Einen auf Blau machen, mitten auf der Piazza del Duomo in Mailand, in einem Meer aus roten Fahnen und Zigtausenden in Rot gekleideten Menschen. Diesen Kontrast kann sich nur Ferrari trauen. Das Kontrastprogramm, ausgerechnet beim Heimspiel in der Formel 1 die Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton in Azzurro zu stecken, ist eine Reminiszenz an jenen Gran Premio für die Ewigkeit vor 50 Jahren, als Niki Lauda die Ferraristi mit einem dritten Platz im Großen Preis von Italien erlöste und zum ersten Mal Weltmeister wurde, und die Scuderia zugleich den Konstrukteurstitel erringen konnte. Elf Jahre nervenzehrendes Warten waren vorüber.

Von diesem Traumergebnis scheinen Hamilton und sein Team in der laufenden Saison weiter entfernt als ein halbes Jahrhundert, der Brite wartet in seiner Debütsaison mit den Italienern immer noch auf die erste Podiumsplatzierung. Nach einem halben Leben ganz in Silber nahtlos in Rosso einfach so weitermachen zu können, das war ein Trugschluss. Der Kulturschock zieht sich nun schon über 15 Rennen hin. In einem perfekten Drehbuch wäre Monza der ideale Wendepunkt. Ein überzeugender Auftritt im Autodromo würde zumindest Aufschub geben, um zu beantworten, wann wem zuerst der Geduldsfaden reißt – die Vertrauensfrage.