PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungNahost-KonfliktPalästina anerkennen – und dann? Nüschte!Veröffentlicht am 08.09.2025Lesedauer: 2 MinutenJacques Schuster, Chefredakteur WELT AM SONNTAGQuelle: Marlene Gawrisch/WELTEinmal angenommen, alle Länder der Welt würden Palästina als Staat anerkennen. Was geschieht dann mit der Hamas? Wird sie ihre Waffen niederlegen? Sicher nicht. Und niemand wird sie dazu zwingen.Belgien gab in dieser Woche bekannt, es werde Palästina als unabhängigen Staat anerkennen. Bravo, Brüssel! Der belgische Löwe hat gebrüllt. Doch was geschieht, wenn er das Maul schließt? Der Berliner kennt die Antwort: nüscht!Das Schlimme an der Lage ist: Es gibt keine Lösungen. Gehen wir die Forderungen durch und erfüllen sie alle. Sämtliche Regierungen mit Israel an der Spitze erkennen Palästina als Staat an. Was geschieht mit der Hamas? Die Hamas ist für die Ein-Staaten-Lösung. Wird sie ihre Waffen niederlegen? Nein, das wird sie nicht. Wer also wird sie ihnen aus den Händen schlagen? Die Araber drumherum lehnen einen Militäreinsatz ab. Und der so greise wie starrsinnige Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat nicht die Macht dazu.Lesen Sie auchÜberhaupt Abbas. Soll der fast 90-jährige PLO-Spitzenfunktionär auch Staatschef von Gesamtpalästina werden, wie manch einer hofft? Das hieße, eine PLO-Diktatur zu errichten. Oder müsste man kurz nach der Staatsgründung Wahlen anberaumen? Was geschieht, wenn die Hamas die Wahlen gewinnt? Ihre Chancen stehen nicht schlecht.Vielleicht liegt der Schlüssel für die Lösung in Washington? US-Präsident Donald Trump erhofft sich einen Riviera-ähnlichen Gazastreifen. Doch wer nimmt die zwei Millionen Palästinenser auf? Kein Nachbar wird den Menschen eine Heimstatt bieten. Dasselbe Problem haben die Hardliner in Israels Regierung, die wie die westlichen Palästina-Freunde von „Palestine – from the river to the sea“ träumen – freilich in israelischer Hand.Wie heißt es bei Brecht in „Der gute Mensch von Sezuan“? „Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“