„Die beeindruckendste Frau, die ich jemals kennengelernt habe“, nannte Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident Armin Laschet sie einmal. Mevlüde Genç verlor bei einem rassistisch motivierten Brandanschlag ihre Töchter Gürsün und Hatice, ihre Enkelinnen Hülya und Saime, erst neun und vier Jahre alt, und ihre Nichte Gülüstan. Trotz ihrer unendlichen Trauer aber wurde Genç zur Versöhnerin: „Begegnet Hass nicht mit Hass“, wurde ihr Credo. Der Brandanschlag von Solingen im Jahr 1993 ist im kollektiven Gedächtnis der Republik fest verankert; doch werden sich auch nachfolgende Generationen erinnern und aus der Haltung von Mevlüde Genç lernen?

Genç ist im Oktober 2022 kurz vor ihrem 80. Geburtstag gestorben, doch in der Stadt gibt es seit Jahren diverse Projekte für ein besseres Miteinander, den Abbau von Vorurteilen und die Demokratieförderung. Dazu gehört auch ein beeindruckendes Büchlein für Kinder ab der vierten Klasse, das die Geschichte einfühlsam aufbereitet. „Mevlüde bleibt!“ haben die drei Religionslehrerinnen Gabriele Bergfeld, Christina Schulz zur Wiesch und Corinna Maßmann erarbeitet. Es ist ein „Buchprojekt gegen das Vergessen“ – und daher nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene geeignet.