Immer wieder ärgerlich, wie man doch daneben liegen kann. Ein Surf-Film über Leon Glatzer, den ersten deutschen Wellenreiter bei Olympia, Tokio 2021? Schön. Sicher tolle Bilder, irre Akrobatik an Traumstränden, lachende Menschen mit viel Wind und Sonne im Gesicht, wie in der Werbung. Nur: Viel Neues wird man wohl nicht erfahren, hat man doch schon zig Mal mit ihm gesprochen, kennt ihn seit Jahren. Ihn kennen? Von wegen! Nach 77 Filmminuten muss man eingestehen, nicht mal den halben Hauch einer Ahnung vom Leben des Leon Glatzer zu haben.
„Beyond Gravity – A surfer's journey of resilience“ – Jenseits der Schwerkraft – heißt das Werk (ab Dienstag auf Red Bull TV), und der Untertitel gibt schon einen Hinweis darauf, dass es um mehr geht als den üblichen Surf-Porn. „Es ist kein Surf-Film, es ist ein Schicksalsfilm“, sagt Katja Glatzer nach der Premiere im Foyer des Royal-Filmpalasts. Sie ist Leons Mutter, und ohne diese Frau mit den langen, blonden Haaren und ohne den venezolanischen Strahlemann Matteo Cossovich wäre dies ein ganz anderer Film geworden. Weil Katja Glatzer im Film von Regisseur Matt Pain die dramatische Familiengeschichte erzählt, zum Reden gebracht von Matteo, einem Freund der Familie und des Regisseurs. „Matt hat mir Fragen gestellt wie ein Computer“, erzählt sie, „da gingen bei mir alle Rollläden runter. Ich hab' ihm gesagt: ‚Mit Matteo könnte es vielleicht gehen.‘“ Und es ging. Katja Glatzer konnte sich öffnen, auch wenn sie im Kinosaal nun erstaunt war: „Ich hätte nicht gedacht, dass unsere Familiengeschichte so viel Raum bekommt.“







