a war er also wieder. Seit FPÖ-Chef Herbert Kickl im Februar den Auftrag zur Regierungsbildung zurückgegeben hatte, war es still um ihn geworden. Zwar hat Kickl auf seinen Social-Media-Kanälen über seine Klettertouren in den Dolomiten informiert oder sich im Wiener Wahlkampf seinen Fans gezeigt. Aber ansonsten bekam man nicht viel von ihm mit. Fast hätte man vergessen, dass um ein Haar jemand österreichischer Regierungschef geworden wäre, der sich selbst als „Volkskanzler“ sieht. Vor allem die konservative ÖVP, die im Januar und Februar mit Kickl über eine Koalition verhandelte, tut alles, um diese Wochen als fernen Albtraum erscheinen zu lassen.
Am Montag aber ließ sich Kickl zu bester Sendezeit vom österreichischen Rundfunk (ORF) interviewen, als letzter Gast der Sommergespräche, vor ihm waren der Bundes- und der Vizekanzler, die Außenministerin sowie die Grünen-Chefin dran gewesen. Anders als in Deutschland ist ein extrem rechter Politiker in einem österreichischen Sommerinterview nicht nur sicher davor, von Demonstranten niedergeschrien zu werden, er bekommt auch freundliche Fragen gestellt („Wie schauen Ihre Lösungen für die Inflation aus?“) und wird kaum unterbrochen.
Kickl tat, was er immer tut: Er nutzte die Fragen als Sprungbrett für seine Agenda. In diesem Fall waren das der Frust über hohe Preise und niedrige Renten, das viele Geld, das angeblich für Entwicklungszusammenarbeit verschleudert wird statt für die eigene Bevölkerung, und natürlich „die woke Regenbogen-Agenda“, die Lieblingsthemen von Populisten eben. Aus dem populistischen Playbook war auch Kickls Art, bei konkreten Punkten auf das vage große Ganze auszuweichen. So antwortete er auf die Frage, ob das Krankenhaussystem hauptsächlich vom Bund oder von den Ländern getragen werden solle, dass man dazu doch das Volk befragen solle.






