferrolle“ heißt das bei Claudia Herberger.Schön zu haben aber kein Must-haveIn zahlreichen Ausbildungen, Seminaren, durch Bücher und Gespräche erlernt sie nicht nur das Handwerkszeug zum Trennungscoach, sondern vor allem viel über sich selbst. „Ich bin stumpf traumatisiert aus meiner Kindheit“, erzählt sie freimütig. Ihr Vater schwer gezeichnet vom Zweiten Weltkrieg und von der Alkoholsucht, ihre Mutter depressiv, hat sie als Zweitälteste von fünf Geschwistern schnell die Rolle der Beschützerin, die sich kümmert. „Wir allen waren uns eine große Stütze und haben von uns immer als die Fab Five gesprochen, jeder und jede mit einer eigenen Rolle“, erzählt sie. Und diese Rolle behält sie auch später als Erwachsen bei: nicht auffallen, sich kümmern, gute Laune verbreiten, keine Ansprüche stellen – ein Muster, das sie bei vielen Frauen erkennt. „So wie ich mich wie eine nette Beigabe in der Cornflakes-Packung gefühlt habe: Schön zu haben aber auch kein Must-have, fühlen sich viele Frauen in einer Beziehung“, erklärt sie und berichtet von einer jungen Klientin. „Sie hatte das Gefühl mit Kind, Teilzeitjob und Haushalt in der Beziehung unterzugehen, hat das ihrem Partner aber nie kommuniziert.“ Mit Herbergers Hilfe vereinbart sie schließlich mit ihrem Mann einen freien Nachmittag für sich und eine 50:50-Aufteilung der Haus- und Familienarbeit. „Als das geregelt ist, braucht sie plötzlich gar nicht mehr ihren freien Nachmittag, weil ihr auch so ausreichend Zeit für sich bleibt.“ Getrennt hat sich die Frau nicht.Lesen Sie auchEs geht Claudia Herberger nicht um die Schuldfrage, sondern darum herauszufinden, was man selbst braucht, welches Beziehungsangebot man macht und wie authentisch es ist. Und sie ist überzeugt, dass das nicht gemeinsam als kriselndes oder bereits gescheitertes Paar funktioniert. „Man muss den Krempel erst mal getrennt und für sich bearbeiten“, sagt sie. In ihrem Buch gibt sie dafür viele Beispiele und ist auch mit ihrer eigenen Geschichte sehr offen. Schritt für Schritt geht sie dabei vor, wie in ihren Coachings, die mit 1500 Euro für sechs Sitzungen nicht ganz preiswert sind. Sie weiß, dass Trost an erste Stelle steht, das „Auf den Arm genommen werden“. „Erst dann ist man stabil genug, um sich wirklich anzuschauen, was und warum die Beziehung schiefgelaufen ist“, erklärt sie.Die große Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität Dann geht es daran, herauszufinden, was man von der Beziehung erwartet hat und wie viel davon eingetreten ist. Wieso da eine große Diskrepanz entstanden ist. Oft geschieht das mit einem Blick in die Vergangenheit, damit, erlittene Verletzungen zu ergründen: „Die Vergangenheit gibt aber nur Hinweise, mir ist die Gestaltung der Zukunft wichtig.“ Dabei nimmt Herberger nicht für sich in Anspruch, Blaupausen für jede Beziehung anbieten zu können, dass alle Ansätze allein auf ihrem Mist gewachsen sind und schon gar nicht, dass ihre Tests und Fragestellungen in ihrem Buch professionelle Diagnosen liefern, aber eben Hinweise geben. Sie verweist auf andere Therapeuten wie Gary Chapman, der den Begriff der fünf Liebessprachen prägte, oder auch den Mystiker Neville Goddard, der vertrat, dass das eigene Bewusstsein die einzige Realität ist. Sie stellt wissenschaftliche Bezüge zur Glücksforschung her, gibt Lesetipps und liefert Lösungsvorschläge. Herberger versucht, den Menschen einen Weg aufzuzeigen, damit „die Trennung die Rampe für deine Rakete in ein zufriedenes Beziehungsleben wird“.Herberger ist das gelungen, sie entwickelte nach ihrem Neustart eine glückliche Beziehung. Zudem schöpft sie Kraft aus ihrer Arbeit, aus Freundschaften, Sport und Zeit mit ihren Söhnen – zum Beispiel beim Golfen.Claudia Herberger: „Wie Du eine Trennung überlebst“, Verlag GU, 192 Seiten, 18 EuroBritta Schmeis