35 Kilometer Gehen – das ist die erste Disziplin der diesjährigen Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die am Samstag in Tokio beginnen. Neun Tage Sportfest und eine Neuerung in diesem Jahr: Alle Sportlerinnen müssen per Gentest nachweisen, dass sie biologisch „weiblich“ sind. Nur dann dürfen sie in der Frauenkategorie starten.

Dieses Vorgehen wird heftig kritisiert. Die Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo sagte dem Sport-Informations-Dienst: „Ein einzelner Gentest klingt nach einer klaren Lösung, ist aber wissenschaftlich verkürzt und blendet aus, dass Geschlecht kein einfaches Entweder-oder ist.“ Auch aus Sicht der Wissenschaft ist die Sache mit den Geschlechtern nicht immer eindeutig. Weil jeder Mensch anders sei, könne man eine klare Trennung nicht so einfach machen, sagt Olaf Hiort, er ist Leiter der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie an der Universität Lübeck und Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Geschlechtliche Vielfalt“. Er hält den SRY-Test für „unethisch“.

Den Test, der seit dem ersten September im Leichtathletikverband angewendet wird prüft, ob die Athletinnen das sogenannte SRY-Gen besitzen. SRY steht für sex determining region of Y und befindet sich in der Regel auf dem Y-Chromosom, aber nicht immer. In den meisten Fällen führt ein Y-Chromosom und ein SRY-Gen zu einem männlichen Körperschema.