Frankreichs Premier François Bayrou hat seine Entscheidung zur Vertrauensfrage in der Nationalversammlung verteidigt. Er habe diesen Moment der Wahrheit gewollt, sagte Bayrou zu Beginn der Plenarsitzung. Es sei für ihn keine Option gewesen, wie gewohnt weiterzumachen, bis man am Rande der Klippe stehe.
Bayrou betonte erneut, dass es ihm einzig darum gehe, wie die Abgeordneten die Lage des hoch verschuldeten Landes sehen. Seit 51 Jahren habe es keinen ausgeglichenen Haushalt in Frankreich gegeben. Immer wieder hatte Bayrou in den vergangenen Tagen beteuert, keine Abstimmung über seine konkreten Haushaltspläne mit vorgesehenen Einsparungen von knapp 44 Milliarden Euro zu wollen. Bayrou mahnte, es müsse wegen der Verschuldung ohne Verzögerung gehandelt werden. „Unser Land arbeitet hart, glaubt, immer reicher zu werden, wird aber immer ärmer“, sagte Bayrou. Er wurde immer wieder von Buhrufen aus den Reihen seiner Zuhörer unterbrochen.
Bayrou hatte zuvor angekündigt, die Vertrauensfrage zu stellen, falls seine Mitte-Rechts-Regierung keine Mehrheit für den von ihm vorgeschlagenen Sparhaushalt für das kommende Jahr bekommen sollte. Die Regierung hat im Parlament keine Mehrheit. Bayrou hatte eine Vertrauensabstimmung wohl als Befreiungsschlag vor schwierigen Haushaltsberatungen gesehen. Die versammelte Opposition kündigte aber ohne Zögern an, dem Zentrumspolitiker bei der Abstimmung das Vertrauen zu entziehen. Dazu reicht anders als bei einem Misstrauensvotum eine einfache Mehrheit.













